Skip to main content

Full text of "Die Entwicklung der Reichsstandschaft der Städte"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 




. • • • 



36784X 




Vi-> 



DIE ENTWICKLUNG 



DER 



REICHSSTANDSCHAFT DER STÄDTE. 



EIN BEITRAG 



ZUR 



GESCHICHTE DER REICHSTAGE 



VON DEll 



MITTE DES XIII. BIS ZUM ENDE DES XIV. JAHRHUxXDERTS 



VON 

P. BRÜLCKE 

DR. PHIL. 







HAMBUR«, 

YEHLAa VON JOHANNES ERIEBBL. 

1881. 






* 



^ 



— 6 — 

demnach auf diesem Reichstage die Städte mit dem Könige und den 
Reichsfürsten in einer wichtigen öffentlichen Angelegenheit vereinigt, 
und damit ist der historische Anfang eines Verhältnisses jener 
zum Reiche gegeben, «das noch lange bis zu seiner völligen Ent- 
wicklung und Fixierung brauchte.» ^ Sicher ist es dagegen zu viel 
gesagt, däss seitdem die Reichsstandschaft der Städte «entschieden» war.* 
Denn was dieselben hier erreicht haben, verdankten sie lediglich den 
Zeitverhältnissen und ihrer in dem Bunde concentrierten politischen 
Bedeutung, 

Zu einer Anerkennung derselben wurden auch die Reichsfürsten 
durch die Lage der Dinge im Jahre 1256 genötigt, und beinahe 
scheint es, als ob sich städtischerseits eine bewusste Politik erkennen 
Hesse, die das Ziel, sich bei Erledigung der vornehmsten Reichs- 
angelegenheit, wie es die Neuwahl des Königs ist, Geltung und 
Einfluss zu verschaffen, mit grosser Gewandtheit verfolgt hat, wenn 
auch vielleicht ohne Rücksicht auf eine fernere Zukunft.* Wir 



Franklin, Heichshofgericht II p. 62; über «Reichstag» Häberlin, Auszug der allg' 
Welthistorie VIII p. 300; lütter a. a. Ö. In Janssens Frankf. Reichscorrespon- 
denz findet sich diese Bezeichnung wol zum ersten Male in einem Schreiben Maxi- 
milians an Frankfurt von 1495, II, p. 589 Nr. 745) und den namentlich durch die 
Ausbildung der Landeshoheit und durch das Hinzutreten der Städte bedingten all- 
mäligen Uebergang der erstem in die letzteren , sowie den sich dabei heransatellen« 
den Unterschied zwischen beiden wenigstens in den Hauptpunkten kurz darzulegen , 
diese Absicht musste wegen ungenügender Vorbereitung und weil dadurch der Zu- 
sammenhang allzusehr unterbrochen worden wäre, aufgegeben werden. In erster 
Linie hätte dabei auf die allmälige Emancipation des Hofgerichtes von den Reichs- 
versammlungen und auf das Verschwinden des wesentlich auch gerichtlichen Cha- 
rakters der alten curiae regis im Gegensatz zu den mehr politisch-parlamentarisch 
gearteten Reichstagen eingegangen werden müssen. Aeusserlich iHsst sich dies an 
dem gänzlichen Aufhören der Weistümer (sententiae) verfolgen, wie ein ober- 
flächlicher Vergleich der Leges II in den M. G. mit den deutschen Reichstagsacten 
zeigt. Eine Erörterung der Sententia de bonis naufragantium et de moneta von 
miserm Wormser Hoftage müsste auf die Thätigkeit des Umstandes, wie er bei 
dem Zustandekommen der Weistümer mitwirkte, eingehen; denn in der Teilnahme 
an diesem Umstände äussert sich die eigentliche Teilnahme der Städte an dieser 
curia. Unter Anwendung des bei Franklin, Reichshofger. II p. 272 (auchAnm.2) 
Gesagten lässt sich dann die Stellung der Bundesstädte nach allgemeinern Gesichts- 
punkten beurteilen. Vergl. namentlich unten das über die G. B. und das über 
die Reichstage zu Frankfurt vom Februar und März 1379 Bemerkte. Es 
dürfte daraus die Notwendigkeit einer Untersuchung in dem anfangs dieser Note 
angedeuteten Sinne zur GentJge hervorgehen. Bei Franklin findet sich darüber nur 
wenig, und Häberlin, der noch am ausführlichsten hierüber spricht (Auszug aus d. 
allgem. Welthist. VIII p. 296 ff., mit Benutzung Olenschlagers, Erläuterung der G. 
B. p. 254 ff.), beschränkt sich auf die Aeusserlichkeiten. 

* Weizs. a.a.O. p. 191; cf. auch den Schluss von Busson: Der grosse Land- 
friedensbund. 

* Schidte a. a. 0. sagt so. Cf. auch Arnold II p. 67. 

® Den Conventus Oppenheimensis vom November 1255 (Weizs. p. 191 ff.) 
übergehen wir, weil es nur ein Bundestag ist. Es handelt sich um die Ausgleichung 
zwischen Herren und Städten im Bund, die dann auch erfolgt: «de concordi con- 



~ 7 — 

begnügen uns auch hier mit einer kurzen Zusammenfassung der 
Untersuchung Weizsaeckers/ indem wir das Notwendigste wörtlich 
anführen. Der Tod König Wilhelms am 28. Januar 1256 und die. 
darauf folgenden Wahlagitationen gaben den Mitgliedern des rheinischen 
Bundes — und zwar kommt alles zumeist auf Rechnung der Städte — 
Gelegenheit, weit über das ursprüngliche Ziel des Bundes, Sicherung. 
des Friedens, hinaus sich in eine Sache zu mischen, cdie sie 
eigentlich verfassungsmässig nichts anging.» Auf dem Mainzer 
Bundestage vom März 1256 nehmen sie Stellung zur Neuwahl; sie 
beschliessen, nur einen einschichtig gewählten König anerkennen 
zu wollen und übermachen vermittelst einer förmlichen ßesandschaft 
dieserhalb den Fürsten ein Schreiben. Auf einer zweiten ebenfalls 
zu Mainz im Mai 1256 gehaltenen Bundesversammlung beschliessen 
sie dann sogar, den auf 23, Juni nach Frankfurt angezetzten Wahl- 
tag zu besuchen, «auf eigene Faust, kraft des Beohts das sie sieh 
selbst nehmen^ weil es ihnen wichtig und erlaubt scheint ihre 
Interessen da geltend zu machen. Sie wollen also selbst dabei sein, 
auf die Wahlhandlung Einfluss üben, wo sie dann ihr Grewicht für 
den einen Kandidaten in die Wagschale legen konnten. Dies war 
das Richtige. Und da haben sie dann auch, wenigstens formell, den 
verdienten Erfolg kecken Yorangehens geemtet. Von diesem Franko 
fnrter Wahltag im Juni freilich wissen wir weiter nichts, vielleicht 
ist er doch zu Stande gekommen. Aber wie nun am 5. August 
einige Fürsten in der Wahlsache zu Wolmirstädt tagen, da wenden 
diese sich wirklich brieflich an die Städte, die damit jetzt erst (lange 
genug liess man sie warten, und gewiss nicht ohne Absicht) Antwort 
auf ihr Schreiben vom März erhalten. Albert von Sachsen, Johann 
von Brandenburg, Albert von Braunschweig bezeichnen jeder in 
seinem Brief den Otto von Brandenburg als Kandidaten, der auch 
bereit dazu sei, und dieser Kandidat selbst schreibt, sie sollen zum 
Wahltag nach Frankfurt auf 8. September kommen. Das war das 
grosse Ergebniss ihres Vorgehens. Eingeladen sind sie also jetzt, abeir 
man bemerke wol zu was: cad curiam — ita decenter veniatis, ut 
etsi inter aliquos ibidem discordia quod absit oriatur, pars, cui infertur 

injuria, vestro possit auxilio roborari.» Es ist also, wie Weizsaecker 

• 1 'i 

sensu et unaDimi voluntate nobilium et eiiam civitatum>. Auf diese Stelle legt iev 
Autor der p. 3 Anm. 2 angeftihrten alten Dissertation ein ganz besonderes GeWichij 
aber mit Unrecht, weil es eben kein Reichstag ist. Gf. Art.3derUrk.VIIbeiWeizs. 
p. 20; «accedente cousensu domini regia»; die Bundesglieder beschliessen,, der 
KOnig giebt blos seine Zustimmung. ; . '\ 

' A. a. 0. p. 192 ff, '/' '., i , /. 



— 8 — 

ferner hervorhebt, nur der Kandidat, der sie, die Bundesstttdte 
einladet, nicht seine Wähler; und nicht zum Wahlgesohäft, was 
schon hierin liegt, werden sie eingeladen, sondern nur zur Unterstützung 
der ^^ahltagspolizei. Aber wenn sie einmal kamen, waren sie doch 
mit ihrem Einfluss dabei und lediglich deshalb drängen sie sich 
zum Wahltage. — 

Wir können uns die Mühe sparen, die Consequenzen zu ziehn, 
die wie in vielen andern, so auch in dieser Beziehung sich an das 
Fortbestehen und eine weitere Entwicklung des rheinischen Bundes 
geknüpft hätten. Dass dies nicht geschah und weshalb nicht, ist oft 
genug auseinandergesetzt worden. Jedenfalls war von den Städten 
ein guter Schritt auf dem Wege zur Beichsstandschaft gethan, über 
den sie lange nicht hinaus kamen. Wie eine alte Tradition, aber 
nicht mehr in derselben Bedeutung auftretend lassen sich seitdem die 
Vereinigungen von Städten verfolgen, die die Politik des grossen 
Bundes von 1254 mit Bezug auf die Neuwahl eines Königs copieren, ^ 
und immer wieder ist es zunächst der Landfrieden, der die Städte 
zum gegenseitigen Anschluss bewegt und ihnen so fürs erste neben 
den Fürsten eine Stelle anweist, die sie einzeln für sich nicht hätten 
behaupten können. Freilich liess sie ihr cKirchturmsinleresse» nur 
selten zu einer bewussten planmässigen Politik gelangen und wenn 
bei dem rheinischen Bunde eine Tendenz angedeutet schien, die auf 
das Streben nach reichsständischer Bedeutung hinweist, so zeigt doch 
die fernere Entwickelung — man darf wohl sagen: merkwürdiger 
Weise — keine Spur von Spontaneität seitens der Städte ; unbewusst 
und dem Gange der Ereignisse überlassen entwickelt sich der 1255 
gelegte Keim; vergebens sucht man sozusagen nach theoretischen 
Auslassungen, die eine bewusste Teilnahme der Städte an dar 



^ Wir enfähnen hier gleich die im ganzen ähnliche, nur unbedeutendere Agi- 
tation der Städte aus Anlass der Wahl Rudolfs v. Habsburg. Der Unterschied von 
1256 liegt darin, dass 1273 die gemeinsame Wahlpolitik den Abschluss eines 
Schutzbündnisses zwischen 7 Städten veranlasst, während 1256 umgekehrt jene dem 
bereits besiehenden Bunde, der das prius ist, entstammt. Vergl. die beiden Ur- 
kunden, die über das gemeinsame Vorgehen bei der Wahl (es ist dasselbe wie 1256) 
und das sich daran anschliessende SchutzbUndniss der 7 Städte: Mainz Worms 
Frankfurt u. s. w. dd. 1273 Febr. 5 bei Böhmer Cod. Dipl. Frank, p. 161 ff. (die 
Leges II 882 ff. haben nur die erstere Urkunde). Auf dem Wahltage sind dann 
auch die Städte «reichlich vertreten», cf. v. d. Ropp, Erzb. Werner von Mainz, 
p. 80; Weizs, a. a. 0. p. 183 Anm. 1. — Noch nach dem Tode Albrechts ü. 
schliessen Mainz Strassburg Worms Speier ein Bündniss : keinem neuen Könige 
vor Bestätignng der Privilegien huldigen ; einem im Zwiespalt ei*wählten Könige 
nicht huldigen, bevor sie nicht darüber einhellig wären. Häberiin VI p. 72. 
Wencker Apparat, p. 355 ff. Nr. 64. 



— 9 — 

Sache selbst, an der Ausbildung dieses wichtigen Rechtes det 
stimmberechtigten Vertretung auf den Reichsversammlungen verraten. 
Es lassen sich bereits im Voraus zwei fernere Etitwickelungs- 
stufen der durch den rheinischen Bund begründeten städtischen 
Beichsstandsehaft in Aussicht nehmen. Wenig oder garnicht ist 
bisher bemerkt worden, dass wie die städtischen Mitglieder des 
Bundes von 1254 keineswegs alle Reichsstädte waren, sofern man 
diese Bezeichnung etwa für die Mitte des 13. Jahrhunderts bereits 
im Gegensatz zu Land- oder Mediatstadt gebrauchen darf, so auch 
bei dem Wormser Reichstage vom Februar 1255 eine Reihe von 
Städten und Städtchen vertreten waren, die nie Reichsstädte geworden 
sind. Die Mitgliederliste des Bundes* weist schon für den October 
1254 z. B. Bingen Bacherach Dietbaoh auf, und wir haben keine 
Veranlassung anzunehmen, dass gerade sie nicht in Worms 
Abgeordnete hatten, * Diese Erscheinung hängt natürlich mit der 
Ausbildung der Landeshoheit zusammen. Der rheinische Bund zeigt 
in seiner weiten Ausdehnung ein buntes Durcheinander aller möglichen 
Städte, von den kleinen westfälischen Communen ^ bis zu den reichen 
mächtigen Bischofssitzen längs des Rheins. Man wird sagen dürfen, 
dass die zur Zeit namentlich in den niederdeutschen Gegenden noch 
i;«enig consolidierte Landeshoheit selbst kleineren Stadtgemeinden 
einen freien Spielraum gewähi*te, denn von einer für den Beitritt 
zum Landfrieden eingeholten Genehmigung finden wir nichts. Auch 
in späterer Zeit fehlt es nicht an Bündnissen zwischen den nieder- 



' S. dieselbe bei Weizs. a. a. 0. p. 141. 

' In der Sententia de bonis Daufraganliom et de moneta heisst es ausdrück- 
lich: «presentibas . . . nunciis omnium civitatum» etc. 

• Vergl. bei Ermen Urkundenbuch von Köln II p. 347 ff. die Aufnahme- 
urknnden Ton StSdten wie Wnrendorf, Beckum, Ahlen, Telgt, Vreden u. a. — 
Es ist verwunderlich, wie in der p. 3 Anm. 1 citierten Abhandlung von 0. Lorenz^ 
deren beide erste Teile durchaus verunglückt sind, schon aus oder trotz dem oben 
angeführten Grunde, von andern ganz abgesehen, mit Bezug auf die Teilnahme 
der meisten rheinischen Reichsstädte am Bnnde von 1254 das «Bündnissrecht» 
immer wieder als Kriterium der Reichsstandschaft herhalten muss. Für eine spätere 
Zeit nmg man vielleicht schon eher von einem «Bündnissrecht» der Reichsstädte 
in gewissem Sinne sprechen dürfen. Wenn z. B. Vischer, Forschungen II p. 16 
ob. sagt, dass deshalb, weil der rhein Bund Handhabung der öffentlichen Sicher- 
heit zu seinem Hauptzwecke hatte, während die Städtebünde des 14. Jahrhunderts 
unter Karl und Wenzel in erster Linie die Reichsfreiheit der Städte schützen 
wollten — dass deshalb in jenem auch Landstädte ihren Platz fanden, während 
diese als Glieder nur Reichsstädte oder solche, die es zu sein beanspruchten, auf- 
nahmen, so ist doch dabei zu bedenken, ob an dem grossen Städtebunde zu Knde 
des 14. Jahrhunderts Mediatstädte überhaupt teilnehmen konnten oder durften^ 
und das dürfte im allgemeinen zu verneinen sein. 



— 10 — 

deutschen Landstädten, die von diesen aus eigner Machtvollkommen- 
heit geschlossen wurden; auf den ßeichsversammlungen aber sind 
sie nicht mehr vertreten, Die festere Begründung der landesflirst- 
lichen Gewalt und die jenen Gegenden abgewandte Beichspolitik 
mag das Ihrige dazu beigetragen, sowie den Bürgerschaften selbst 
der Erwerb landstandschaftlicher Hechte erspriesslicher geschienen 
haben, als die Pflege nunmehr gegenstandsloser Beziehungen zu Kaiser 
und Reich. 

Es dürfte unmöglich sein, die eben geltend gemachten 
Gesichtspunkte im Folgenden genauer durchzuführen, um etwa za 
untersuchen, ob sich auf den spätem Reichstagen nachmalige Landstädte 
nachweisen lassen. Die Nachzügler des rheinischen Bundes ^ mögen 
vielleicht noch solche neben Reichsstädten zu Teilnehmern an ihren 
Bundesversammlungen gehabt haben, da ja die Trennung beider 
Gruppen sich erst um diese Zeit schärfer auszuprägen beginnt. ^ 
Vielleicht sind die Veranschlagungen von Städten, die nie Reichsstädte 
gewesen oder geworden, in denspätern Reichmatrikeln ^ unklare Erinn- 
rungen an die früheren Zustände, und bei einem grossen Teile der 
niederdeutschen Communen blieb es lange unentschieden und Gegen- 
stand des Streites mit dem Landesherm, ob sie reichsunmittelbar seien 
oder nicht. Jedenfalls, und darauf wollten wir nur hinweisen, handelt 
es sich für uns in der Folgezeit nur um die Vertretung von reichs- 
unmittelbaren oder Reichsstädten auf den Reichsversammlmigen; nur 
sie können naturgemäss das Recht der Reichsstandsqhaft in unserm 
Sinne erwerben, während die mittelbaren oder Mediatstädte aus dem 
directen Zusammenhange mit dem Reiche ausscheiden und ver- 
hältnismässig schnell auf den Landtagen Sitz und Stimme gleich 
den andern Landständen erlangen. Einer besondren Beurteilung 
bedarf wohl das merkwürdige Verzeichniss der von Ludwig dem 
Baiern zu einem Reichstage (1330) berufenen Stände, das neben 



^ Cf. Reg. von 1246—1813 p. 358 Nr. 98 das Schreiben Werners yon Mainz 
an Koblenz u. p. 360 Nr. 127; cf. unten p. 15 Anm. 4. 

' Der von Lorenz a. a. 0. gemachte Versuch, mit Hülfe einer quasi Privi- 
legientheorie Kriterien der Reichs- nnd Landstandschaft und zwar nach einem 
Schema festzustellen, ist vollständig misslungen. Man dürfte im allgemeinen über 
das bereits von Hugo^ MediatSsirung p. 7 ff. betre£& des Unterschiedes von Reichs- 
und MediatstUdten Bemerkte, wo weislich die schwankenden Verhältnisse des 13. 
und 14. Jahrhunderts berücksichtigt werden, kaum hinauskommen. Vortrefflich 
äussert sich hierüber auch Arnold II p. 417. 

' Cf. Hugo a. a. 0. p. 8. 



— 11 — 

Fürsten und Herren als gleichfalls berufen anfährt:^ «Item prudentes 
viri consules seu rectores ac universi (!) cives Stralisunde, civitatis 
Griffiswald, civitatis Ankleym, civitatis Demyn (sc. citantur). Da 
andre, zumal Reichsstädte nicht aufgeführt werden, so betrifft dies 
wohl eine die genannten Städte speciell angehende Sache. 

Eine zweite und wichtigere Stufe der Entwicklung der städtischen 
Keichsstandschaft (nach dem Ausscheiden der Landstädte) würde darin 
bestehen, dass die Reichsstädte auch ohne die Autorität, die die 
Teilhaberschaft an einem grossen Bunde gewährt, für sich zu haben, 
kraft ihrer eignen Bedeutung zu den Reichsversammlungen zugezogen 
werden. Und in dieser Beziehung sind sie eigentlich lange 
nicht über die Errungenschaft von 1255, wenn man so sagen 
darf, hinaus gekommen. Zwar in der nächsten Zeit werden sie 
nicht mehr als Mitglieder eines Bundes berufen, so dass dies als 
Grund der Berufung anzusehen wäre, aber vorerst bleibt es immer 
der Landfriede und sind es Landfriedensangelegenheiten, derenthalben 
die Städte eingeladen werden, und die spärlichen Wendungen der 
betreffenden Urkunden und Briefe lassen in dem seltnen Falle, dass 
wir nebst der Einladung durch den König auch wirklich von einer 
Anwesenheit derselben auf dem Tage hören, es ziemlich unklar, 
in wie weit diese Anwesenheit mit einem Einfluss auf die Verhandlungen 
der Versammlung verknüpft gewesen ist. 

Es würde jedoch von vornherein zu einseitig sein, wenn wir 
dieser Teilnahme der Städte an den Landfriedensbündnissen nur im 
Zusammenhange mit den Hoftagen unsere Aufmerksamkeit zuwenden 
wollten. Denn zum Abschluss eines Landfriedensbundes, wie eines 
Bündnisses überhaupt gehört nicht durchaus eine Reichsversammlung, 
deren Wesen in der persönlichen Zusammenkunft des Königs mit 
Fürsten besteht und auf denen allerdings, sobald wir von einer 
Hinzuziehung der Städte hören, unter andern Sachen, von denen 
wir meist nichts oder nur wenig wissen, namentlich über Landfrieden 
tractiert wurde. Aber viel grösser ist die Zahl derjenigen Einungen 
zu genanntem Zweck, die ohne dass die Quellen von einer curia regis 
sprechen, geschlossen wurden. Und da scheint es fast, als ob 
verglichen mit sonstigen Landfriedensbündnissen die Städte als 
ständische Bhporkömmlinge neben dem König und den Fürsten auf 
den Hoftagen zurücktreten und derartige von der Reichsversammlung 



' Bei OefeU SS. I, 757. Böhtner, Font. I Nr. 16 p. 240 u. Reg. Ludwigs 
p. 74 Nr. 1212. a a 



— 12 — 

erlassne Landfriedensurkundeii scheinen zu Terraten, dass die Feier- 
lichkeiton und Formalitäten einer curia regis den Städten eine stumme 
Rolle auferlegten, die sich auf das Beschwören des Friedens beschränkte, 
der ohnehin bis zu Ende das 13. Jhs. meistens eine Wiederholung 
der früheren bezüglichen kaiserlichen Edicte war, so dass da grosse 
Verhandlungen nicht nötig waren. Wir können nun nicht des langem 
auf die ja klar zu Tage liegend9 Bedeutung eingehn, die die Be- 
teiligung der Städte an Landfriedensbündnissen für die Beförderung 
ihrer reichsständischen Stellung und Wichtigkeit, überhaupt für die 
Entwicklung ihrer Beichsstandschaft gehabt hat» Es genügt darauf 
hinzuweisen, dass seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts die Land- 
frieden aufhören, eigentliche kaiserliche Gesetze zu sein, da- 
gegen in Wirklichkeit das Wesen vertragsmässiger Bestimmungen 
des Beichsoberhauptes mit den Beichsständen deutlich zeigen. ^ Der 
Grund hiervon liegt darin, dass ersteres von ihm allein erlassenen 
Landfriedensgesetzen nicht mehr die nötige Wirksamkeit verschaffen 
kann; er bedarf dazu der Mitwirkung der Territorialgewalten, die 
dann als gleich gestellte Factoren den Vertrag mit abschliessen. 
Sugenheim * schreibt diese cwichtige und segensreiche Neuerung> 
Albrecht I. zu und führt als erstes Beispiel an das zwischen diesem 
und einzelnen Beichsständen, nämlich dem Bischof von Strassburg 
und Basel, dem Landgrafen des Ober- und Niederelsasses und den 
Städten Strassburg und Basel, 1301 auf 4 Jahre abgeschlossene 
Bündniss, c welches neben Sicherung der Personen und des Eigentums 
auch die Befreiung des Oberrheins von den neuen ungerechten Zöllen 
auf dem Wege des Vertrages bezweckte.^ Jeder Teilnehmer ernannte 
Friedensrichter, zusammen 6, bei welchen der Beschädigte seine 
Klage anzubringen hatte . . . Und eine gleich zweckmässige Ein- 



* Cf. Schulte a. a. 0. p. 226, V ; doch legt er zu viel Gewicht auf die For- 
meln der Landfrieden, auf die es hierbei weniger ankommt. So citiert er zum Be- 
weise des oben Gesagten (a. a. 0. Anm. 11) den Landfrieden Ludwigs von 1313, 
NS I p. 43 : «mit gunste und rat der erbern herren und fursten . . . grafen und 
freyen, dinstmann und stet.» Auch in dem Landfrieden von 1235 heisst es bereits 
zum Schluss (Leges II p. 818): «promulgate sunt he constitutiones de consilio et 
assensu (mit gunste und rate) principum . . nee non plurimorum nobilium et alio* 
rum fideliam imperii etc.» Wiederum ist z. B. der oberrhein. Landfriede Karls IV. 
und Wenzels von 1378 formell ein rein kais. kön. Gesetz. R. A. I, Nr. 116. 

* Geschichte HI p. 125 u. 126. 

" Es ist jedoch zu bemerken, dass der politische Hintergrund dieses Bünd- 
nisses (Leges II p. 475 — warum nicht in den Reg. angeführt?) die Beweggründe 
des Königs bei seinem Abschluss durchaus praktischer Natur erscheinen lässt: 1301 
begannen die Kämpfe A.'s mit den rhein. Kurfürsten! 



l 



— 13 — 

richtung hatte auch der Landfriedensbund,* zu welchem Albrecht 
später in Schwaben einige Vögte sowol des Reichs als seines Hauses 
mit verschiedenen Landesherrn und 22 Städten auf 2 Jahre vereinte. » — 
Die Wichtigkeit solcher vertragsmässigen Bündnisse für die reich- 
ständische Bedeutung der Städte liegt auf der Hand: gleich dem 
König und den Fürsten stellen sie eine Anzahl von Landfriedens- 
richtem, gleich diesen hängen sie ihr Siegel an die Urkunde. — 
Wir sehn aus diesen Bemerkungen, dass die Entwickelung der 
städtischen Reichsstandschaft allein im Anschluss an die Hoftage 
nur die gleichsam formelle Seite einer Sache berührt, die in ihrer 
Gesamtiausdehnung die Betrachtung der gesamten politischen Bedeutung 
der Städte verlangt, auf Grund welcher sie sich den Pursten gegen- 
über aus einer anfänglich untergeordneten, aber mit der Zeit that- 
sächlich anerkannten zu einer principiell beigeordneten, gleichwertigen 
Stellung emporai'beiteten. So kann man eine formelle, eine Reichs- 
standschaft im engern und eine im weitem Sinne unterscheiden. 
Indem wir uns wieder zur Entwickelung der ersteren wenden, 
machen wir bald die Wahrnehmung, dass dieselbe nicht gleichen 
Schritt hält mit der äussern Machtentfaltung und der factischen 
Bedeutung der Städte im Reich, von der jene doch eigentlich 
die directe Wirkung ist. Das 14. Jahrhundert bietet gar häufige 
Beispiele von Bündnissen, besonders zu Landfriedenszwecken, ^ in 
denen Fürsten und Städte sich durchaus gleich gegenüberstehen, 
aber es finden sich, wie wir sehn werden, nur wenige Spuren von 
einer Reichsstandschaft der letztern im engern Sinne. 

Für die Hoftage der auf Wilhelm von Holland folgenden 
Könige geben unsre schriftstellerischen Quellen fast durchweg die 
negative Ausbeute, dass sie überhaupt nichts von anwesenden Städte- 
boten wissen; nach dem Ende des 13, Jahrhunderts nehmen und 
haben sie auch erst Veranlassung, das übliche: «convocavit rex» 
mit dem Objecto: oppida oder civitates zu versehen. Dio mehr 



' ' Legedll p. 488. Stalin^ Wirt. Gesch., bemerkt dazn: Hiermit gab der König 
fUr Schwaben das erste Beispiel einer engern Verbindung zwischen Herren und 
StUdten und mittelbar den schwHbischen Städten Anleitung zu den Bündnissen, 
welche sie später nach dem Muster der Rheinlande ohne die Fürsten aus eignem 
Antriebe und zu eignem Nutzen unter sich schlössen. A. a. 0. HI p. 114. 

' Cf. namentlich Vischerf Forsch. II in der Einleitung u. Reg. 1, 6, 7, 12 ff. 
StäUn verfolgt die Geschichte dieser Bündnisse in Oberdeutschland fortlaufend im 
in. Bd. — Cf. ferner Reg. Karls IV, Einleitung p. XXI; Riezler, bair. Gesch. 
II p. 461. 



— 14 — 

latente und für weitere Kreise wenig bemerkbare Privatwirksamkeit 
der Städte am königlichen Hofe erregte nicht ihre Aufmerksamkeit, 
so viel curiae regis sie auch erwähnen und bisweilen ausführlicher 
besprechen. 

Von den beiden Gegenkönigen Alfons und Bichard weilte nur 
der letztere bisweilen in Deutschland. Im Jahre 1268 betrat er 
zum vierten und letzten Male den Boden desselben und es gelang* 
ihm, im April des folgenden Jahres 1269 eipen Hoftag in Worms 
abzuhalten; caber es war niemand erschienen, als ein paar rheinische 
Bischöfe, denen sich der Herzog Ludwig von Baiern zugesellte. 
— Auch brachte man kaum etwas Wesentliches zu Stande, mit 
Ausnahme der Erneuerung des rheinischen Landfriedens, der dringend 
notwendig war, aber auch nachher nicht gehalten wurde.» ^ Es 
fragt sich, ob auch die Städte zu diesem Tage berufen und auf ihm 
vertreten waren, was nicht ganz leicht zu entscheiden ist. Wir 
haben zunächst zwei die Versammlung betreffende Actenstücke: 
erstens eine Urkunde über die Aufhebung des Wormser Ungelds 
(dd« Worms April 20), zweitens ein Mandatum Richards an Strassburg 
«de deponendis theloneis» (dd. Frankfurt Mai 12).^ Arnold setzt 
die Bedeutung beider Actenstücke vortrefflich auseinander und hebt 
an ihnen mit Recht «den städtefeindlichen Einfluss hervor, welchen 
die geistlichen Fürsten geltend machten«» ^ Jene erste Urkunde 
besagt nur, dass die Wormser, in deren Stadt die Versammlung 
stattfand, vor versammeltem Reichstage gelobt haben, das Un- 
geld abzuthun: «pro rei publice bono et generali pace.» — Er- 
wähnt wird die Gegenwart der Bischöfe von Mainz Trier Worms 
Speier mit dem Zusatz: «ac aliorum multorum comitum et magnatum 
fidelium nostrorum.» Von Städten also nichts. In dem zweiten an 
Strassburg gerichteten Actenstück heisst es: «Fidelitati vestrae manda- 
mus, quatenus exemplo multorum priucipum comitum etiam magnatum 
nobilium et baronum et aliarum plurium civitatum pacem in civitate 
Argentinensi communi voto jurantes"^ ac nobis ad observationem 
predicte pacis una cum aliis fideliter et viriliter inherentes, thelonia 
« . . deponatis.» Die Strassburger, die demnach keine Boten aum 



* Lorenz, deutsche Gesch. I p. 223 ff. 

* Leges II p. 381 u. 382. Reg. Richards Nr. 111 u. 112 und zum 14. April 
1269 p. 49 unten. 

^. Arnold II p. 108 ff. ; über die Bedeutung der Ungeldstrettigkeiten vergl. 
auch Heusler, Ursprung der Stadtverfassung p. 220. 

^ So hat Böhmer wohl richtig fUr das juvantes in den Leges. 



^^ 15 - 

Reichstage geschickt hatten, sollen also nach 4em Beispiel Yon 
Fürsten Herren und andern Städten den gemeinen Frieden in 
Strassburg communi voto beschwören, dem Könige gleich jenen 
andern in der Stützung des Friedens beistehen und die Zölle ab- 
thun. Vielleicht bezieht sich das: quatenus exemplo u. s. w. nur 
aaf dies Letzere, auf die Niederlegung der Zölle; Böhmer bezieht 
es auf das jurare. Für den Fall des Nichtgel^orsams wird mit 
Ausschliessung aus dem Frieden gedroht. — Gute Nachrichten über 
diesen Tag geben uns noch die Wormser Annalen, ^ die die Städte 
nicht nennen, und Thomas Wikes. ^ Letzterer sagt: «Et facta 
statim in urbe Wormatia principum ei magnatum Alemannie con- 
vocatione non modica cepit (rex) cum eis (Städte sind also nicht 
dabei) mutuo pertractare, qualiter salubrius et melius desolate pro- 
yincie posset oppressionibus obviari etc. Sane prospicions tarn salubre 
propositum sagaeitate pocius quam viribus ad effectum posse perduci, 
cives yicinarum urbium, qui de mercemoniis vivere consueverant, et 
potentiores regni, unanimi federe coUigatos, iurisiurandi cautione 
prestita oounivit, quod siquis in posterum quantecunque foret pre- 
eminentie supradieta thelonea presumeret extorquerej statim omues 
et singuli . . . sub mulcta irruerent in rebellem.» 

Es ist nicht ganz zweifellos, ob y. d. Kopp Recht hat, wenn 
er mit Bezug auf diese Stelle bemerkt:^ «Die Annal. Worm. geben 
alle Teilnehmer an. — Thomas Wikes erwähnt als Teilnehmer auch 
die von den Annal. Worm. nicht aufgeführten cives vicinarum 
urbium.» Thomas sagt allerdings, dass dieselben und zwar wohl gleich 
auf dem Hoftage mit in den Bund gezogen worden seien, obgleich 
man sich denken könnte, dass wie Strassburg so auch andere, namentlich 
rheinische Städte erst nachträglich aufgefordert worden seien, den 
vom König und den Fürsten errichteten Landfrieden zu beschwören 
und die Zölle abzuthun.^ Auf alle Fälle spielten hier die Städte, 
wenn auch einzelne von ihnen Boten nach Worms geschickt haben, 
eine ganz untergeordnete Rolle im Vergleich zu dem Reichstage von 
1255. Das liegt schon in dem städtefeindlichen Charakter der Be- 

> Bei Böhmer, Fontes 11 p. 4. 

' A. a. O. p. 456. 

" Erzbiflchof Werner y. Mainz p. 47 Anm. 5. 

* Auf eine VerBammlung des neuen Bundes deutet folgendes Schreiben Werners 
?on M. an Koblenz dd. 1269 Aug. 8. Reg. Baichss. p. 858 Nr. 98 : er berichtet 
ttber den kOrzlich (d. h. im April) von König R. auf dem zu Worms gehaltenen 
Tage Terofdneten Landfrieden, lüdet die Stadt ein, auf den 16. August nach Op- 
penheim zu der Zusammenkunft der Fürsten Edlen und Stfidte ihre Boten zu senden. 



'\ 



- 16 — 

Schlüsse und auch die Ausdrucksweise Thomas Wikes lässt in üeber- 
einstimmung mit den andern Quellen erkennen, dass nur die principes 
und mägnates zur Reichsversammlung gehören. 

Für die Geschichte Rudolfs ^ Adolfs und Albrechts ergeben die 
vorhandenen urkundlichen Quellen, soweit wir sie kennen, wenig 
mehr, als dass man bisweilen die Städte auf die Heftige berief oder 
dazu wenigstens die Absicht hatte, um sie den Landfrieden beschwören 
zu lassen. Es findet sich freilich die Ansicht, dass schon unter diesen 
Königen die Städte häufiger zu den Roichsversammlungen berufen 
worden seien und zwar in einem auf den ersten Blick ansprechenden 
Zusammenhange, im Zusammenhange mit der viel erörterten 
Politik dieser Könige gegenüber den Bürgerschaften. Sugenheim^ 
führt nämlich zum Beweise seiner Behauptung, dass König Adolf 
nach Heinrich IV. zuerst die Städte «planmässig» begünstigt habe, ^ 
unter andern auch Folgendes an: Adolf gewann (im Gegensatz zu 
Rudolf I.) die Städte «schon durch öftere Ermässigung ihrer Abgaben 
an das Reich, mehr noch durch ihre Zuziehung zu den Reichstagen, 
d'e seitdem üblich und bald wenn auch durch kein Gesetz sanctionierte 
Regel wurde.» Zur Bestätigung dessen führt er in Anm. 40 an: 
«Wie man aus dem Schreiben Adolfs an die Stadt Besannen zu 
folgern berechtigt ist. > Aber das darf man aus diesem Schreiben * garnicht 
folgern. Die Bemühungen Philipps des Schönen von Frankreich, 
aus der bisherigen Reichsstadt Besannen eine französische Stadt zu 
machen, veranlassten den deutschen König, dieselbe zu warnen, «dass 
sie sich voni Könige v. Frankreich nicht zum Abfall verlocken 
lassen möge; er ermahnt sie das demnächst in Frankfurt zu haltende 
parlamentum generale zu beschicken» (cui nuntios vestros petimus 
i&ttentius interesse). Man sieht, wie verkehrt es ist, hieraus allgemeine 
Schlüsse derart wie der oben angefühlte Sugenheims ist, zu ziehn; 



^ Ueber das Vorhalten der StHdte bei seiner Wahl und über ihre Anwesenheit 
auf dem Wahltage s. o. p. 8 Anm. 1. 

« A. a. 0. p. 118 ff. 

' Dasselbe Verdienst nimmt v. Weech ftlr Ludwig von Baiern in' Ansprach, 
cf. Ludwig und Johann v. Böhmen p. 109. — Was Heusler (Ursprung p. 129) 
hierüber vdn Friedrich II. sagt, gilt wol für die Stiidtepolitik aller Nachfolger 
dieses Kaisers; cf. die interessante Zusammenstellung der verschiedenartigsten Ur- 
teile über das Verhalten desselben gegenüber den Bürgeischaften bei v. Löher, 
Fürsten und Stildte, p. 30 ff. 

* dd. 129(^' April 8. Reg. Nr. 804; cf über die Sachlage Lorenz, Gesch. II, 
p. 571 ; Hugo, Mediatisirung p. 35 mit dem falschen Datum nach Chifflet, Veson- 
cio II p. 289, wo der Brief auf 1277 gesetzt ist. Zu dem parlamentum sind be- 
rufen: principes, barones nobiles et alii fideles imperii. — «Ausser der hess. £rb- 
Bchaflsangelegenheii ist uns nichts von den Verhandlungen bekannt.» Böhmer. 



— 17 — 

es handelt sich hier um einen ganz speciellen Fall, wie solche häufig 
die Berufung einzelner Städte zu den Hoftagen veranlassten. So 
finden sich z. B. Schutz- und Geleitsbriefe für Städte, die ihre Ab- 
geordneten zum Hoftage schicken sollen oder wollen und deshalb 
darum ersucht haben, sowohl für specielle Fälle als auch ganz all- 
gemein ausgestellt; wir führen einige Beispiele an. 

Reg. Budolfs Nn 67, dd. Hagenau 1274, März 2 : iK. Rudolf 
nimmt die Machtboten der Stadt Köln, wenn sie gerufen oder nicht 
gerufen sein Hoflager besuchen, in seinen besondem Schutz.» — 
Reg. Rudolfs Nr. 181 dd. Hagenau 1274 Nov. 8: «Rudolf nimmt 
die Bürger von Oöln in seinen Schutz, verspricht ihnen dafür 
eiuzustehn, dass in Streitigkeiten, sofern sie vor dem königlichen 
Hofgericht Recht nehmen wollen, niemand ihnen oder andern, die 
zu ihnen wollen, den Weg in und aus der Stadt verlegen soll.» 
Ennen (III Nr. 93) sagt : . . sicheii; ihnen «sichres Geleit nach und 
von dem königlichen Hofgerichte zu;> aber das steht wohl nicht 
so deutlich in der Urkunde. — Cod. Lubec. I, p. 498, dd. 1290 
Mai 2 1 : «König Rudolf sichert den Lübecker Gesandten für ihre 
Reise ins königliche Hofiager seinen und des Reiches Schutz und 
sichres Geleit zu: eundo et redeundo ad nostre maiestatis presen- 
ciam cum personis et rebus in nosti*am et sacri iroperii protectionem 
reeipimus et conductum.» — Auch finden sich Einladungen an Städte 
zu Hoftagen, um die Huldigung von ihnen zu erlangen, wo dann 
jene gleich die Gelegenheit benutzen mochten, sich ihre Privilegien 
bestätigen zu lassen oder neue auszuwirken. Aber darf man denn in 
solchen Fallen von «Zuziehung der Städte zu den Reichstagen» 
reden in dem Sinne, den man gewöhnlich mit diesen Worten ver- 
bindet? Wir erfahren ^ z. B., dass König Rudolf zu einer curia 
Nurembergensis im November 1274 unter andern auch die Lübecker 
eingeladenhat. Er verkündet am 1. Juni 1274 von Hagenau aus «allen 
Fürsten, Edlen und Getreuen, dass er die Boten, welche die Bürger 
von Lübeck zu seinem in Nüniberg zu haltenden Hofe abordnen möch- 
ten, im Kommen, Weilen und Gehen in seinen und des Reiches 
sichern Schutz genommen habe.» Es ist dies der Hoftag, auf dem 
das Verfahren gegen Ottokar von Böhmen eingeleitet wird. Böhmer, * 
der die hier gefundenen Weistümer «Reichsabschiede» nennt, bemerkt, 
dass kein weltlicher Fürst als Zeuge genannt ist. Lorenz' hebt 

' Reg. Nr. 92 p. 64. Cod. Lubec. I, 326. 

• Reg. p. 66—67; cf. Leges II p. 899 ff. 

* Gescb. II p. 76. 

2 



— 18 — 

hervor, dass man in dem letzten Beschluss des Beichtages, wonach 
die Pfahlbürger für immer abgethau sein sollen, einem oft versuchten 
Streiche gegen die Städte begegnet, dass die Beschlüsse vorzüglich 
der fürstlichen und zwar besonders der Politik der geistlichen 
Fürsten dienen sollen, von denen sie ausgegangen sind. Wenn 
demnach schon die zur Verhandlung gekommenen Sachen und 
diese Beschlüsse keinen Zweifel darüber lassen, dass die Städte, 
so viele auch von ihnen anwesend gewesen sein mögen, jedenfalls 
nicht aus Anlass einer Beichsangelegenheit und um au ihrer 
Beratung teilzunehmen berufen waren, so erfährt man speciell 
von den Lübecker Gesandteil, dass sie nur oder hauptsächlich 
der Huldigung wegen zu erscheinen aufgefordert wurden. Rudolf 
schreibt nämlich am 5. November von Hagenau aus^ — die 
Boten waren gar nicht bis Nürnberg gekommen — an Lübeck, 
dnss er die Machtboten der Stadt gern gehört und den Huldigungs- 
eid von denselben empfangen habe. Merkwürdig ist das daran 
sich anschliessende Versprechen des Königs aus Anlass ihrer er- 
wiesenen Treue: cEt in cunctis nobis et sacro imperio tam in dicta 
civitate quam extra ad honorem et utilitatem procedere potentibus 
vestre discrecionis consilium requirere volumus et habere.» Ob er 
das wohl je gethan hat? Wir finden hier die erste derartiger Ver- 
sprechungen^ die nichts als Redensarten sind und uns noch oft be- 
schäftigen werden. 

Solche Einladungsschreiben zu einem Hoftage ^ berechtigen uns 
also noch nicht, daraus auf eine Anteilnahme der Städte an den 
Verhandlungen der Versammlung zu schliessen, sie haben mit der 
Entwicklung der städtischen Reichsstandschaft nur wenig zu thun. 

Dagegen scheint Schulte mit Bezug auf dieselbe grosses Ge- 
wicht zu legen auf das € Mandat um Rudolii de negociis imperii ad- 
ministrandis. > ^ Nachdem er nämlich bemerkt hat, dass die städtische 
Reichsstandschaft seit dem Wormser Hoftage vom Februar 1255 
«entschied<^n» sei, sagt er^: «Schon im August 1274 gab König 



* Reg. Nr. 129. Cod. Lubec. I, 331 und 332. 

« Cf. noch Reg. Adolfs Nr 235, Cod. Lnb. I p. 568: K. A. bezeugt der Stadt 
Lübeck seine Ungnade, y^eW sie noch keine Gesandschaft an ihn abgeoi^net habe, 
«licet plerunique omnes principes comites nobiles et barones nee non civitatuin 
altaiam qnarumlibet meliores terrarnm Saxonie Misnensis et Thuringie ad nostre 
vocationis edictum suam nobis exhibuerint presenciam personalem . . > Es handelte 
sich hier wol um eine HUlfsleistung für Adi>lfs thUring. Feldzug (dd. 1295 Jan. 9). 

3 Leges II, 398. 

* A. a. 0. p. 266 Anm. 9. 



— 19 — 

Rudolf dem Erzbischof von Salzburg, sowie den Bischöfen von 
Begensburg und Passau den Auftrag, zur Ordnung der Reichsange- 
legenheiten zu conferiren: cum baronibus comitibus iiberis ministeria- 
libus civibus et communitatibus civitatum». Allein dies Mandatum, 
das nach Böhmer ^ eine Vollmacht zu Werbungen gegen Ottokar 
war, kann in solchem Zusammenhange gar nicht benutzt werden. 
Die von den Bischöfen mit den Genannten zu treffenden Anord- 
nungen über solche Dinge, cque ad utilitatem et reformacionem im- 
perii nee non ad commodum et honorem eorum, qui vobiscum de 
huiusmodi colloquentur, poterunt pertinere» — die verspricht zwar 
der König als cratum gratum etc.» anzuerkennen; aber das Ganze 
hat mit der städtischen Reichsstandschaft gar nichts zu thun, es 
heisst ausdrücklich: ccum baronibus . . . vestre provincie.» 

Eine wirkliche und wertvollere Nachricht von der Berufung 
der Städte im allgemeinen findet sich in Verbindung mit der Curia 
Augustae vom Mai 1275.^ Rudolf ladet nämlich den Abt von 
Benedictbeureu zu diesem Tage ein, den er «de consilio venerabilium 
opiscoporum dilectorum principum et aliorum nostrorum fidelium» 
angesagt habe ; auch die Städte wolle er zu dem coUoquium berufen : 
«principes comites et barones necnon et comunia civitatum intendimus 
et decrevimus advocandos». Der Grund, weshalb auch diese kommen 
sollen, liegt wol indem Folgenden: «disponentes ad generalem pacem 
convertere intentiouem nostram». Wir wissen nun nicht, ob auf dem 
genannten Tage^ über einen Landfrieden beraten worden, auch wissen wir 
überhaupt nichts von dort gewesenen Städten; was wir also wissen, 
ist, dass K. Rudolf in jenem Schreiben die Absicht äussert, auch 
die Städte einzuladen, wahrscheinlich wegen des abzuschliessenden 
liandfriedens. 

Wirklich zu Stande kam ein solcher am 13. December 1281 auf 
dem Hoftage zu Mainz, ^ wo der Landfriede Friedrichs IL vom August 
1235 von neuem aufgerichtet wurde. Schulte, in der oben 
angeführten Auseinandersetzung über die Verändrung, zu Folge 
deren sich die Landfrieden aus kaiserlichen Gesetzen in 



* Rpg. Rudolfs p. 65 Nr. 100 u. nach ihm Lorenz II. p. 68—69. 

' Leges II p. 402. Cf. Weizsatcker, Rhein. Bund p. 191 Anm. 2, SchdU 
a. a. 0. 

' Cf. ab«r denselben Reg. p. 69 u. Lorenz II p. 83. 

^ Leges II p. 436. Reg. p. 110 zu obigem Datum. 



~ 20 — 

Verträge umwandelten, bemerkt, ^ dass diese curia cdie Städte 
erwähnt.» Wir führen die betreffende Stelle an: tWir Rudolf . . 
hant die recht, die der keyser Yriderich gebot und satzte, dun 
gesworn in der yurgenanten stat feü Megentze zu behaltene von hen 
zu winnachten der na waren und von dannen over fünf iar von den 
erzebischove zu. Megentze und von herren graven vrigen dinstmann 
steten allen of me Bine von Constenze nider, und armen und von riehen» . 
Polgen die Gesetze von 1235. Von den genannten Ansässigen einer 
bestimmten Gegend also ist der Friede auf dem Hoftage zu Mainz be- 
schworen worden ; nach der Urkunde wenigstens muss man sich alle 
allgemein bezeichneten Städte, wie auch die andern Genannten in Mainz 
vertreten oder anwesend denken, was allerdings seine Schwierigkeit hat. 

Derselbe Landfriede, der am 25. December 1286 ablief, wurde 
von Rudolf auf dem Hoftage zu Würzburg ^ im März 1287, mit dem 
zugleich eine Kirchenversammluug verbunden war, erneut. Hier ist 
von Städten gar nichts gesagt, wie das Folgende zeigt: cDisu Satzungen 
des lantfridis haben wir Rudolf ein Romeschir kunig . . . mit gunst 
lind mit rate der erbern herren des cardinalis des legatis und der 
fursten und der herren, geistlicher und weltlicher gesezzet zu Wirzeburg 
zu deme geboten hove ...» Auch in dem Schluss, ^ den Böhmer mit 
Recht, sowie auch Stalin auf die Landstände bezieht, lautet es nur : 
cswaz euch die fursten oder die lantherren in irme lande mit der 
hetißu rate sezzent und machent disem lantfriden zu bezzerunge und 
vestenunge, daz mugen sie wol tun und damit brechen sie des lant- 
fridis niht.» 

Dagegen heisst es in der Bestätigung desselben Landfriedens 
durch Rudolf auf dem Speirer Hoftage vom April 1291:^ «diese 
satzunge und din^e brieff ward gelesen und der lantfride wart ernuwet 
mit der fursten- und der lantherren und der städte geschworeneu 
eyden . . uf. dem hofeze Spiro». Also eine Erneuerung des Friedens 
durch neues Beschwören, wie in der Constitution von 1281; nur 
dass hier die Formel kürzer ist, während dort gesagt war: herren 
graven vrige dinstmann stete. — Wo es sich also um die einfache 
Thatsache des Beschwörens handelt, sind beide Mal die Städte mit- 
genannt, während die Formel: mit gunste und rate von 1287 nur 



^ p. 226 Anm. 11. 

» Leges 448; Reg. Nr. 910. Stalin III, 57. 

* Leges p. 452, Art. 44. 

* A. a. 0. p. 456. Reg. p. 153 Nr. 1104. 



— 21 — 

« 

den Cardinal, Fürsten und Herrn anführt, mit der<^n gunste und ratig 
eben der Friede gesetzt wurde. • 

Insofern bietet die Verlängerung des Würzburger Landfriedens 
von 1287 durch König Adolf auf dem Kölner Hoftag im October 
1292* einen bemerkbaren Fortschritt: tWir Adolf tun kunt, dass 
die saczungo des lantvrides die kung Rudolf mit gunste und rate 
der erbaren herren des cardinalis — geseczet hat ze Wirczeburg 
in dem gebotenne hAve uns geouget und gelesen wart zu Kdln uf 
dem sal von werte zu werte etc. — Und wann wir kung Adolf diese 
saczunge . . von rate und mit gunste des fursten graven vrien der stete 
und andir des riches getruwen ernuwet han und er geswom ist ander- 
werbe zu haltenne» . . Der Fortschritt besteht darin, dass hier wohl 
zum ersten Male in der Formel ; mit gunste und rate — der Städte 
gedacht wird. Nur wird man, da es eben eine Formel ist, vorsichtig 
sein müssen und nicht aus derselben mit Sicherheit schliessen dürfen, 
dass alle Aufgezählten wirklich ihre Einwilligung (mit gunste) und 
ihren Rat dazu gegeben haben. Was daraus irgend zu schliessen 
ist, haben unsere alten Rechtshistoriker zu folgern nicht versäumt; 
so erfahren wir,*-^ dass der bekannte Fels von diesem Kölner Tage 
das Votum decisivura der Reichsstädte datierte. 

Wie unsicher derartige allgemeine Schlüsse von einem speciellen 
Falle aus sind, zeigt deutlich die Erneuerung oder vielmehr wörtliche 
AVioderholung dieses Würzburger Landfriedens durch König Albrecht 
auf dem feierlichen Nürnberger Hoftage von 1298. ' «Ein Ver- 
zeichniss der Fürsten, die neben 360 Grafen Baronen und Freien 
und 6500 Rittern anwesend waren — von Städten hören wir nicht 
das Geringste — findet sich nach einer aus Nieder-Altaich stammen- 
den Aufzeichnung in dou Mon, Boica 11,91.»* Da wundert es uns 
nicht, wenn os in deutlicher Anlehnung an den Würzburger Land- 
frieden lautet: «Dise siitzungo des lantfrids haben wir Albrecht mit 
gunst und mit rat der orberii herren der kurfürsten paide geistlicher 
und weltlichc^r geseczt zu Nürnberg in dem gepoten hoff». — Also 
nur mit gunste und rate der Kurfürsten, die sämtlich zugegen 



' Legefl4r)9. — Kopp^ Gescb.dereidgen BüiideH, 2 b p. 49. Die Beachwörang eines 
Landfriedens auf dem Holltage Adolfs zu Esslingen 1293 (Reg. p. 167; StäUn III 
HO) geschah auch ohne Zuziehung der Städte. 

' Cf. die angeführte alte Dissert. p. 40, 3; vergl. auch Haberlin (geg. Pfef- 
finger) VIII p. 311. 

^ Leges 481, wo es ncch zum Jahre 1301 gesetzt ist. 

* Reg. p. 412 zum 16. November und p. 204—205. 



— 22 ~ 

gewesen sein soUeo/ während es 1287 laufet: cmit gunst und mit 
rate der fürsten un^ der herren, geistlicher und weltlicher.» Artl 
dagegen von 1298 stimmt mit dem entsprechenden von 1287 wieder 
überein: cwir sezzen und gepieten bey des reichs hulden mit der 
fursten rat und ander des reichs holden und getrewen.» Wer mag 
diese Differenzen, denen wieder völlige Uebereinstimmungen ent- 
gegenstehen, genügend erklären und sichre Schlüsse daraus ziehen, 
wer denn eigentlich ausser dem König ein Bestimmungsrecht über 
die Setzung des Landfriedens hatte, ob einmal nur die Kurfürsten, 
dann ausser diesen wieder die Fürsten und endlich auch Dienst» 
mannen und Städte mit dem üblichen Zusatz: cund andre des reichs 
getreue» etwas dabei zu sagen hatten, und weshalb einmal die, dann 
wieder andre um ihre Meinung befragt worden sind. Am Ende 
ist es der einzige erlaubte Schluss, und vielleicht ist auch das noch 
zu viel, dass wo die Städte in einem Landfrieden erwähnt werden, 
der auf einem Hoftage angeordnet, d. h. eigentlich immer von 
neuem geboten wurde, sie auch zugegen waren und denselben — 
beschworen. Jedenfalls werden wir Bedenken tragen, aus der- 
artigen formelhaften Wendungen, zumal dieselben ohne jede Con- 
sequenz auftreten, womöglich gar die Stimmberechtigung der Städte 
in curia regis zu folgern, obwohl wir auch nicht bestreiten 
wollen, dass sich auf diese Weise, wenn auch nur allmälig, ein 
Gewohnheitsrecht betreffs Setzung des Landfriedens entwickeln konnte. 
Damit ist unser Material für die Regierungen Rudolfs, Adolfs und 
Albrechts erschöpft. 

Die Geschichte Heinrichs VII. bietet ein reichhaltigeres Detail 
und insofern etwas Neues, als neben und vor den Urkunden die 
Nachrichten der Schriftsteller ins Gewicht fallen. Immer wieder hat 
man in Sachen der städtischen Beichsstandschaft folgende Stelle des 
Matthias von Neuenburg citiert: * cMansit autem ibi (in Speier) 
rex sex liebdomadibus cum prineipibus electoribus et alüs prin- 
cipibus et civitatum nuntiis de suo transitu et de prestandis 
serviciis in Italiam disponendo.» 

In oberflächlicher Weise hat man hieraus das votum decisi- 
vum der Städte gefolgert ; wir führen als Beispiel von Neuem 



^ Böhmer p. 205 oben. Der Art. 9 handelt von Befreiung der «freien StSdte» 
von auswärtigen Gerichten : «wir wollen ouch allen fryen steten ir recht behalten» etc. 

> Bei Böhmer, Fontes IV p. 181 ; cf die alte Dissert. p. 41. Haberlin VIII 
p. 311. Neue Sammlung, Einleitung p. 14. Olenschlager, Staatsgesch. p. 37. 
Sauchayy Qesch. der d. Monarchie III, p. 132. 



— 28 — 

nur Barthold ^ an: c Unterdessen hatten sich an dem anberaum- 
ten Tage, gegen Ende August 1309, in Speier die deutschen 
Fürsten in grosser Zahl und mit glänzendem Gefolge . . . ein- 
gefunden, eine Versammlung, welche ausser den wichtigen Dingen, 
die daselbst verhandelt wurden, noch durch ein neues Zeichen 
der Zeit höchst merkwürdig ist. Es war nämlich seit dem 
Zwischenreiche die Entwicklung des städtischen Lebens so 
mächtig fortgeschritten, dass der bürgerliche Bestandteil des 
Kelches fast von selbst, ohne rechtliche Form, sich Vertretung 
in den allgemeinen Angelegenheiten erworben; wir finden des- 
halb — kaum unerwartet — auf dem Tage zahlreiche Boten der 
Städte, welche, als dürfte es nicht anders sein, mit dem Könige 
und den Fürsten gemeinsam über das "Wohl und die Pläne zur 
Machterweiterung des Reichs sich ernsthaft 6 Wochen lang 
berieten. Mit so stiller Gewalt stürzte das zum Leben erwachte 
Bürgertum alte Formen um!» 

Es herrscht jedoch schon betreifs der Chronologie der an- 
geführten Nachricht des Matthias eine so ungemeine Verwir- 
rung, dass wir dieselbe in der Art, wie es Barthold thut, zu 
interpretieren, von vornherein Bedenken tragen. Wie Barthold 
beziehen Häberlin Souchay u. a. die Nachricht auf den Speirer 
Hoftag vom August und September 1309; Olenschlager scheint 
sie auf den Hoftag von Speier zu Ende August und September 
1310 zu beziehen. Am besten jedoch scheint sie nach allem, was wir 
wissen, auf den Frankfurter Hoftag vom Juli 1310 (also etwa 
7 Wochen früher als der Speirer Tag von 1310) zu passen, wie 
es auch Böhmer wenigstens in den E-egesten (p. 276 nach Nr. 760) 
thut, indem er sagt: cDie (in Frankfurt) zahlreich anwesenden 
Städte und Herren lernt man kennen aus den Urkunden vom 
24. und 25. Juli. Die den Städten gegebnen Urkunden zeigen, 
dass auch diese, welche zur ßomfahrt mitwirken mussten (Matth. 
Neob.) vertreten waren.» Matthias kennt freilich den Frank- 
furter Tag gar nicht.* Auch ist deshalb, weil eine Menge Ur- 

' Rümerzug Heinrichs v. L. I p. 329. 

' Wir vergl. kurz die Nachrichten des Matth, mit Johann v. Victring und 
Petrus V, Zittau und finden bei den beiden Erstgenannten die grösste Verwirrung : 

1. Die Angabe des M. kann wegen der Zeitangabe: «sex hebdomadibus» nicht 
auf Speier 1310 bezogen werden; aber auch 1309 war der König (cf. Reg.) nur 
otwa 4 Wochen (21. Aug. — 18. Sept.) in dieser Stadt. Doch abgesehen davon 
Hpricht M. vor unserer Stelle des Ittngeren von dem Speirer Tage 1310; desgl. er* 
wHhnt er nach jener Stelle die lombard. Gesandten, die nach Böhmer (Beg. unter 



— 24 - 

künden für Städte, so für Mainz (Reg. Nr. 264), Lübeck (266), 
Wetzlar (266), Weissenburg (269), Köln (263) u. a. aus Frank- 
furt datiert sind, nicht notwendig, dass diese alle auch durch 
Abgesandte hier vertreten waren und zwar durch vom König 
zur Beichsversammlung berufene Vertreter. Aber wir wissen 
sonst bestimmt, dass der König Städte zum Tage vorgefordert 
hat. So haben wir eine Einladung Heinrichs an Lübeck, und 
es wird dadurch, dass dieses auch unter den mit Privilegien 
Bedachten ist, wahrscheinlich, dass Lübeck und so wohl noch 
andre Bürgerschaften Abgeordnete auf Grund des königlichen 



unter 21. Aug. 1309) im Jahre 1310 in Speier waren. — Auf 1310 pa^t also die 
Angabe: sex hebd. nicht und wenn unsre Stelle zu Speier 1309 gehören soll, 
80 mu88 sie sehr gezwungen als eine am unrechten Orte eingeschaltete Episode 
betrachtet werden. — Nach Erwähnung der lombard. Gesandten iSsst ferner M. den 
König wegen Vorbereitungen zum Romzuge nach Luxemburg gehen und von da 
aus über Savoien nach Italien. Letzteres gehört zu 1310 ; aber weder nach dem 
Speirer Hoftage in diesem noch im vorigen Jahre (1309) geht der König nach 
Luxemburg. Das gehört in die Zeit nach dem kurzen Aufenthalte Heinrichs in 
Speier Ende Mai und Anfang Juni 1310. — Also lauter Confusion. 

2. Johann v. Victr, (Fontes bei Böhmer I p. 360 ff.) handelt ziemlich aus- 
ftlhrlich von dem Hoflage in Speier 1309; noch ausführlicher über den von 1310; 
im erstem Falle erwähnt er die Städte gar nicht; auch das zweite Mal(<rex venit 
Spiram et accersitis regni nobilibus etc.») findet sich nichts von einer Berufung, dei 
Städte. Er erzählt dann ganz richtig die Unterwerfung Eberhards v. Wirt, im 
Jahre 1810 durch dieselben (schon zu Speier 1809 wurde das Verfahren gegen E. 
eingeleitet^ lässt aber darauf den König die einzelnen Städte besuchen (<rex civl- 
tates undique circumlustrans>), was nach den Reg. (Nr. 311 ff., Barthold 1, 387 ff 
wohl kaum auf die Zeit nach dem Speirer Tage von 1310, eher auf 1309 passt. 

3. Peti'tis V. Zittau (Ghron. Aulae Regiae bei Lohsert^ Font. Rer. Auatr. Ab- 
teil. I, Bd. VIII p 277 ff. u. a. a. 0.) berichtet als Augenzeuge und ist deshalb 
vorzuziehn. Von Speier 1309 erzählt er nichts, vielleicht weiss er nichts, obgleich 
er 8 Tage vorher mit dem Abt von Königssaal beim König in Heilbronn war: 
vielleicht interessierten ihn auch die Ereignisse jenes Tages wenig. Desto eingehender 
spricht er Über den wegen der böhm. Angelegenheiten ftlr ihn wichtigen Tag zu 
Speier vom August 1310. Er erwähnt und zählt bei Namen auf eine ganze Reibe 
namentlich schwäb. Städte^ die der König jedoch nach seiner Darstellung nur wegen 
Eberhard zu sich beruft. Heinrich befiehlt jenen («volumus autem et pro legp 
vobis damus») gegen den Grafen auszurücken, der gedehmütigt wird (hiernach ist 
Matth. zu berichtigen ; nach ihm gab der König den Befehl zum Angriff gegen C. 
erst von Italien aus: ad mandatum doraini regis in Italia existentis; Stalin IIL 
119). Von Beratungen mit den Städten über den Romzug hören vrir nicht«. Pelr. 
erwähnt betrefis desselben nur ein Edict des Königs: «ut onmes secum in Italiam 
processuri in feste Remigii parati esse debeant similiter in Thurego.> Wir dürfen 
Petrus glauben, dass die Städte nur wegen Eberhard 1310 nach Speier vom König 
berufen worden sind. Böhmer (Reg. p. 280 zum 30. Aug.; vergl. auch wegen der 
Berufung Erfurts p. 274 Nr. 22 und Acta Imperii Selecta Nr. 609) bemerkt aus- 
serdem zu diesem Tage, dass die hier gegebnen Urkunden fast lauter Veräusseron- 
gen des Reichsgutes sind. Von Privilegien für Städte findet sich jedoch wenig. — 
Vergleiche hiermit unsre obige Auseinandersetzung, ' dergemäss wir uns für den 
Frankfurter Tag entscheiden, ohne damit behaupten zu wollen, dass nicht unsre 
Stelle des Matth., sofern man sie nur richtig auffasst, mit einem der Speirer Tage 
zusammenhängen könne. Die Notwendigkeit unsrer Erörtrung wird motiviert durch 
die relative Wichtigkeit der Stelle. 



— 25 — 

Befehles geschickt hatten. Heinrich schreibt an Lübeck am 
19. Mai nach einigen einleitenden Worten über seine Bestrebun- 
gen, dem Reich Frieden zu verschaffen, Folgendes: ^ «Ut autem 
super his tractatus oportunus et utiUs habeatur, de consilio prin- 
cipum et fidelium imperii ac ndstrorum super quindenam post 
festum proximum beati Johannis baptiste in opido Frankenfurd 
colloquium seu parlamentum cum principibus baronibus oomitibus 
ac alüs vasallis imperii dignum duximus colligendum. Unde 
fidelitatem vestram hortamur attente . , requirentes, quatenus 
tractatibus hujusmodi in predictis loco et termino postpositis 
Omnibus aliis negociis studeatis personaliter Interesse vel saltem 
aliquot ex vobis pleno mandato suffultos ad nostre majestatis 
presenciam transmittatis ac super eo religiöse viro, fratri etc. 
exhibitori presencium adhibeatis plenam fidem.» ^ Man wird 
annehmen dürfen, dass es sich um die Leistung der Stadt zum 
Romzuge handelt, denn dass das Eingangs hervrorgehobene 
Moment des Landfriedens den König veranlasst hat, Lübeck 
zur Beschickung des parlamentum aufzufordern, daran ist wohl 
bei der isolierten Lage dieses Ortes nicht zu denken. 

Jedoch war der Landfriede gleichfalls Gegenstand der 
Verhandlungen auf der Frankfurter Versammlung; es wurde 
ein solcher auch wirklich errichtet, wie man aus einem Schrei- 
ben König Heinrichs^ an den Bischof von Strassburg erfäiirt. 
Aus dem Briefe bei Chmel vorher* sieht man femer, dass der 
König in Frankfurt auch ein Gesetz wegen der Pfahlbürger 
erlassen hat und zwar in Gegenwart von Städten: «Sane ut in 
partibus tuis pax hominibus et securus transitus preparetur, 
volumus omnino, ut cum nobilibus et civitatibus vicinarum 
pacem generalem ordines et praestitis firmes more solito jura- 
mentis, constitutionem quoque de civibus qui pfalburger dicuntur 
vulgariter per nos apud Frankenfurd in parlamento generali 
editam et publicatam presentibus pluribus principibus et nobilibus 
et civitatibus imperii, volumus observari» etc. 



* Cod. Lub. II * p. 219; Reg. p. 417 Nr. 684. 

' Wir kommen weiter unten auf diesen Brief zurück. 

» Cfmiel, die Handschriften der Wiener Hofbibliolhek II p. 28« Nr. 29; 
Kqpj)^ Geich. der eidgen. Bünde IV p. 79. 

* Chmelf a. a. 0. Nr. 78; dd. nach Böhmer (Reg. zum 00. Juli p. 276 sub 
1 u. 2) Mailand 1311, Jan. 9. 



- 26 — . 

Bemerkenswert ist es, dass Petras v. Zittau, der auf dem frank- 
furter Tage selbst zugegen war und der über die daselbst verhan- 
delten böhmischen Angelegenheiten genau unterrichtet ist, die Städte 
gar nicht nennt. Die anwesenden Fürsten und Herren, die der 
König alle zu seinem concilium berufen habe, in dem dann der Abt 
von Königssaal seine Sache vortrug, zählt er sehr genau auf, darunter 
auch den zum Fürsten erhobenen Grafen von Henneberg, worauf 
wir sogleich zu sprechen konunen werden. Der Schluss ist demnach 
nicht ungerechtfertigt, dass die Bolle der vertretenen Städte auf dem 
Hoftage keine sehr in die Augen fallende gewesen ist, und was die 
Verhandlungen anbetrifift, sich auf die blose Anwesenheit, wenn dies 
noch der Fall sein sollte, beschränkt haben wird. 

Doch mag man über die Chronologie und den Inhalt der viel- 
besprochenen Stelle bei Matthias v. Neuenburg denken, wie man 
wolle, jedenfalls hatte der Autor eine Versammlung im Sinne, auf 
der neben dem König und den Fürsten auch Städte zugegen waren, 
und auf der es sich um die Romfahrt und um die dem König für 
dieselbe zu leistende Hülfe handelte. Hat aber, wenn seine An- 
gaben mit den Thatsachen stimmen, Matthias damit sagen wollen, 
dass die Städte an den Verhandlungen, die dieserhalb stattgefunden, 
stimmberechtigten Anteil genommen haben? Das hat man aller- 
dings herausgelesen und die Bartholdsche Interpretation ist ein 
Muster unberechtigter Pragmatisierung, ganz abgesehen davon, 
dass die Zeitangabe: «sex hebdomadibus» zunächst doch zu «mansit 
ibi rex> gehört, ohne dass man sechs Wochen lange Beratungen 
daraus zu machen braucht. Matthias konnte so, wie er gethan 
hat, ganz gut sagen, dass während des sechswöchentlichen 
Aufenthaltes des Königs Verhandlungen mit den Städten, Fürsten 
und Kurfürsten stattgefunden haben. Gewiss hat der König auch 
mit den erstem über ihre Hülfeleistungen, die er ja zu fordern 
berechtigt war, irgend wie verhandelt. Aber man darf dabei 
doch nicht an förmliche Beratungen zwischen den Genannten 
denken, bei denen die Städte ihre Meinung geltend machten, also 
etwa über die Zweckmässigkeit des Zuges und über seine Instand- 
setzung mitdisputierten. Das wäre ein Anachronismus gröbster 
Art. Es kam wie gesagt dem Könige nur auf die städtischen 
Dienstleistungen an, deshalb berief er sie zum Hoftage, nicht deshalb, 
um ihre Zustimmung oder Einwilligung zu dem Unternehmen zu 
erlangen. Häberlin^ trifft wohl das Richtige, wenn er gleich nach 
' » A. a. 0. p. 311. 



---1 



— 27 — 

Erwähnung jener Formel in der Verlängerung des Würzburger 
Landfriedens von 1291, die auch die Städte nennt, bemerkt: 
c Deutlicher aber zeuget von der Anwesenheit der Reichsstädte auf 
dem Speyrischen Reichstage im Jahre 1309 folgende Stelle des 
Albrechts von Strassburg: Mansit autem ibi etc.» 

Im Zusammenhange mit der eben dargelegten Ansicht über 
die Nachricht» des Matthias von Neuenburg wollen wir noch auf 
eine Urkunde des Speirer Hoftages von 1310 hinweisen, in der 
Graf Berthold von Henneberg vom König in den Beichsfürstenstand 
erhoben wird. ^ Unter den Rechten, die dem Grafen und seinen 
Erben ei*teilt werden, werden besonders als fürstliche hervor- 
gehoben: «omnia jura principum tarn in ingressu quam in egressu 
ad imperialem deliberationem, in sententiis conveniendis, ^ dictandis 
pronuntiandis, in jure civili et plebiscito quod vulgo dicitur lant- 
recht.» 

Lehrreich in dieser Beziehung ist auch der oben angeführte 
Brief Heinrichs an tSchöffen Ratmannen und Bürger» von Lübeck, 
der eine Einladung zum Reichstag nach Frankfurt enthält. ^ Es 
ergiebt sich aus demselben Folgendes: 

1. Zur Reichsversammlung (colloquium seu parlamentum) 
gehören begrifflich nur cprincipes barones comites ac alii vasalli 
imperii», wie auch die Abhaltung derselben «de consilio prin- 
cipum et fidelium imperii ac nostrorum» beschlossen ist. 

2. Die Städte werden auch eingeladen, aber offenbar nicht, 
weil das zum Begriff eines parlamentum gehört, also notwendig 
ist, sondern wahrscheinlich nur, weil man sie wegen ihrer 
Leistungen braucht. 

3. Sie sollen Boten schicken «pleno mandato suffultos», 
d. h. ziim Aufnehmen der Beschlüsse der Reichsversanunlung, 
also nicht ad referendum; dann aber dürfen sie «tractatibus 
interesse», ohne dass jedoch diese persönliche Teilnahme an den 
Verhandlungen näher bestimmt ist. 

4. Aus den Worten «studeatis personaliter interesse» ver- 
glichen mit den Adressaten des Schreibens, das an Schöffen Rat- 
mannen und Bürger von Lübeck gerichtet ist, darf man folgern, 



' Reg. Heinrichs p. 278 Nr. 261; Über die Bestätigung der Fürstenrechte der 

Nürnberger Burggrafen von 1863 durch Karl IV. cf. OlenscMager 0. B. Urk. 43 
p. 109. 

* Sollte dafür nicht «inveniendis» zu setzen sein? 

' S. o. p. 25. 



— 28 — 

dass das Formular der Pürsteneinladung bei Berufung der 
Städte zum Reichstage verwandt wurde, denn nur so haben 
jene Worte einen Sinn. So neu oder zufällig war die Be- 
rufung städtischer Abgeordneten zur Teilnahme an der Eeichs- 
versammlung! Das ist ein klares Büd des damaligen Ueber- 
gangszustandes. 

Wenden wir uns nun zur Geschichte Ludwigs fies Baieni, so 
leuchtet auf den ersten Blick ein, dass die lauge Regierung des- 
selben mit ihren vielfachen Bedrängnissen besonders geeignet war, 
die mächtigen Städte allseitig in den Vordergrund treten zu lassen. 
Ludwigs und seines ersten Gregenkönigs Bemühungen mussten in erster 
Reihe auch auf die Gewinnung der Reichsstädte gerichtet sein, die 
namentlich aus pekuniären Rücksichten nicht hoch genug zu schätzende 
Helfer waren. Wie in dem Streit um die Krone, so waren auct 
in dem erbitterten Kampf mit der Curie die Bürgerschaften die 
treuste Stütze des oft hart bedrängten Ludwig und man ist zu der 
Annahme geneigt, dass namentlich das Durchdringen der Zünfte 
im städtischen Regiment von grossem Einfluss auf die Parteinahme 
der Bürger für den Kaiser gegen die päpstlichen Anmassungen 
gewesen sei. ^ Jedenfalls sehen wir bei dieser Gelegenheit- zum 
ersten Male in Sachen der Politik und der wichtigsten Reichs- 
angelegenheiten die Städte als eine Gesamtheit, man möchte bei- 
nahe sagen, als Reichsstand, ein gewichtiges Wort auf der Reichs- 
versammlung sprechen und was Kopp* von ihnen mit Bezug auf 
den Anfang von Ludwigs Regierung sagt: «Nichts Bedeutendes zu 
Krieg und Frieden geschah ohne die Städte» — das bethätigte sich 
im Laufe derselben zu wiederholten Malen in hervorragender Weise. 

Gleich im zweiten Jahre von Ludwigs Regierung treffen wir 
auf einen königlichen Städteiag, wenigstens wenn wir uns Kopp 
anschliessen wollen. Er behauptet nämlich,* dass Ludwig auf den 
15. Januar 1315 einen Städtetag nach Worms ausgeschrieben habe. 
Er beruft sich dabei auf den bei Wencker abgedruckten Brief 
Ludwigs, dd. Worms 1315 Jan. 11, der an Strassburg gerichtet ist. 
Allein aus dem Briefe ist nicht zu ersehen, wen Ludwig ausser 
Strassburg noch zu dem Tage berufen habe, viel woniger, ob er nur 
Reichsstädte eingeladen habe. Die bezügliche Stelle besagt weiter 



^ Bänke, Geich. d. Reform. I p. 80. 

* Geschichte der eidgen. Bünde IV, 2 p. 204. 

® A. a. 0. p. 69 (Anm. 6) n. p. 205. — Wencker, Collecta archiv. p. 363. 
Cf. Reg. Ludwigs p. 4 Nr. 61. 



— 29 — 

nichts, als da$s der König den Rat der Stadt auffordert, auf den 
Mittwoch nach Dreikönigsoctave 4 Bevollmächtigte aus seiner IMitte 
nach Worms zu schicken, um dort Massregeln über den freien 
Verkehr beraten zu helfen: «cum tota nostra intentio prae ceteris etc. 
versetur ad hoc, ut pacem patriae et tranquillitatem per districtus 
imperii transeuntibus properaremus. » Die Zeit, in die der Brief fällt, 
und die Wendung, die der Schluss desselben auf Friedrich von 
Oestreich nimmt — die Strassburger werden aufgefordert, ihm 
keine Lebensmittel zu verabreichen - gestattet vielleicht die Folgerung, 
dass der König zunächst die Absicht hat, die Stadt, welche zu 
dem Gegenkönig neigte, auf seine Seite zu ziehen. Wie öfters, 
so ist es auch hier das Schlimme, dass wir die Resultate, welche 
solche Berufungsschreiben gehabt haben , nicht kennen. Die 
Strassburger haben wohl der Einladung des Königs überhaupt 
nicht Folge geleistet und von Beratungen in Worms überden freien 
Verkehr wissen wir nichts. 

Aehnlich ist es mit einem Schreiben Ludwigs an Strassburg 
vom October 1320 : ^ Er teilt dem Rate der Stadt mit, dass er keinen 
Unwillen gegen ihn trage — die edlen Geschlechter hielten zu 
Friedrich — , er bittet ihn zur Errichtung eines Landfriedens mit- 
zuwirken und deshalb einen sichren Ort vorzuschlagen, wo sie zu- 
sammentreffen könnten. Man sieht, wie entgegenkommend der König 
ist.^ Das hat nun zwar alles mit einem Reichstage wenig zu schaffen, 
aber namentlich der letzte Brief lässt doch den Fall erklärlich fin- 
den, dass der König keinen Anstand nimmt, die Städte auch auf 
die Reichsversammlungen zu berufen und ihnen in Sachen der Politik 
notgedrungen Gehör schenkt. Eine Andeutung derart findet sich 
aus demselben Jahre 1315, aus dem der zuerst angeführte Brief 
stammt, in einem Schreiben Ludwigs ^ an die Leute der Thäler 
llri, Schwyz und Unterwaiden, dass er ins Elsass habe ziehen 
wollen und schon bis Speier gekommen sei, als auf Ausbleiben 
des Bischofs von Trier und andrer Edlen aus dem Niederlande, 
der Erzbischof von Mainz ihm geraten habe, auf Pfingsten einen 
Reichstag nach Nürnberg auszuschreiben, um dort die Mittel 7 um 



» CoUecta p. 866; Reg. p. 24 Nr. 411. 

' Dem Wunsche des Königs betreffend den Landfrieden scheint jedoch die 
Stadt erst 1325 gewillfahrtet zu haben. Cf. Reg. Nr. 814 p. 47 u. Nr. 90 p.244. 

» dd. Speier 1315 UVin 17; Reg. Nr. 178 p. 5: Kopp IV, 2 p. 81 ; der Brief 
steht bei Tschudi, Chronikon I, 268. 



— 30 — 

Widerstand gegen Oeslreioli zu bedenken. Sie möchten daher 
in ihrer Treue beharren. Die betreffende Stelle des allerdings 
«vertütschten» ^ Briefes lautet: cdo (in Nürnberg) werden wir 
handeln mit rat der churfürsten und andern fiirsten und edlen, 
euch der stetten boten alles das sich zu einem heilsamen ruwigen 
stand des gemeinen nutzes ziechen wird.» Wenn die Ver- 
deutschung dem Original entspricht, so ist es bei der Wichtigkeit 
der darin ausgesprochenen Absicht Ludwige um so mehr zu be- 
dauern, dass wir auch hier von dem Zustandekommen oder gar 
dem Verlauf des angesetzten Tages nichts wissen, obwohl der König 
wirklich um diese Zeit in Nürnberg war. Dennoch ist hier im 
Vergleich mit dem bisher Angeführten vielleicht ein kleiner 
Fortschritt zu erkennen ; denn die beabsichtigten Verhandlungen, an 
welchen auch die Städte teilnehmen sollen, beziehen sich nicht blos 
auf Landfriedensangelegenheiten, wenn man überhaupt auf die sehr 
allgemeinen Worte: c Alles was sich zu einem heilsamen ruhigen 
Stand des gemeinen Nutzes ziehen wird» einigen Wert legen will; 
jedenfalls ist darin wol auf mehr, als nur auf einen Landfrieden 
hingedeutet, unter welchen Gesichtspunkt jedoch schliesslich alles 
fallen kann. 

Erst im Jahre 1330 finden sich wieder einschlägige Nachrichten. 
Von Ulm aus erlässt der Kaiser am 17. Mai ein allgemeines Aus- 
schreiben, ^ worin er allen, welche den von ihm nach Eisenach aus- 
geschriebenen Tag besuchen, sichres Geleit gewährt; «ad universorum 
notitiam volumus pervenire, quod universis et singulis . . . ducibus, 
marchionibus . . comitibus . . baronibus ceterisque nobilibus ac per- 
sonis inferioribus iroperii fidelibus plenam fidanciam securitatcni et 
conductum in personis et rebus . . . damus et concedimus per pre- 
sentes ad nos veniendi standi morandi et redeundi ad parlamentum 
in Ysenach, quod personaliter habere intendimus proxima dominica 
post octavam beati Johannis etc » 

Wer ist unter den personae inferiores «u verstehn? Man wird 
kaum eine bestimmte Antwort geben können, doch erklärt sich 
dieser Zusatz sehr leicht, wenn man beachtet, dass wir es hier nicht 



' Cf. d. üeberschrift bei Tschudi] Beweis dafür ist auch der Ausdruck cHof 
und Richs Tag». 

« Cod. Lub. I, 2 p. 472. Reg. Add. III p. 360 Nr. 3277; cf. über das 
Folgende : Müller ^ Kampf Ludwigs v. Baiern mit der Curie I p. 259 ff. *, Riezler, 
Geschichte Baierns Bd. 2 p. 395. 



!^' 



— 31 — 

mit einem Berufungsschreiben zum parlamentum, sondern mit einem 
Schutz- und Geleitsbrief für die etwaigen Besucher zu thun haben, 
wie wir solche für einzelne Städte ausgestellte schon oben anführ- 
ten« Das Bundschreiben meldet den Reichsunterthanen den bevor- 
stehenden Hoftag; es entspricht dem Charakter eines solchen im 
Gegensatz zu den spätem Beichstagen, dass ein jeder, der das Becht 
und die Veranlassung dazu hat, vor dem Könige als oberstem Richter 
sicher erscheinen darf, um seine Sache zu verfolgen, nicht etwa um 
mitberaten zu helfen. Wie die Wahl des Ortes erkennen lässt, 
handelte es sich in diesem Falle für den König darum, ^ den feind- 
seligen Bemühungen der Curie in den niederdeutschen Gegenden 
vorzubeugen und seinen Einfluss zu sichern oder wiederherzustellen, 
und dabei kam es dann wesentlich auch auf die personae inferiores 
an. Wir lernen gleich unten einen ähnlichen Fall kennen. Dass 
auch auf das Erscheinen von Städten in Eisenach gerechnet war, 
zeigt der an Lübeck gerichtete Brief. Merkwürdig und fast un- 
erklärlich scheint die Sorgfalt und Umständlichkeit, mit der man 
denselben behandelt hat, wie die im Cod. Lub. angeführte Begistra- 
turberaerkung zeigt. Für uns ist dieser Hoftag abgethan durch die 
Bemerkung Fickers zu dem Begest: «das parlamentum kam nicht 
zu Stande > ^ 

Kein andres Resultat hatte der vom Kaiser auf den 27. Januar 
1331 nach Frankfurt ausgeschriebene Hoftag, von dem bereits oben 
die Rede war. ^ Alle Reichsstände werden bei Verlust der 
Lehen aufgefordert, persönlich zu erscheinen, und zwar heisst es, 
dass Ludwig, nachdem er mit den Herzogen von Oestreich und 
ihren Helfern freundlich gesühnt sei «de consilio principum et baro- 
num nos assistentium pro statu imperii universo in melius reform ando 
(also ähnlich wie in dem Schreiben bei Tschudi) expedire decrevi- 
mus curiam soUempnem seu convocationem oronium principum et 
aliorum imperii fidelium per nos fore habendam et faciendam.» Man 
könnte denken, dass unter den alii imperii fideles die Städte mit- 
einbegriffen seien, aber das Verzeichniss der Eingeladenen zählt nur 
geistliche und weltliche HeiTen auf; die Citatiou der 4 Städte Stral- 
sund Greifswald Anklam und Demmin berechtigte Böhmer nicht zu 
dem leicht misszuverstehonden Ausdruck: «Ein Verzeichniss der 



» Cf. Müller a, a. 0. 

' Ueber eine Speirer Zusammenkunft Ludwigs mit den Fürsten im Mai oder 
Juni 1830 cf. Riegler a. a. O. p. 395 und Anm. 2. 

' p. 11 Anm. 1. (Man lese pag. 10 letzte Zeile 1331 statt 1330). 



— 32 — 

zum Reichstag berufenen geistlichen und weltlichen Herrn sowie der 
Städte findet sich bei Oefele Scr. I, 757.» 

Dagegen kam endlich, nachdem sogar der Papst gleichfalls eine 
Eürstenversammlung ausgeschrieben hatte, ^ im Laufe desselben Jahres 
1331 in Nürnberg ein Reichstag zu Stande. Müller sagt hierüber : - 
«Mit einer längeren Unterbrechung hielt sich Ludwig hier auf von 
März 26 bis Juni 27. Dürfen wir von der Zahl derjenigen, die in 
dieser Zeit Urkunden von Ludwig empfiengen, einen Schluss ziehen 
auf die Zahl der Fürsten, Herren und Stände, die anwesend waren, 
so muss diese Zahl immerhin bedeutend gewesen sein. Denn selbst- 
verständlich waren es verhältnismässig nur wenige von den An- 
wesenden, welche Urkunden empfiengen.» Wenn auch hierbei mit 
Bezug auf das zuletzt Gesagte noch hinzugefügt werden kann, 
dass andrerseits nicht notwendig die mit Privilegien Bedachten 
auch in Nürnberg anwesend waren, sowie ferner, dass speciell 
die in den Urkunden begnadeten Städte nicht grade des Reichs- 
tages halber anwesend zu sein brauchten , so wird man docli 
annehmen dürfen, dass der König das Erscheinen von Städten 
veranlasst hatte. So schliessen z. B. am 29. Juni die 8 Städte 
Esslingen Reutlingen Rotweil Heilbronn Hall Gemünd Weil 
und Weinsberg einen gemeinsamen Landfrieden auf Veranlassung 
und mit Erlaubniss des Kaisers in Nürnberg. ^ Genaueres über 
Stellung und Thätigkeit der Städte auf dem Reichstage * selbst 
(d. h. nicht während des ganzen Aufenthaltes Ludwigs in Nürn- 
berg) lösst sich nicht feststellen. 

Waren bisher unsere Nachrichten meistens indirect und einseitig, 
so dass wir nur hin und wieder von einer Berufung der Städte, 
von ihrer Anwesenheit auf dem Reichstage sprechen konnten, ohne 
eine wirkliche Teilnahme nachweisen zu können, so bietet dagegen 
das an parlamentarischen Verhandlungen reiche Jahr 1338 für 
unsre Untersuchung einige neue Gesichtispunkte, durch die man 
sich versucht fühlen möchte, von diesem Jahre einen neuen 
Abschnitt in der Entwicklung der städtischen Reichsstandschaft 
zu datieren. ^ 



^ MüOer p. 262. 
« A. a. O. 

^ Reg. zum 29. Juni. 

* Reg. zum 81. März. 

^ Vergl. auch das Schreiben Ludwigs vom 23. Api*il 1338, in welchem er das 
LUtiicher Domcapitel auffordert, zu ihm auf den 17. Mai Boten zu schicken : <ad 



— 33 — 

Am 27« März wenden sich die in Speier versammelten geistlichen 
Fürsten an Benedict XII. und bitten ihn um Ausgleichung der 
Streitigkeiten mit Ludwig, welche ihnen dieser gänzlich anheim 
gestellt habe. ^ Und hier finden wir zum ersten Male seitens der 
Städte eine so zu sagen ofiicielle Bethätigung ihrer politischen 
Bedeutung, die sich dann auf dem Frankfurter Beichstag von 1344 noch 
ausgeprägter im Sinne der Reichsstandschaft wiederholt : der Kaiser, 
der auch in Speier anwesend, wendet sich an Strassburg ^ und so wohl 
noch an mehrere Reichsstädte, mit der Au£forderung, den Schritt der 
zu Speier versammelten Bischöfe durch ihre Briefe bei dem Papst 
EU unterstützen ; und in der That zeigt uns der noch erhaltene Brief 
der Stadt Hagenau, ^ dass die Reichsstädte, jedenfalls wohl nicht nur 
diese eine, der Aufforderung des Kaisers Folge leisteten« 

Noch wichtiger aber ist, dass am 6. August auf dem Reichs- 
tage zu Frankfurt die dorthin auf Oebot des Kaisers gekommenen 
Städte: Colmar Hagenau Schlettstadt Ehenheim Rossheim Mül- 
hausen Kaisersberg Münster und Türkheim dem Kurverein vom 
16. Juli beitreten. «Sie wollen denselben, da er dos Reich und 
der Christenheit Würde und Ehre angeht, beschirmen helfen ; wollen 
nicht zulassen Gebot Processe Bann oder Urteile vom Papst oder 

deliberaüdum una cum ipBis et aliis catbedralium ecclesiarum personis et quam 
plnrium civitatum et terrarom hominibns etiam dicto die coram nobis vocatis.» 
Reg. 1896 p. 118*, Böhmer^ Font. I Nr. 23 p. 217. Olenschlager, StaaUgescb. 
Utk. 74. Als Veranlassung zu der Versammlung giebt die Ürk. die Streitigkeiten 
mit dam apostolisohen Stuhle an. Das von Böhmer aus der Quittung Ludwigs 
für Wetzlar, Reg. Nr. 1902 (cf. auch 1898) über den Zweck der Versammlung Ge- 
folgerte ist wol nicht richtig. An eine Reichsversammlnng («zu diesem Tage waren 
also, wie es scheint, die Fürsten nicht geladen.» Böhmer, Font.) ist nicht zu denken. 
Die Auswahl : Gathedralkirchen, StUdte und terrarum homine8(< Landleute >, £ö&mer) 
erklärt sich aus der Absicht, diese 3 wichtigen Elemente, zumal die grosse Menge 
fUr Ludwig gegen die Curie zu gewinnen. Bei den cterrarum homines» kann man 
•n die «personae inferiores» von 1881 denken (ob. p. 30). MüUer II p. 50 sub 
3 beachtet sie nicht. Vergl. auch das mit Androhungen für den Weigerungsfall 
an den Bischof von Lttttich gerichtate Schreiben Ludwigs vom 1. Februar 1838, 
das die Aufforderung einen zu Ostern in Köln abzuhaltenden Tag zu beschicken 
enthält. Aehnliche Einladungen zu dem Frankfurter Tage im August an den Abt 
von Fulda und den Bischof von Halberstadt: Reg. Nr. 1912: HäberhnWlU p.806; 
Müiler II p. 131, 

* Reg. Nr. 70 p. 241 ; MiOler a. a. 0. p. 56 ff. 

* Beg. p. 118 Nr. 1892; Wencker appar. 199. Müller p. 58 u. Anm. 3. 

" Nach MüUer p. 59^ Anm. 4 ist ein zweiter Brief nicht wie man bisher ge- 
iban Speier zuzuschreiben, sondern anonym ; cf. a. a. O. die Auseinandersetzungen 
über den verschiedenen Charakter der an den Papst erlassenen Schreiben; das 
Uagenauer ist sehr entschieden und krttftig gehalten ; s. den Brief bei Ficker, 
Zar Qesch. des Ghurvereins Urk. 1 ; cf. Weeäi, Ludwig und Johann v. B. p. 72. 
Ueber einen Shnlicheu Versuch einer Reihe von StSdten, im Jahre 1831 durch 
Balduin v. Trier eine VersiShnung zwischen Kaiser und Papst herbeizuführen s. 
Müller I p. 271. 

8 



— 34 — 

anderswoher, die wider den Kaiser die Kurfürsten oder die sonst 
in dem Bund, gehen; wollen auch sonst nichts gegen das Bündniss 
thun oder dagegen heholfen sein. » * Gegenüber diesen thatsächlichen 
Aeusserungen reichsständischer Bedeutung seitens der Städte erhebt 
sich die Frage, wie wir uns in formeller Hinsicht die Teilnahme 
derselben an den hierhergehörigen Versammlungen zu denken haben. 
Es sind dies die Speirer Bischofsversammlung vom März, die Kur- 
fürstentage von Lahnstein und Rense vom 15. und 16. Juli und 
der Frankfurter Tag vom August 1338. Von den drei ersten Ver- 
sammlungen und ihren Beschlüssen blieben die Städte jedenfalls ganz 
fern. - In Frankfuit waren dagegen, wie aus der Beitrittserklärung 
der oben genannten Städte zum Kurverein hervorgeht, wenigstens 
diese vertreten; ob und warum nur diese, muss dahingestellt bleiben, 
es werden wohl auch nicht viel mehr dagewesen sein, ^ wenngleich 
es denkbar wäre, dass der Kaiser in dem Wunsche, eine für die 
Curie möglichst eindringliche Demonstration herbeizuführen, noch 
mehr Städte, wenn auch ohne Erfolg, zum Erscheinen in Frankfurt 
aufgefordert hätte. Wie dem auch sei, jedenfalls sind hier die Fürsten 
allein die beschliessenden Factoren ; ihren Beschlüssen tritt eine über- 
dies sehr kleine Anzahl von Bürgerschaften nur bei. Gleichwohl ist 
dies ein Fortschritt von der grössten Bedeutung. Die ständische Ver- 
schiedenheit von Fürsten und Städten und in Verbindung damit das 
an und für sich natürliche Bewusstsein der politischen Zusammenge- 
hörigkeit auch innerhalb der letztern Gruppe, die bisher namentlich 
durch Landfriedensbündnisse, durch Angelegenheiten mehr privater und 
localer Art ausgebildet worden, zeigt sich hier bereits in ganz atidrer 
Weise, im Zusammenhange mit den wichtigsten Beichsaugelegen- 
heiten. Zum ersten Male zeigen sich wirkliche Spuren der städti- 
schen ßeichsstandschaft im engern Sinne, zumal wenn man darauf 
Gewicht legen darf, dass jene Beitrittserklärung der Städte* im An- 



» Reg. Nr. 364 p. 311; cf. die Urk. bei Müller II Anhang Urk. 5. 

^ S. Müller p. 74 oben. 

^ Matth. V. Neuenh , der 1844 unsre Hanptquelle Über das Auftreten der 
Städtebdten ist, erwUhnt ihrer dieses Mal gar nicht, wahrscheinlich weil Strassbuig 
keine Abgeordneten geschickt hatte ; über die sonstigen Qaellen cf. MüÜer a. a. O. 
p. 7S ; vergl. dessen Mitgliederverzeichniss II Beilage 6; er führt ausser jenen 9 
Stüdten noch Regensburg als bei dem Tage vertreten an, «u. a. ra.> Letzteres 
ergiebt sich atis der sUidtischen Beitrittsurkunde: «für den (sc. den Kaiser) wir mit 
andern des riches steten und herren von sinem gebot gen Franchenford kouien 
waren . .» cf. auch Miezler p. 441 (F. 

^ Die übrigens rait einander im Bunde waren ; Müller II p. 89 u. Anm. 5. 



— 35 — 

schluss an den Reichstag veröffentlicht wurde, wie der Anfang der 
Urkunde besagt. Ein Weiteres wird man nicht behaupten können, 
da es sich auf dem Reichstage nur um die demonstrative Publicie- 
rung der bereits gefassten Beschlüsse gehandelt hat. ^ Es ist nicht 
wahrscheinlich, dass dabei den Städten ein formelles Zustimmungs- 
recht gestattet worden ist. ^ Vor allem ist endlich nicht zu über- 
sehen, wie das Ganze lediglich eine Folge der augenblicklichen Lage 
des Reiches oder vielmehr des Königs ist, in dessen Interesse es lag, 
der Curie gegenüber auch die Reichsstädte, deren Bedeutung jene 
gar wohl zu schätzen wusste, als auf seiner Seite stehend zu zeigen. 
Wir wenden uns sogleich zu den Ereignissen des Jahres 1344, * 
wo im allgemeinen dieselbe politische Lage die Reichsstandschaft der 
Städte wenigstens für einen Augenblick um einen so bedeutenden 
Schritt förderte, dass man Reichstagsverhandlungen aus dem Ende 
des 15. Jahrhunderts vor sich zu haben meint. Unter den etwas 
verworrenen Darstellungen über die Verhandlungen ist für uns am 
wichtigsten der Frankfurter Tag mit den Nachrichten des Matthias 
von Neuenburg. Nach ihm fanden vor demselben in Cöln Vor- 
beratungen der Wahlfürsten und des niederdeutschen Adels statt. 
Die oft citierte Stelle lautet:^ «Quibus (sc. articulis, die die kaiser- 
lichen Boten vom Papst zurückgebracht hatten) principi presentatis, 
ipse (Ludwig) eorum copiam unniversis principibus, praesertim 
electoribus et magnis civitatibus destinavit, omnes principes et opida 
tocius Alemannie ad parlamentum publicum super hujusmodi facto 
in Frankenfurt convocando. Electores autem principes et inferiorum 
parcium magnates octo diebus ante hujusmodi terminum Colonie 



» Cf. Müller a. a. 0. p. 73 u. 77, 8. 

' Darauf deutet auch der Ausdruck zu Anfang der genannten Urkunde : dass 
wir von Kaiser L. «bewiset» sind etc. ; cf. Müller p. 75. Derselbe bemerkt p. 89 
(8. auch Anm. 6): «Er lässt sich aus dem Gleichlaut der betreffenden Beitrittsur- 
kande erkennen, dass man den Ständen ein Formular vorgelegt hatte. Aber be- 
zeichnend ist auch hier wieder, dass die Städte viel energischer auftreten.» 

' Der Koblenzer Hoftag vom September \3SS {Böhmer, Font.l p. 219 Nr. 25; 
Reg. p. 285 zum 00. September, u. Nr. 3075 flF. ; Müller p. 82 Anm. 6), sowie 
die Frankfurter Versammlung von 1389 (Reg. p. 286 zum 00. März; Weech p.74; 
Müller p. 135, 140 u. 15 t) Waren wohl nicht von Stttdten besucht. Man brauchte 
sie eben nicht! 

* Böhmer Font. IV p. 229. Von altern Erörtrungen vergl. z. B. die alte Dias, 
p. 42 Anm. e, Häberlin VII I p. 311 u. 312 etc.; am scharfsinnigsten und ein- 
gehendsten, so dass man von allen andern Bearbeitungen absehen darf, behandelt 
Müller die Sache, dem wir uns daher durchaus anscbliessen ; cf. p. 201ff. ; nament- 
lich Beilage 15. — Cf. auch Riezler a. a. 0. p. 484. 

3« 



— 36 — 

convenerunt, hujusmodi articulis opponere concorditer decernentes. 
Convenientibus autem in Prankenford principum magnatum et 
civitatum opidorumquc imperialium nunciis et querente principe 
decivitatibns Aquensi, Augnstinensi, Uberlingensietaliis: «si adessent?» 
et dicto: cquod sie» et auscultantibus omnibus, magister Wikerus, 
cancellarius episcopi Trevirensis jussus per principem sie incepit: 
Gratiose domine! prineipes electores et alü imperii fideles, pridem 
Colonie congregati . .» haben beschlossen, dass die betreffenden 
päpstlichen Artikel reichsgefährlich sind; sie haben auch für den 
Fall, dass die Curie auf die Forderung der Fürsten, die Artikel 
zurückzunehmen, nicht eingehen würde, eine andre Zusammenkunft 
bestimmt, «welche sie mit Euch in 8 Tagen behufs einer Beratung 
über die Massregeln zu halten gedenken, welche man dann gegen 
jene Ansprüche zu treffen hätte». 

Nachdem dann dieser Bericht auf Verlangen des Kanzlers vom 
Mainzer Erzbischof und den Gesandten der andren Fürsten als richtig 
bestätigt worden, spricht der König zu den Abgeordneten der Städte 
Folgendes : 

«Vos audistis decretum et consilium principum; vos igitur exite 
nobisque vestram deliberacionem referte». lUique exeuntes diuque 
deliberantes ad prineipes rediere per unum civem Maguntinum de 
mandato omnium taliter respondentes : «Domine, civitates adverlerunt, 
qualiter papa cum articulis lesionem imperii nititur. Et cum 
civitates non possint stare nisi cum imperio et imperii lesio earum 
sit destructio : si dominus papa in talibus persistere vellet, nos inopes 
omnibus viis, quas cogitaverint domini prineipes imperii, erimus obedire 
parati». — Et querente illo: «si ita esset>? omnibusque nunciis 
dicentibus: «quod sie», princeps grates multiplices referens ait illis: 
«Post octo dies ego et prineipes conveniemus in Bens et avunculus 
noster Karolus marchio Moraviae, et deliberacionem nostram cum 
vobis scripserimus, circa honorem nostrum et imperii, ut confidimus, 
faciatis» . 

Was zunächst die Glaubwürdigkeit des Berichtes anbelangt, so 
ist dieselbe wohl nicht zu bezweifeln; der Chronist hat wahrschein- 
lich, wie Müller^ ^^igt, aus guter Strassburger Quelle geschöpft. 



* p. 202, Anm. 3 und Beilagel5, T. — Nach Soltau, Matthias v. Neuenbürg, 
Programm des Gymnasiums zu Zabern 1877, war wahrscheinlich der Verfasser des 
Berichtes persünllch in Frankfurt. 



— 87 — 

Demnach ist der Hergang, der lebhaft an die reichstäglichen 
Formalieu einer viel spätem Zeit erinnert und für diese Zeit fast 
zu modern scheint, folgender: Der Kaiser, die Kurfürsten und Fürsten, 
die jedoch, ausgenommen Heinrich von Mainz, nur durch Gesandte 
vertreten sind, ^ und die Städteboten sind miteinander versammelt 
und zwar in einem gemeinsamen Local. Nachdem auf Befehl des 
Königs durch den Kanzler Wicker von Siegel die Kölner Beschlüsse 
der Fürsten mitgeteilt worden sind, heisst der König, der die 
Anwesenheit der städtischen Abgeordneten vorher gleichsam officiell 
constatiert hat, diese abtreten. Dies geschieht auch, und die Städte- 
boten — man denkt unwillkürlich an das spätere CoUegium — be- 
raten sich, natürlich in einem abgesonderten Räume, lange Zeit 
und verkünden dann als G-esamtheit, indem sie sich in das gemein- 
same Local zurückbegeben, das allerdings denkwürdig patriotisch 
klingende Basultat ihrer Besprechung den höhern ßeichsständen, 
resp. deren Vertretern und dem Kaiser. 

Betrachtet man die Sache von dieser formellen Seite, so wird 
man nicht umhin können zuzugeben, dass hier die Städte vor dem 
Forum des Reichstages eine bedeutsame Rolle spielen. Aber man 
kann die Sache auch anders auffassen und kommt dabei zu dem 
Resultat, dass thatsächlich diese Beratung der städtischen Abgeordneten 
und ihre Beschlussfassung von keiner wesentlichen Bedeutung waren, 
indem ähnlich wie 1338 allein die fürstlichen Abmachungen und 
Bestimmungen wirklich massgebend waren, zunächst die von Köln 
und dann die von Bacharach, ^ kurz nach der Frankfurter Ver- 
sammlung, von welcher daher ein Reichstagsabschied nicht vorhanden ist. 

Die Städte haben zwar, nachdem sie auf Geheiss des Königs 
abgetreten waren, lange und eingehend mit einander über die 
päpstlichen Artikel verhandelt, wie Müller scharfsinnig nachweist, der 
den städtischen Ursprung des einen «Bedenkens» ^ unwiderleglich 
darthut; auch zeigen sich femer Spuren, dass schon vorher in 
städtischen Kreisen über die Stellungnahme zu den päpstlichen For- 
derungen Besprechungen stattgefunden hatten. ^ Aber ohne Zweifel 
ist das von Matthias von Neuenburg wiedergegebene Vertrauens- 
votum, wie man es am besten nennen kann, das ganze Ergebuiss 

* MiÜler p. 201 sub 4. 

*' über den Irrtum des Matthias^ der Kense angiebt, vergl. MüUer p. 205 
Anm. 2 u. Beilage 15, I geg. Schluss, 

' Cf. die genannte Beilage. 

* Cf. p. 202 Anm. 1 und 8. 



— 38 — 

jener Sonderberatung der auf Befehl des Königs abtretenden Städte 
gewesen; sie erklären nur, dass angesichts der Anmassungen der 
Curie ihre und des Keichs Interessen identisch seien und dass sie 
den Massregeln, die die Fürsten ergreifen würden, zuzustimmen bereit 
wären. Die Beschlüsse, die jene in Köln gefasst, werden also durch 
städtischen Einfluss garnicht modificiert, jenes «Bedenken»^ hat mit 
einem votum nichts geraein. und auch die Art, wie der Kaiser die 
Städteboten verabschiedet, zeigt deutlich, dass er von ihnen nichts 
als Gehorsam und Treue will: Nach 8 Tagen soll ein Fürstencon- 
gress zusammen treten ; deren Beschlüsse sollen ihnen als Norm für 
ihr Verhalten mitgeteilt werden. Hiermit sind auch die Abgeord- 
neten einverstanden: «qui hoc facera concorditer promiserunt». 

Unser Tag zeigt demnach mit dem Frankfurter von 1338 grosse 
Aehnlichkeit. Die Stellung der Städte, deren Zahl hier wohl eine 
viel grössere , ist im ganzen dieselbe wie dort. Beidemal lässt 
man sie aus erklärlichen Gründen in den wichtigsten Reichsangele- 
genheiten ihre Meinung aussprechen, aber beidemal ist fast mit 
Absicht, wie es scheint, geschickt vermieden, diese Meinungsäusserung 
als eine den fürstlichen Beschlüssen gleichwertige erscheinen zu 
lassen. Mit Recht sagt Müller:^ «Die Frankfurter Versammlung 
hat also durch den vorläufigen Fürstencongress den Characler eines 
Reichstages verloren und ist der Hauptsache nach zu einem vom 
Kaiser gebotenen Städtetag zusammengeschrumpft. Nicht einmal der 
Reichstagsbeschluss kommt hier zu Stande: nachdem die Städte 
ihre Zustimmung zum Ftirstenbeschluss gegeben haben, tagen die 
Fürsten für sich weiter.» 

Es ist zweckentsprechend, den wahren Sachverhalt festzustellen, 
weniger um den parteiischen und oberflächlichen Behauptungen 
früherer Schriftsteller entgegenzutreten, die auch diese Stelle für 
den Erweis eines städtischen votum decisivum ausgebeutet haben, 
als vielmehr wegen der im 15. Jahrhundert auftretenden und dann 
sich immer deutlicher zeigenden Intentionen der Reichsstädte selber, 
dieses Recht als ein ihnen seit Alters zugehöriges hinzustellen. 
Im Gegenteile liefern die betreffenden Acten, wie eine ausgedehn- 
tere Untersuchung zeigen würde, den sichern Beweis, dass bis Ende 



^ das wohl ursprünglich ein Referat über das den StUdten mitgeteilte fürstliche 
Bedenken war, aber ohne Zweifel im wesentlichen von jenen acceptiert wurde. 
Müller p. 204. 

' p. 828, 






— 39 — 

des 15. Jahrhunderts die Städte es in der Regöl nie üher das auf dem 
eben besprochenen Tage eingeräumte Recht, ihre Meinung zu äussern 
und allenfalls Protest zu erheben, hinaus gebracht haben. Die 
Initiative und das eigentliche Bestimmungsrecht hat immer in den 
Händen der höhern Reichsstände gelegen. Freilich, was hier nur 
der peinlichen Situation, in der sich der Kaiser befindet, verdankt 
wurde, das ist später feststehender Gebrauch geworden, und hiernach 
ist dieser frühe Ausnahmefall von 1344, wie man ihn wohl nennen 
darf, ^ zu beurteilen. 

Noch einmal, am Schlüsse seiner Regierung, war Kaiser Ludwig 
in die Lage versetzt, die Treue und Anhänglichkeit der Städte zu 
erproben. Am 11. Juli 1346 wurde Karl von Mähren in Rense 
zum Gegenkönig erwählt. 

Schon vorher, am 27. Mai schreibt Ludwig an Hagenau von 
München aus mit Bezug auf das drohende Ereigniss ; er ermahnt die 
Stadt, weder vom Papst noch von Karl Briefe anzunehmen und fährt 
darauf fort: «euch lazzen wir iuch wizzen daz wir kurtzlichen an den 
Rin komen wellen. Bitten wir iuch mit allem fleizz und ernst, swann 
ir hörnt, daz wir hinab komen sin, daz ir dann zu uns koment, 
wan wir iuren rat den wir allezit getriwen und willigen funden 
haben, über die und ander Sachen haben wellen. » ^ 

Allein die hier ausgesprochne Absicht, nach den Rheinlanden 
zu ziehen, kam zunächst nicht zu Stande; der Plan einer neuen 
Romfahrt führte den Kaiser nach Tirol. ^ Zur Zeit der Wahl 
seines Gegenkönigs war er wieder im Reich ; in Regensburg erhielt 
er vielleicht die wohl unerwartete Nachricht. Reichlich fliessen in 
dieser Zeit Gnaden und Privilegien für die Städte und die Briefe 



' Wir mochten daher die ErklKrung daflir, dtiss in dem städtischen Bedenken 
nur auf die politischen Forderungen der Curie, nicht aber auch, wie in dem Dirst- 
liehen, auf die gegen die Person des Kaisers gerichteten Anmutungen disciplinari- 
scher Art Rücksicht genommen wird, etwas anders als Müller (p. 342) formulieren; 
er sagt : «Hier handelt es sich nicht um das Reich, sondern um die Pei-son des 
Kaisers ; die Städte hatten also nicht mitzureden. Ihnen wui*den nur die politischen 
Forderungen des Papstes und die Beschlüsse der FUrsten Über dieselben vorgelegt.» 
Ob die Städte aber, wie man hieraus schliessen kOnnte, betreffs der politischen 
Forderungen ein « Recht > hatten mitzureden, ist doch nicht ganz ausser Zweifel. 
Da sie in Frankfurt peraSnlich dem Kaiser gegenüber treten, so dürfte vielleicht 
auch aus SchicklichkeitsgrOnden die Beratung der Disciplinarraassregeln durch die 
Städte, resp. die Vorlegung und Ueberweisung an sie durch die Fürsten unter- 
blieben sein. Schliesslich kam es auch nur auf die politische Haltung der Städte an. 

* Böhmer^ Font. I p. 225 Nr. 28. 

^ Cf. Biezkr, p. 494 ; MüUer H, 222 ; cf. Weech : Ludwig u. Johann, p. 105 
u. 1Ö6. 



— 40 - 

des Kaisers an die 4 wetterauischen Beichsstädte und an Aachen 
beweisen, wie wichtig für ihn die Bürgerschaften waren und wie 
sehr er ihre Treue zu schätzen wusste. Das Schreiben an jene 
erstem^ schliesst ähnlich, wie das oben angefahrte anHagenau: «so 
wellen ' wir hinab zu iw an den Bin und da mit iw und andern 
uusem frunden ze rat werden und öbereinkomen, wie wir dem 
grozzen unrecht und gewalt, daz gegen uns erdaht ist, widersieen 
und wollen ouch daz weren und understeen als verre uns leib und 
gut raicht». 

Von Nürnberg aus, wo wahrscheinlich eine Versammlung Ludwigs 
mit mehreren Fürsten und Herren stattfand, zog dann der Kaiser 
weiter nach Frankfurt. Hier fand ein Eeichstag statt, an dem auch 
Städteboten teilnahiAen, ^ ohne dass wir genaueres erfahren. Müller 
giebt ein Verzeichniss der Anwesenden und macht eine Beihe Ton 
Städten namhaft: Aachen, Oppenheim, Ulm, Wetzlar, Landau. Als 
Beweis dafür, dass sie in Frankfurt vertreten gewesen sein, führt er 
die Privilegien an, die für sie an 'diesem Orte ausgestellt sind. 

Wahrscheinlich aber war es dem Kaiser in Frankfurt wesentlich 
um die Fürsten zu thun, während er mit den Städten allein etwa 
3 Wochen später in Speier zusammen kam. Matthias von Neuen- 
burg berichtet hierüber Folgendes:'^ Convocatis quoque civitatibus 
Spire ipsas concorditer reperit in sua devotione ferventes, ita quod 
nee una earum Bheni, Suevie vel Franconie electionem Caroli aut 
Processus pape curavit nee quisquam illarum partium aliquos contra 
principem Ludovicum publicare processus audebat.» Dieser könig- 
liche Städtetag, über den unser Autor wohl wieder durch Strassbutger 
Nachrichten Kenntniss hatte, ist der Vorläufer einer Beihe gleicher 
Versammlungen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, bei denen 
gleichfalls die politische Lage den König auf die Unterstützung 
der Städte anwies. Wie sonst mit den Beichsfilrsten, kommt hier 
der König mit den Beichsstädten zusammen; zwar betreflfen. die 
dies veranlassenden Angelegenheiten zunächst die Person des 
Königs, sind aber gerade deshalb von allgemeinstem Interesse für 



* dd. Nürnberg, Juli 16. Reg. Nr. 2505 p. 167; bei Böhmer, Frankfurter 
Urknndenbuch p. 600. 

' Anm. 1 Biezkr p. 495; Muller p. 223; Beilage 19. In einer hierher ge- 
hörigen Urkunde vom 7. September, die die Entscheidung Über die holländische 
Erbschaft in Form eines Weistums verkündet, werden die Städte, was durch die 
Art der verhandelten Sache zu erklären ist, nicht erwähnt: «nobis (Lud.^ sedenti- 
bus cum proceribus pro tribunali.» Reg. Nr. 2522 p. 159. MuUer a. a. Q« ^nm, 2. 

» p. 240 u. 241. Muller a. a. 0. 



— 41 — 

das ganze Reich: indem die Städte, und zwar als Gesamtheit dazu 
auf Anlass des Königs Stellung nehmen, wird ihre politische Mündig- 
keitserklärung aus den Jahren 1338 und 1344 wiederholt und 
gleichsam legalisiert. Wir kommen später noch auf die königlichen 
Städtetage und ihre Bedeutung zu sprechen. 

Während so die Regierung Ludwigs des Baiern der politischen 
Selbstständigkeit und der reichsrechtlichen Stellung der Reichsstädte 
ungemeinen Vorschub leistete, kann man dasselbe von der Regierung 
seines Nachfolgers, Karls IV. nicht behaupten. Nie kam dieser, 
abgesehen von den ersten Jahren, in Bedrängnisse solcher Art, wie 
sie vota Anfang bis zu Ende fast durchweg die Geschich(.e seines 
Vorgängers charakterisieren, und es ist wiederum sehr bezeichnend, 
dass der gleich zu besprechende Reichstagsbeschluss, bei dessen 
Fassung nach Karls IV. eignem Zeugniss die Städte mit den 
Fürsten «konkurrierten» — das erste Mal I — die Aufstellung eines 

• 

Reichsheeres gegen Günther anordnet. Mit Recht sagt Vischer*: 
«Ein Kaiser, der wie Ludwig mit ganz ausserordentlichen Schwierig- 
keiten zu kämpfen hatte, konnte auch zu ausserordentlichen Mitteln 
greifen und, um an den Städten eine feste Stütze zu haben, ihnen 
eine Selbstständigkeit geben, welche über die Unterthanen gebührende 
Stellung hinausging; in gewöhnlichen Zeiten durfte dieselbe nicht 
geduldet werden». — Er sagt das mit Bezug auf die Bündnisse 
der Städte von 1347 und 1349 *, von denen das letztere 25 umfasste 
und bis zum 23. April 1353 dauern sollte. Zwar hiess es darin, 
dass der Bund, falls Karl IV. ihn nicht dulden wolle, abgethan 
sein solle; aber derartige eigenmächtige Verbindungen waren doch 
für die Reichsregierung bedenklich genug, zumal die politische 
Tendenz, die Erhaltung der Freiheit der Städte namentlich den 
kaiserlichen Verpfändungsgelüsten gegenüber, unyerhüUt darin zu 
Tage trat. Vischer bemerkt treffend': «Städtebündnisse, durch 
kaiserliche Autorität zum Schutze des Landfriedens errichtet, waren 
in Schwaben seit König Albrecht mehrfach vorgekommen ^. Zwischen 
Schutzbündnissen aber welche die einzelnen Reichsstände eingingen, 
um ihre Freiheiten und ihre speciellen Interessen gemeinsam zu 
fördern und zu verteidigen, . . und Bündnissen, welche zur Hand- 
habung des durch kaiserliche Machtvollkommenheit angeordneten 

* Forsch. IT p. 17; cf. Über das Folgende das dort Vorhergehende. 
» Cf. p. 16 a. a. 0. 

* p. 17. 

* 8. oben p. 12 ff. Auf eine n&here Verfolgung derartiger Bündnisse können 
wir, wie dort bemerkt, nicht eingehen. 



— 42 ~ 

Landfriodeps, zur Durchführung gemeinschaftlicher Massregeln gegen 
die Störer desselben, zur Bestrafung von Kaub, Mord, Brand und 
unrechtem Widersagen errichtet wurden, war ßin grosser Unterschied. 
Jene munterten die Städte zu einem selbstständigen Auftreten uQd> 
je nach Umständen zu Widersetzlichkeit dem Kaiser gegenüber auf 
diese dagegen ergänzten und unterstützten die kaiserliche Straf* 
gewalt.» — Es ist die von Karl IV» begonnene und von seinem 
Sohne Wenzel nachgeahmte Politik, dass jene eigenmächtigen politi- 
schen Sonderbündnisse in Landfriedensbündnisse unter kaiserlicher 
Autorität aufgehen sollten. Wie es darüber zum Kampfe kommen 
musste und wie dadurch die Beichsversammlungen unter König 
Wenzel eine Zeit lang ihr eigenartiges Gepräge erhielten, werden 
wir unten näher erfahren. 

Das nicht sehr reichhaltige ^ Material für die Hoftage Karls IV. 
ist von Huber in den Regesten dieses Kaisers unter der Rubrik 
cHoftage» p. 668 zusammengestellt. Fast alle Nachrichten über 
die Beteiligung der Städte an demselben stammen aus dem Strassburger 
Archive und sind zum Teil schon von Wencker veröffentlicht 
worden. Noch mag vieles auch aus andern städtischen Archiven 
dieser Bestimmung harren und für spätere Untersuchungen einen 
reichern Stoff versprechen. Aber es ist die Frage, ob dieses reichere 
Detail von Nachrichten die Gesammtauifassung, die wir schon so 
gewinnen, wesentlich modificieren wird. Zwar mögen fast überall, 
wo Reichsversammlungen stattfinden, Städteboten theils gerufen, 
theils ungerufen, ^ zugegen gewesen sein, wie namentlich die städtischen 
Rechnungsbücher zeigen würden;^ aber über dieses rein äusserliche 
Moment sind sie nur ausnahmsweise hinausgekommen. 

Mit dem Tode Ludwigs am 11. October 1347^ fielen für den 
neuen König die Hindernisse einer allgemeinen Anerkennung im 
Reiche, so auch von Seiten der Reichsstädte, die treu zu Ludwig 
gehalten hatten. Nach und nach erkannten ihn fast alle an und 

^ und das deswegen, weil sicherlich, so oft die Stftdte auch berufen worden' 
sie nur eine untergeordnete Rolle spielten. Zu bedauern haben wir, dass von 
Verunsky's Karl IV. nur der 1. Band erschienen ist. 

^ Aus letzterem Grunde scheint uns die Aufstellung von Präsenzlisten Ter- 
mittelst der ausgestellten Urkunden einigermassen bedenklich. 

^ Cf. z. B. Laurent y Aachener Stadtrechnungen, wo man sieht, wie viel die 
Stadt bei der bevorstehenden Wahl KarVs für Boten ausgab. Cf. auch die Aus- 
gaberechnung von 1846, namentlich p. 180 z. 25 ff. und von 1353 p. 230 u. 231 etc. 

* Stalin spricht III, 234 von einem Reichstage, den Karl vom 81. October — 
3. December in Nürnberg hielt, um seine Anerkennung durchzusetzen ; die schwä- 
bischen Städte halten sich fern; am 24. December sehliessen sie, 24 an der Zahl, 
ein Bündniss mit Ludwig v. Brand, und Stefan v. Baiern. Vischery Reg. Nr. 29. 



— 43 — 

huldigten ihm,^ indem er in den einzelnen Landesteilen herumreiste, 
so z. B. im Januar 1348 in Ulm 23 verbündete schwäbische 
Communen auf ein Mal. ^ 

Die Wahl Günthers von Schwarzburg zum Gegenkönige durch 
die wittelsbachische Partei zu Anfang des Jahres 1349 hatte auf 
die grosse Menge der Reichsstädte wenig Einfluss ; * sie war jedoch 
die Veranlassung, dass Karl im März 1349 zu Speier eine Beichs- 
Versammlung veranstaltete, zu der auch die Städte zugezogen wurden. 
Karl IV. berichtet über den Tag selbst in einem Schreiben* an 
Johann v. Mähren Folgendes: «. . Civitatem Spiram gressus nostros 
direximus, ubi convocatis . . principibus electoribus et aliis principibus . . 
comitibus baronibus nobilibus et civitatibus liberis et imperii, com- 
municato cum eisdem consilio, votis omnium concurrentibus adversus 
nostros et s. imp. aemulos exercitum iustaurare proponimus». Nach 
diesem Zeugniss haben also, wie bereits oben bemerkt, die Städte 
gleich Fürsten und Herren mitberaten und ihr votum gleich diesen 
abgegeben. Auch in einer zweiten Sache desselben Reichstages fand 
diese Gleichstellung statt, wiederum nach Karls IV. eignen Worten :^ 
Die Beichsversammlung — es werden ausdrücklich «die burger der 
frihen stettt ^ mitgenannt — fällt nämlich auf Veranlassung Karls 
IV. am 29. März in Form eines Weistums den Spruch, dass ein vom 
Papst aus gewissen Gründen abgesetzter Erzbischof, gemeint war 
H. V. Virneburg, als rechtlich abgesetzt zu betrachten sei. — That- 
sächlich haben demnach auf diesem Reichstage die Städte das volle 
Recht der Reichsstandschaft ausgeübt ; aber man . wird nicht umhin 
können, im Zusammenhange der ganzen Entwicklung auch diesen 
Fall als einen ausserordentlichen, als einen Ausnahmefall zu be- 
trachten, dessen unbefangene Erklärung in den besondern Verhält- 
nissen zu suchen ist, in denen sich Karl IV. befindet. Man muss 
wohl beachten, dass das Reichsheer gegen König Günther verwendet 



* Huber, binleiiung, Reg. p. XVII. 

* Müller II, p. 244 (Anm. .5). Stalin III p. 239 u 240 redet dabei von 
einem Hoftag; cf. Petzet, Karl IV. I, p. 197. 

' Cf. Reg. Nr. 958 und Janson, Köiygtum QUnthers v. Schwarzburg (Histor. 
Studien 1. Heft) p. 62 ff. 

^ Bei Mencken, SS. III, 2038. Das Reg. Nr. 914 ist ungenau. Vergl. Hat- 
thioit V. N. p. 268 und Jansen a. a. O. p. 5.5 ff. — Nach H, v, Bebdorf, Font. IV 
p. 535 ifand im April in Speier nur ein königlicher StSdtetag stalt: «tractatus magnus 
cum cvitatibut imp. in Suevia et juxta Renum>). cf. Janson p. 58. 

^ Bericht Karls IV. an Mainz bei Senkenberg, Selecta II, 168; Reg. 905. 

^ Cf. die auf Grund der in Speier erteilten Urk. zusammengestellte Präsenz- 
liste bei Janson p. 55, Anm. 4. Bei dem Spruch gegen H, v. Virneburg wären 
also nach dem Ausdrucke: «frihe stett» die anwesenden Boten der Reichsstädte^ 
au8ge8<^hlo88en gewesen; cf. Arnold, Gesch. II, 42 U 



— 44 — 

werden soll, und dass Karl nur höclilichst zufrieden sein konnte, 
wenn die Städte dem Beschluss des Reichskrieges zustimmten; ver- 
pflichteten sie sich doch dadurch — und das hat man ihnen immer 
gern gestattet — zur Stellung von Truppen. Ganz dieselben per- 
sönlichen Interessen konnten Karl die Mitwirkung bei dem Sprache 
gegen den Mainzer Erzbischof nur wünschenswert machen, war 
doch die freie Stadt Mainz diejenige Macht, auf die es bei der Sache 
am meisten ankam. Gewiss war es in dieser Zeit nicht das Ge- 
wöhnliche, dass bei einem Verfahren gegen den ersten Beichsfursten 
auch die Städte mitzureden hatten. 

Die vereinzelte Nachricht des Matthias^ von Neuenburg über 
einen Tag an demselben Orte im September desselben Jahres, wo 
Karl mit Fürsten und Städten vergeblich über einen Landfrieden 
verhandelte, übergehend, weil wir nichts weiter davon wissen, wenden 
wir uns zu den grossen Reichsversammlungen in Nürnberg Ende 1355 
und Anfang 1356 und in Metz zu Ende des letztgenannten Jahres. 
Die Beschlüsse beider Hoftage, tiie in der sogenannten Goldnen 
Bulle enthalten sind, sollen uns hier in der Art beschäftigen, dass 
wir eine Mitwirkung der Städte an dem Zustandekommen derselben 
oder auch das Gegenteil festzustellen suchen. 

Neuere Untersuchungen — die eingehendste ist demnächst zu 
erwarten — sind zu dem Ergebniss gekommen, dass die Teilnahme 
an der Gesetzgebung beider Versammlungen sowohl fürstlicher- wie 
städtischerseits sich derauf beschränkte, die königlich-kurfürstlichen 
Beschlüsse entgegenzunehmen. Die Gesetze werden zwar caus 
kaiserlicher Machtvollkommenheit» erlassen, aber nach vorhergehen- 
der Mitberatung der Kürfürsten. Das gilt von den Bestimmungen, 
welche diese selbst sowie die Fürsten angehen und auch von denen, 
die für die Städte gegeben werden, wie das Gesetz wegen der Pfahl- 
bürger.* Wenn Bussen* dieses Resultat bezweifelt und meint, dass 
schwerlich Kaiser und Kurfürsten über die Köpfe der andern Reichs- 
stände, d. h. der Fürsten und Städte, hinweg so eigenmächtig ver- 
fahren durften, so wird doch dieser Zweifel nicht durch die That- 
sache als berechtigt erwiesen, dass man nachträglich in einzelnen 

^ p. 271: «revenus autem rex Spiram» etc.; cf. auch Heinridiv. IMessenhofen 
zum Jahre 1350 (Fontes IV u. StcUin III, 251) : In Nürnberg feiert der König 
Pfingsten und löst den Bund der schwUbischen SiSdte(yOA 1849) auf: «mandana et 
Tolens, ut nobiles et civitates se mutuo defenderent> etc. Mit solchen und fthnlichen 
Nachrichten ist nichts anzufangen. 

' Cf. Detto, Entstehung und Bedeutung der G. B. Karls IV. (Wittstodcer 
Programm von 1872) p. 5 oben u. Anm. 1. — Nerger, Die G. B. nach ihrem 
Ursprung etc. (Gott. Diss.) Prenzlau 1877, p. 14 ff. 

» in Wiener Mitteil. II, 1, p. 31. 



— 45 - 

Fällen seitens der übergangenen Stände die Bestimmungen der G. B. 
nicht anerkannte. 

Uns kommt es hier nur auf die Stellung der Städte an, die 
wohl der der Fürsten nicht ganz entspricht, wie aus folgenden zwei 
Beispielen hervorgeht. ^ 

Cap. XII heisst es: cHinc est quod in solemni curia nostra 
Nurenberg cum venerabilibus ecclesiasticis et illustribus secularibus 
principibus electoribus et multis aliis principibus et proceribus per 
nostram celsitudinem celebrata, habita cum iisdem principibus delibera- 
tione et de ipsorum consilio pro bono et salute communi cum dictis 
principibus electoribus tarn ecclesiasticis quam secularibus duximus 
ordinandum . .» — Dagegen in einer Ilrk. vom 9. Januar, einem 
Willebriefe des Erzbischofs von Mainz für den Bischof von Strass- 
burg über das ihm vom Kaiser verliehene Privileg wegen der Pfahl- 
bürger (cf. Cap. 16 der G. B): «Cum Serenissimus etc. Karolus . . 
inter ceteras leges imperiales, quas in presenti curia sua imperiali 
in Nurenberg nobiscum et cum aliis omnibus principibus tam 
ecclesiasticis quam secularibus coelectoribus nostris ceterisque principibus 
et nonnullis civitatibus celebrata nostro et eorundem coelectorum 
nostrorum pleno consilio dinoscitur edidisse legem unam> etc. 

In beiden Fällen ist deutlich unterschieden zwischen den bloss 
Anwesenden, dem Umstand der Curia, und den Kurfürsten, mit denen 
allein der Kaiser das betreffende Gesetz beraten und erlassen hat. Aber 
während das erste Mal als Mitglieder des Hoftages nur «principes electores 
multi alii principes et proceres» angeführt werden, sind das zweite Mal 
ausser diesen noch die Städte als vertreten bezeichnet. Jedenfalls ist in den 
einzelnen Gesetzen höchstens von einer äussern Teilnahme der Städte 
an der curia die Rede. — Wattenbach bemerkt wohl mit Recht, ^ 
dass keih einziger gleichzeitiger Schriftsteller die G. B. erwähnt; 
demnach beschränkt sich unser Stoff, wenn wir etwas genauer auf 
die Stellung der städtischen Abgeordneten in Nürnberg und dann in 
Metz eingehen wollen, wesentlich auf das urkundliche und briefliche 
Material, das jedoch ziemlich ausreichenden Aufschluss gewährt. 

Zum ersten Male begegnen wir hier Berichten der Städteboten, 
die später die Hauptquelle tüi^ die, Geschichte der Reichstage bilden, 
und ohne die wir sonst meist nur das Resultat der stattgefundenen 
Verhandlungen, wie es in ^eu Urkunden niedergelegt ist, haben 
würden. Zunächst ist das Einladungsschreiben Karls an Strassburg 

' Andre Beispiele der Art bei Detto und Nerger a. a. 0. 

• QuelUn II. Aufl. p. 171. Vf. die Citat© in den Reg. zn Nr. 2284a u. 2519 tf. 
Heinr. v. Diess. p. 101 sagt: <anno 55 niense novembris K. imperator eleetores et 
civitateDtes in regno Alemannie ad se couvocavit in Norenberg tractans ea, quae santpacis« 



— 46 — 

erhalten, dd. Prag 1355 Sept. 17.^ Die Stadt soll auf den 11. 

November ihre Machtboten nach Nürnberg senden. Dorthin habe 

er um «friede und gemach alle fürsten gi*afen und herrn^ in deutschen 

landen besant — dazu wir auch ewer gegenwurtigkeit sunderlich 

bedurffen. Darumb empfehlen wir ewern trewen und wollen ouch 

ernstlich, daz ir, ze vollbringen sulche Sachen, auss ewern und ewer 

stat rate mit vollem gewalt und macht ze tun und ze lassen gleich 

andern steten, was wir mit in umb gemeinen nutz ze rate werden, 

zu uns gein Nurmberg . . senden wollet und suUet unverzogenlichen 

und an alles hindernusse». — In dem Regest wird mit Recht dazu 

bemerkt: «Natürlich ein ümlaufsschreiben». Es wird also den 

Strassburgern und den andern Städten, an die das Schreiben gerichtet 

ist, Anteil an Beratungen zunächst mit dem Kaiser in unzweideutigen 

Worten in Aussicht gestellt, nnd zwar an Beratungen über Friede 

und Gemach und um den gemeinen Nutzen. Bereits von Nürnberg- 

aus am 26. November erlässt der Kaiser eine ähnliche Aufforderung^ 

an die Stadt Metz, den dermaligen mit Fürsten Herren und Städten 

wegen Ruhe und Friede des Reichs zu Nürnberg versammelten 

kaiserlichen Hoftag zu beschicken; auch möge sie die Bischöfe von 

Metz, Verdun und Toul oder ihre Machtboten und die genannten 

Städte veranlassen, sich desselben Geleits zu bedienen, welches den 

Metzern zur Verfügung gestellt ist. Die Boten sollen ausgerüstet 

sein : «cum auctoritate acceptandi et emologandi, quo nostra prineipum 

procerum et civitatum sollicitudo providerit». Jedenfalls sind also 

die Städte vom Kaiser auf den Nürnberger Hoftag eingeladen worden. 

Ebenso verhält es sich mit dem Metzer Tage Ende 1356. 

Derselbe kam später zu Stande, als es noch in Nürnberg be- 
schlossen worden war, und wurde mehrfach verschoben.* Am 
30. April 1356 fordert Karl die Stadt Strassburg auf, ihre Machtboten 
4 Wochen nach Ostern zu seinem königlichen Hofe nach Metz 
zu schicken, «wann wir ir bedürfen werden zu merklichen Sachen 
die unsere und des h. reichs ere und nutz berören. » * 

* Beg. Nr. 2244; abgedruckt bei Wencker Appar. 206 und bei Olmschlager^ 
G. B. (p. 5—6) ürk. 1. 

* Die Städte werden also hier nicht genannt» 

^ Eeg, Nr. 2286; warum heisst es hier : die Stadt soll den c Landtag > be- 
schicken; " im Briefe steht «curia imperialis». — Die Ueberschrift oder das Reg. 
bei Böhmer- Ficke^'i Acta I p. 577 Nr. 855 ist falsch: von Boten der Städte 
SaarbrUck nnd Kaiserslautern ist nicht die Rede; das «civitatum predictaram> be- 
zieht sich auf Metz, Toul und Verdun. 

* Vergl. mit dem Folgenden Nr. 2414 und 2439 der Eeg. 

* Wencker^ Appar. p. 208 unten. In dem von Weizs. mitgeteilten Briefe 
Karls an Strassburg, dd. Sulzbach 1356, Oct. 8 (8. Eeg.) muss es wohl auch «Metz* 
statt Mainz heissen. Der Kaiser kommt zwar Ende October auf kurze Zeit (Octob. 
31 — Novemb. 2) nach Mainz; aber bei der lange gehegten Absicht, in Metz eiaen 
Hoflag zu halten, war wohl ein solcher in Mainz nicht in Aussicht genommen worden. 






— 47 — 

Auf beiden Versammlungen sind denn auch die Städte in grösserer 
Zahl vertreten gewesen. Von dem Nürnberger ist dies durch das 
Berichtschreiben der Strassburger Abgesandten bezeugt : ^ «und 
besante (i. e. der Kaiser) herren. und stette für sich, der vil do 
wasz» ; ebenso -auch vom Metzer Tage; dem Strassburger Rate wird 
von dorther berichtet, dass «viel herren und stede hie zu Metze 
sint mit namen die von Ache von Trier von Frankenfurt Frideberg 
Wetslar und Geilhusen, darzu versihet man sich, daz noch vil stette 
Bollen kummen . .»^ 

Was nun die Verhandlungen und Beschlüsse der beiden Reichs- 
tage anbetrifft, an denen den Ausschreiben gemäss doch auch die Städte 
irgendwie teilgenommen haben müssten,. so beruft sich zunächst 
Olenschlager ausdrücklich auf das Berufungsschreiben an Strassburg, 
um zu beweisen, dass zu denjenigen Beratschlagungen «die die 
ganze Reichsverfassung oder auch andrer Stände gemeinsame Gerecht- 
same betrafen, alle miteinander gelassen wurden».^ Detto- meint: 
«Vielleicht nahmen die Kurfürsten mit Fürsten und Städten private 
Rücksprache, um Boden unter den Füssen zu behalten». Er sagt 
dafür zum Beweise:* «Auf diese Behandlung weisen die besonderen 
Einleitungen hin, welche jede Satzung zu einem kleineren Ganzen 
machen. Wie könnte ferner der Kaiser sonst schon vor der grossen 
Sitzung vom 10. Januar in der Urkunde für Bischof Johann von 
Strassburg schreiben: «Notum facimus teuere presenciura universis, 
quod licet alias imperialem legem de Pfalburgeris et eorum abolitione 
seü prohibicione generalem in solempni curia nostra imp. cum 
Omnibus prineipibus elect. saeri imperii . . in Nuremberg cele- 
brata duxerimus promulgandam — eandem imp. legem nostram 
ex certa scientia specialiter et expresso ad ipsam Argentinensem 
ecxjlesiam volumus pertinere. — Tenor vero legis nostre imp., de 
qua supra fit mentio, per omnia talis est: folgt G. B. oap. 16. 
Zeugen sind die Kurfürsten und aliorum principum comitum 
baronum et nobilium multitudo». — Wenn man hieraus auch 
einen gewissen Einfluss der Fürsten und Herren auf das Zu- 
standekommen des Pfahlbürg^rgesetzes erkennen kann, so 'gind 
doch die Städte dabei offenbar gar nicht in Betracht gekoftimen. 

* dd. 29. Nov.; Beg, p. 55ö Nr. 241 ; Wencker a. a. 0. p. 207. Olenschlager, 
G, B. Urk.2; cf. die verschiedenen Praesenzlisten der Stttdte bei Detto, p. 4, und 
Nerger p. 13. Dieselben sind an der Hand der erteilten Privilegien aufgestellt. 

» Wencker p. 209. 
» G. fi. p. 7 § 4. 
^ p. 5 Anm. 8. 



— 48 — 

Allerdings könnte man das aus der städtefeindliohen Tendenz des 
Beschlusses erklären, wie es z. B. Olenschlager thut^. Aber man 
kann doch anderseits gi*ade so gut folgern, dass bei diesem für die 
Bürgerschaften besonders wichtigen Gesetzerlasse diese um ilire 
Ansicht zu befragen erst recht begründete Veranlassung vorbanden 
gewesen wäre. Es ist deshalb nur eine naheliegende Vermutung — 
denn wozu hatte man die Städte eigentlich berufen? — , dass Privat- 
verhandlungen irgend welcher Art mit ihnen namentlich von Seiten 
des Kaisers nebenher gepflogen sein mögen. Die Gesetze selbst 
lassen das jedoch nicht erkennen. 

Der erste Teil der G. B., der am 10. Januar 1356 in Nürnberg' 
publiciert wurde, erwähnt zwar eingangs die Städte: cinfra scriptas 
leges . . in solempni curia nostra Nurenbergensi assedentibus nobis 
Omnibus principibus electoribus . . . ac aliorum principum comitum 
baronum procerum nobilium et civitatum multitudine numerosa . . . 
ediximus». Hieraus ergiebt sich aber höchstens^ dass die Stiulte- 
boten in Nürnberg bei der Verkündigung gleichfalls zugegen waren. ^ 
Nach der allerdings vielleicht nicht originalen Ueberschrift der zu 
Metz am 25. December 1356 publicierten Gesetze ^ waren die Städte 
bei diesem Acte nicht anwesend, und wir können uns auf Grund 
des weiter unten zu besprechenden Berichtes der Strassburger Ab- 
gesandten über diesen Tag dem nur anschliessen. ^ Dass überhaupt 
die Städte nicht zu dem Hoftage gehören, geht am deutlichsten 
aus 2 Briefen Karls IV., die beide «au die Gonzagas gerichtet sind, 
hervor. In dem ersten^ teilt er diesen mit Beziehung auf den 
Nürnberger Tag mit: «Ganz Alemannien erfreue sich des Friedens; 
alle Kurfürsten seien auf seine Ladung nach Nürnberg gekommen, 
wo er mit ihnen und andern Fürsten und Grossen einen feierlichen 

^ A.a.O. Er weist einen. frühem Herausgeber der G, B. Limncteus zurecht, 
der eine Ausbesserung des Textes ftlr nütig hielt, weil das Gesetz die Stfidte gar 
nicht nennt (Cap. XVI, bei 0. unpag. S. 27). — Freilich hatte sich Limnaeua auf 
ein früheres Beispiel berufen können : 1B41 thut Ludwig alle PfahlbQrger ab «darch 
gemeinen frummen und nütz allir lUte und auch der stette willen und gunst und 
von unsirme keyserlichem gewald.» (Böhmer, Frankf. Urkdbch. p. 572.) 

* Das «assedentibus» u. s. w. versteht Olenschl, p. 7 Anm. 2, p. 10 u. ö. 
consequent wörtlich : «sie mussten dem Kaiser zur Seite sitzen.» Es erinnert diese 
formelhafte Wendung an den Umstand des Hofgerichtes, wie ein Vergleich mit dem 
ersten' besten Weistum in den Leges II zeigt. Diese Anklänge werden immer 
seltner, ein Merkmal der allmäligen innern und Uussern Verändrung der Reichs- 
versammlungen. 

» Bei OlenscM. unpag. S. 83—84. 

* Nach Nerger p. 30 sind auch in Metz die StUdteboten bei der Publicierung 
zugegen gewesen. 

* voEi 24. December 13öö Reg. Nr. 2856. 



— 49 — 

Hoftag hnito». In dem zweiten Briefe vom 11. April 1856 ^ si^reibt 
er an dieselben: «Sie sollen persönlieli oder dureh ihre Boten in 
&retz erscheinen, wo er fünf Wochen nach Ostern mit Kurftirsten 
Fürsten nnd andern Grossen einen feierlichen Hoftag halten werde.» 
So scheint es fast, als ob nur gegenüber den Städten selbst auf ihre 
Anwesenheit und sogar die Notwendigkeit derselben eingegangen 
werde, wie die Einladungsschreiben an Strassburg und Metz zeigten. 
Sobald der Kaiser mit ihnen zn thun hat, äussert sich derselbe in 
der Weise, dass man an eine förmliche Mitberatung der Reichs- 
angel^enheiten durch die Städte glauben möchte. ^ 

Von besonderer Wichtigkeit ist der Bericht, den die Strassburger 
Boten über die ersten Tage der Nürnberger Yersamiblung an ihre Stadt 
schicken^: <ir suUent wissen, daz der keyser kam an S. Katherinentag 
(25. November) zu Nürenberg und besante herren und stete far sich, 
der vil do was und redet mit den». Er giebt ihnen die zur Be- 
ratung kommenden Sachen an: 1) Bestimmung, wer Kurfürst sei 
2) Verbesserung der Münze, 3) Minderung der Zölle auf dem Kheine 
und des Geleits auf dem Lande, 4) Friede und Gnade auf Land 
und Wasser, ö) Entscheidung der Königswahl xlurch Mehrheit der 
Kurfürsten, damit nicht mehr Krieg um das Reich wäre. Der 
Bericht fährt dann fort: «das wil er (d. Kaiser) alles zu rate werden 
mit färsten mit hen*en und mit stetten ; andre mere wössen wir jetze 
nit, wenne er gejehen hat, daz er die herren und stete ein vierzehen 
tag bei ihm behaben welle, lieber denne er si aber hienach besammen 
mAsse. Ir suUent wissen, daz in vil jaren so manig herre und stette 
nie zusammen kamen». Die Worte des Kaisers klingen gewiss sehr 
versprechend, als müsste er auch die Städte durchaus dabei haben. 
Wir haben femer ein Schreiben Karls an Metz vom 12. Januar 
1356^, dass er der Stadt Botschaft angehört und in dem eben zu 
Nürnberg gehaltenen Tage, an welchem alle Wahlfürsten und eine 
grosse Menge anderer versammelt waren, beschlossen habe, auf Ostern 
einen allgemeinen Hoftag in Metz abzuhalten. — Die ersten Worte, 
dass er die Boten der Stadt angehört, gehen natürlich auf Sonder- 
angelegenheiten der Metzer. 

Auch über den Hoftag in Metz, der aber, wie oben bereits be- 
merkt, erst viel später zu Stande kam, haben wir eine kleine Kor- 

» Reg. Nr. 2489. 

* Wir verauchan am Schluss der Arbeit eine Erklärung hierftlr aa geben. 
^ Bei Wencker p. 207 fT. cf. Betto p. 5 (Anm. l zu Ende u. Anm. 5). 
' Reg. Nr. 2414. 



— 50 — 

respondenE der Sirassburger. Der eine Brief ^ bezieht sich auf den 
Beginn der Versammlung und es befremdet nicht, dass wir da von 
Verhandlungen nichts hören. Er ist von den Boten der Städte Mainz, 
Worms und Speier an Strassburg gerichtet, das seine Nichtbeschickung 
des Tages mit einem Erdbeben entschuldigt hatte. ^ Wir erfahren 
ausser dem schon Angeführten über die Menge der Anwesenden nur, 
dass des Kaisers Hofmeister und andre Freunde (Räte?) desselben 
nach den Strassburgem gefragt hätten, worauf sie, die Schreiber des 
Briefes, obigen Grund angegeben hätten. 

Dagegen beschäftigt sich ein zweiter Brief, diesmal von den Ge- 
sandten Strassburgs an ihre Stadt, ^ grade mit dem 25. December, an 
welchem Tage alle in Nürnberg und in Metz angenommenen Beichsge- 
setze, die ersteren also zum zweiten Mole, ^ öffentlich verkündigt wurden. 
Und merkwürdiger Weise findet sich in dem Schreiben nicht eine 
Spur von dem grossen Ereignisse des Tages. Man begreift gar nicht, wes- 
halb denn nicht mit einem Worte darauf hingedeutet wird, aus Interesse- 
losigkeit oder weil die Boten der Stadt, deren sie nachträglich vier Stück 
gesendet hatte, gar nichts davon wissen? Das eine wie das andere 
scheint beinahe unmöglich. Dagegen wird das «convivium» xiemlich 
ausführlich beschrieben, woraus dann Königshof en, der wohl diesen 
Brief vor sich hatte, sein kümmerliches Kapitel «von des keysers 
ymbesse mit den kurfürsten» fabriciert hat. ^ Ausser dieser chai-ak- 
teristischen Armseligkeit zeigt der Bericht auch sonst, dass die 
Städte doch eigentlich nur ihre Privatinteressen in Metz vertraten. 
Unmittelbar an die Beschreibung des convivium schliessen sich 
.nämlich die Worte an: «ir suUent euch wissen, daz die von Mentzo 
Wormesz und von Spire^ kein ußrichtunge noch enthaut; wir hant 
euch unsers dinges noch nut gericht von großen unmusseu die der 
keyser mit den fürsten het. Die von Wurmeße hant euch gehollen 
umb ihre Sache als sie für den hoverichter geladen sint, von gravo 
Walraven wegen, für den Bischof zu Spiro und het si euch der 
keyser dargewiset, wenue in euch ir bischof von Wormeße un- 
gemeine ist; anders er bette sie für den Bischof gewiset. Wir 

* Wencker appar. p. 209. 

* Ueber das .besondr« VerhUltniss Strassburgs zum Gesetz über die PfablbUrger 
lind aber sein Verhalten in dieser Sache cf. Nerger p. 22 ff. n. p. S2 und den 
Brief bei Wencker hinter der in Anm. 1 angegebnen Urk. 

' Wencker p. 403. 

* Cf. Nerger p. 80 Anm. 4. * 

^ Stüdtecbron. 8 Nürnberg 1 p. 482 u. 483 und Anm. 8 der erstem Seite. 

* Ueber deren Angelegenheiten cf. Nerger p. 83. 



— 61 — 

fordernt uns hinnan, so wir ersten mögent, wenne koste gar ture 
ist. Man versieht sich euch, daß der Cardinal und der Delphyn 
uf St. Thomas von Cantelberg dag hinnan scheidende werdent, so 
truwen wir, daß wir unsere Sachen anvahent». — Es folgen dann 
noch für jene Zeit interessante Notizen, dass der Dauphin dem 
Kaiser drei Doraen von der heiligen Krone und ein mit Edelsteinen 
und Perlen besetztes Schwert im Wei^the von 18000 ö. geschenkt 
habe u. s. w. — Bei Wencker^ findet sich noch ein Antwort- 
schreiben der Stadt an ihre vier Vertreter, das lediglich Anweisungen 
für ihr Verhalten in den städtischen Privatangelegenheiten enthält. 
Es ist uns nach jenem Schreiben der 4 Abgeordneten, in dem 
besonders die Stellen, dass der Kaiser alle Zeit mit den Fürsten 
beschäftigt ist und dass sie nach der Abreise des Cardinais und des 
Dauphins ihre Sache anzufangen hoffen, bezeichnend sind, keinen 
Augenblick zweifelhaft, dass die Städte mit den Metzer und auch 
wol den Nürnberger Verhandlungen, soweit ihr Frgebniss in der 
G. B. enthalten ist, ^ wenig und nichts zu thun hatten. Dafür 
spricht auch der ganze Charakter dieses • kaiserlich-kurfürstlichen 
Gesetzes. Ebenso ist zu ■ bedenken, daiss beide Versammlungen zu 
Metz und Nürnberg grosse, feierliche Hoftage im alten Stile sindj 
die Menge der zahlreich versammelten Fürsten und Herren, die 
allein die Aufmerksamkeit der schreibenden Zeitgenössen auf sich 
zogen, macht es wenig wahrscheinlich, dass neben jenen die Städte 
zu einiger Geltung gekommen sind, an die man sich höchstens in 
der Noth wandte.* Ferner ist hier die Sachlage eine ganz andere 
als etwa auf dem Frankfurter Tage von 1344, wo dieselbe den Kaiser 
in die Notwendigkeit versetzte, auf die öffentliche Meinung durch 
eine öffentliche officielle Erklärung der Städte eine für ihn günstige 
Pression auszuüben. Nur dass sie berufen und daher zu erscheinen 
berechtigt waren, können wir bestimmt sagen; berufen, möchte man 
fast meinen «ad nudam decorationem theatri».* Die erwähnte Ansicht, 
dass die Fürsten und Städte die kurfürstlich-kaiserlichen Beschlüsse 
nur «entgegenzunehmen» hatten, wird wenigstsns betreffs jener 



» A. a. O. p. 404. 

^ Dasa man wahrscheinlich noch Über andre Sachen verhandelt hat, darüber 
cf. Olenschlager p. 329. 

^ In Sulzbach, wo der Kaiser sich etwa 8 Tage nach dem Nürnberger Reichs- 
tag aufhielt, erliess er «im Verein mit den Städten ein wichtiges M Unzgesetz.» 
Nirger p. 21. StUdtechrou. I p. 239. Die Urk. war uns nicht zugänglich. 

* welche Ansicht die alte Dissert. p. 40, 2 schon bei Gelegenheit des Würz- 
burger Landfriedens von 1291 entrüstet zurückweist. 



— 62 — 

letzteren ohne Zweifel die richtigste sein. Wie wenig die ihnen 
in den Berufungsschreiben gemachten Versprechungen einer Teil- 
nahme an den Beratungen der Reichsversammlung wörtlich zu 
nehmen sind, werden wir noch häufig eu bemerken Gelegenheit 
haben. 

In dem weitern Verlauf der Kegierungszeit Karls IV. finden 
sich zwar noch eine lange Reihe von Nachrichten über Berufung von 
Städten zu den Reichs Versammlungen, doch erfahren wir meist nichts 
von einem Erfolg derselben; wir begnügen uns deshalb damit, sip 
hier möglichst kurz zusammen zu stellen. 

Der Reichstag zu Nürnberg 1360, wo. der Kaiser mit kurzer 
Unterbrechung im Juni Juli und August sich aufhielt, hatte unter 
anderm den Zweck, den üebergrifFen der Grafen Eberhai'd und Ulrich 
von Wirtemberg ein Ziel zu setzen, unter welchen besonders die 
schwäbischen Städte um so mehr zu leiden hatten, als die Grafen 
zugleich Landvögte von Niederschwaben waren. Da Graf Eberhard 
auch dem Kaiser missMlig geworden war, so wurde er vor die Reichs- 
versammlung nach Nürnberg geladen, ohne dass jedoch die Sache auf 
gütlichem Wege ihre Erledigung fand Natürlich waren vor allen die 
Reichsstädte, die wie zur Zeit Heinrichs VII. Beschwerde geführt 
hatten, geeignet und geneigt, den Grafen mit Gewalt zum Nachgeben 
zu bringen. In einem wahrscheinlich an Nürnberg gerichteten Schrei- 
ben fordert der Kaiser, dass den Städten in Schwaben, im Elsass, in 
Franken, der Stadt Frankfurt und andern vorbotschaftet werde, wie 
er auf Johannis in Nürnberg eintreffen werde, damit sie dorthin zu 
ihm kämen : ^ «quocirca fidelitati vestre committimus presentibus 
seriosius et mandamus, quatenus statim visis presentibus Swevie Alsacie 
Frankonie Frankinfordensi et aliis, quibus hoc denunciandum scitis, ^ 
civitatibus hunc nostrum deo favente felicem adventum dilacione sine 
qualibet sigillatim intimetis, ut et ipsi ad uostram majestatem venieadi, 
occasione sine qualibet, sint parati». 

Wie die Beteiligung am Zuge gegen die Grafen seitens der 
Reichsstädte natürlicher Weise sehr zahlreich war, z. B. stellte 
Strassburg allein «40 gekrönte Helme», ^ so mag es auch die an dem 
Tage selbst gewesen sein Von den Verhandlungen wissen wir nichts, 
wir erfahren nur, «dass der Feldzug gegen Ebwhard beschlossen* 



* dd. 17. Juni. Böhmer, Frankf. ürkdbch. p. 673 «. 674. Reg. Nr. 8187 n. 
3188a; Vischer, Forsch. II p. 18; namentlich Stalin III, p. 264 ff. 

' Woher sollen sie das wissen? Deutet das bereits auf einen Usus des «Aua- 
schreibens»? 

^ Stalin a. a. O. 



— 58 — 

iKTurde, der am 31. August zu einem für den Grafen leidlich günstigen 
Vertrage führte. 

Auch im folgenden Jahre fand zu Nürnberg eine Reichs- 
versammlung statt, zu welcher der Kaiser gleichfalls die Städte einlud 
und zwar aus Anlass des Grössenwahns Rudolfs von Oestreich, der dem 
Verbot Karls IV. zum Trotz sich Pfalzherzog zu Schwaben etc. nannte. 
Auch hier musste für den Fall eines Krieges auf die Städte Rück- 
sicht genommen werden. Das Berufungsschreiben an die Strassburger 
führt auch noch einen andern Grund an ; ^ sie sollen den auf den 
20. März nach Nürnberg angesetzten Tag, zu dem der Kaiser auch 
Fürsten Grafen Freie Herren Städte und Getreue besandt hat, be- 
schicken, um dort «die Not des von einer in der Gegend von 
Avignon gelagerten bösen Gesellschaft bedrängten Papstes und die 
Anmassungen zu beraten, welche sich der Herzog von Oestreich 
erlaubt». Wegen Verschiebung der Versammlung werden dann die 
Strassburger auf den 11. April nochmals vorgefordert.* Es fand 
denn auch um diese Zeit in Nürnberg ein feierlicher Hoftag statt, 
verbunden mit der glänzenden Taufe des spätem Königs Wenzel. 
Die zeitgenössischen Schriftsteller, die hierüber eingehend berichten,^ 
erwähnen der Städte kaum ; auch sonst finden wir nichts, was uns 
länger bei dem Tage zu verweilen nötigte. 

Von einem Reichstage im «Spätherbst» desselben Jahres* er- 
fahren wir gleichfalls nichts Näheres, und viel besser steht es auch 
nicht mit dem ebenfalls in Nürnberg gehaltenen parlamentum regale 
Im März 1362, über das Gemeiner ^ einiges berichtet. Er sagt mit 
Berufung auf die Regensburger Kammerrechnung : «Um die gänzliche 
Zerrüttung des Landes abzuwenden, war der Kaiser auf gütliche 
Beilegung des Streites (zwischeu einzelnen Fürsten) bedacht, ver- 
sammelte einen Reichstag und forderte nebst Fürsten alle Freistädte (I) 
zu sich nach Nürnberg. Im Namen hiesiger Stadt (Regensburg) 
hatte sich df-r Kämmrer Dürnstädtor daselbst eingefunden, und 
Hülfe und Beistand gefordert. Diese Versammlung sass im Monat 
März».** Mehr wissen wir leider nicht. Ein vor dem König in 



' Reg. Nr. 3662; SchöpfUn, Als. dipl. II, 238; Stalin III, p 272 Anm. 2. 

* Reg. Nr. 3567. 

' Reg. Nr. 8621 a. 

* Stalin III p. 278. 

" Regensburg. Chronik 11 p. 124. Reg. Nr. 8885 a. 

* Gemeiner giebt in der Anmerk. den 18. März an. 



— 54 - 

Nürnberg ergangener Rechtsspruch, der auch städtische Interessen 
berührt, wird nur von Fürsten gefällt. ^ 

Vom 6. Januar 1366 haben wir femer einen Brief des 
Bischofs Lambert von Speier an Strassburg ; ^ er macht darin 
der Stadt im Namen des Kaisers Vorwürfe, namentlich wegen 
der Pfahlbürger und wegen eines auf der Brensch neu errichteten 
Zolls. «Der Kaiser beabsichtige, diese Stücke auszutragen mit 
Rat der Kurfürsten Fürsten Grafen Herren und Städte zu 
Nürnberg, wohin dieselben auf 8. März kommen sollen». Allein 
erst im August kommt der Kaiser auf kurze Zeit nach Nürnberg» 
ohne dass wir von einem Hoftag hören. 

Einen solchen (parlamentum generale) hielt er im August 
zu Frankfurt ; ? der Städte wird aber keine Erwähnung gethan. 

Femer kenneu wir einen Nürnberger Tag von 1371. Am 
6. Januar meldet der Kaiser von Breslau aus an Nürnberg seine 
bevorstehende Ankunft. Er wolle mit ihrem und anderer Städte 
und auch der Herren Rat, die er gleichfalls alle besendet habe, 
einen gemeinen Landfrieden und eine Münze verordnen. Auch 
Strassburg und wie es scheint Basel werden aufgefordert die Ver- 
sammlung zu beschicken.* — Zu erwähnen bleibt endlich noch 
ein von Karl IV. an Strassburg gerichtetes Schreiben*^ (dd, 
25. März 1372). Er meldet den Bürgern, dass er wegen 
merklicher Sachen, die ihn und das Reich anrühren, auf Pfing- 
sten in Mainz zu sein gedenke; er verlangt die Absendung 
von Boten dorthin, mit denen er seine Meinung um solche 
Sachen reden möge. Wir erfahren auch, dass der Kaiser und 
«die Kurfürsten von der Pfalz, von Köln, Trier und Mainz und 
viele Herren» um jene Zeit in Mainz anlangten,® aber die 
Strassburger scheinen keine Abgeordneten geschickt zu haben. 
In einem Briefe vom 14. Juni ohne Jahr, der aber in den 



* Reg. 3840. — Betto sagt (p. 20) mit Bezug auf die vermeintliche Altsicht 
der G. ß., resp. Kails IV., die Reichstage in KurfOrstentage zu verwandeln: <E8 
findet sich nur ein Beispiel, dass Korl wirklich nach solchen Absichten verfahren 
ist, nämlich aus dem Jahre 1362, in welchem er mit den Kurfürsten zu Nürnberg 
eine Versammlung hielt und dieselben auf seine Anklage den Herzog Rudolf v. 
Oestreich etc. zur Verantwortung ziehen wollten.» Er ciiiert HäberUn 111,677. — 
Jedenfalls waren nach Obigem die Städte eingeladen. 

* Beg. Reichss. Nr. 429. 

3 Reg, 4348 a; unter Päpsten Nr. 109—113. 

* Beg. Nr. 4928—4930. 
^ Beg. Nr. 5039. 

« Beg, 6042 a. 



— 55 — 

Regesten ^ auf 1372 angesetzt ist, schreibt Heinrich zum Jungen 
von Mainz aus an die Stadt, er habe dieselbe beim Kaiser 
wegen il^rer Abwesenheit entschuldigt im Beisein derer von 
Mainz Worms und Speier ; der Kaiser nehme es ihr nicht übel ; 
derselbe habe die Kurfürsten am Rhein und andere Herren 
lind Städte auf 8. Juli nach Mainz oder Frankfurt geladen. 
Entweder gehört der Brief nicht in dieses Jahr, oder was 
TFahrscheinUcher ist, die beabsichtigte Versammlung kam nicht zu 
Stande. Karl reist nach einem dreiwöchentlichen Aufenthalt 
am 8. oder 9. Juni von Mainz ab, « kommt aber nur auf ein 
X^aar Tage (circa 11. — 13. Juli) hierher zurück, ohne dass ein 
Reichstag stattfindet; nach Frankfurt kommt er überhaupt 
nicht; er kehrt vielmehr nach Böhmen zurück. 

Hiermit ist unser Material, das vielleicht wie gesagt einer 
spätem Untersuchung zumal für die Zeit Karls IV. reichlicher zu 
Gebote stehen wird, erschöpft. Trotzdem sich — das ist unser 
Resultat — fast überall Städteboten nachweisen lassen und trotz 
der verheissungsvollen königlichen Berufungsschreiben sind 
nur König und Fürsten die beschliessenden Factoren und in 
diesem Sinne könnte man statt von Reichstagen eben so gut von 
königlichen Fürstentagen sprechen ; auch im Folgenden werden 
wir diese Ansicht bestätigt fibiden. 

Mit dem Beginn von Wenzels Königtum und dem Aus- 
gange desjenigen seines Vaters beginnt ein neuer Abschnitt, eine 
neue Epoche in der Qeschichte der Reichstage, deren gänzliche 
Verschiedenheit von der bisherigen Entwicklung sich auf den 
ersten Blick deutlich zeigt. Die Stellung der Städte auf den 
Reichsversammlungen dieser Zeit entspricht genau ihrer Stellung 
im Reiche und steht im genausten Zusammenhange mit der 
G-eschichte des Städtebundes, des rheinischen, sowie namentlich 
des schwäbischen« Das Wesen und die Bedeutung dieser beiden 
Einungen, der interessante Vergleich derselben mit der schwei- 
zerischen Eidgenossenschaft im Süden und der glänzendsten 
Erscheinung des Einungswesens, der Hanse im Norden, sind in 
neuster Zeit vielfach Gegenstand eingehendster Untersuchungen 



' Reg. Reichss. 658. 

' Reg. 5076 a extr. — Cf. noch Nr. 5120 über einen von Rarl befohlenen 
Landfrirden^tag im ElsasB, an dem ausser Straesburg, an das das Schreiben wieder 
gerichtet \ai, auch Basel und die andern elsüss. Reichsstädte unter Vorsitz des 
Bischofs von Strassbarg teilnehmen sollen. 



— 56 — 

gewesexx, aus denen wir deshalb nur das fflr unsem Zweck 
AUernötigste hervorznlieben brauchen. Mit Eecht hat namentlich 
Yischer ^ als hauptsächlichstes Merkmal des schwäbischen Bundes 
das € ständische Interesse» betont, das die Reichsstädte zum Zu- 
sammenhalten und zur Vereinigung bewog und welches sie in 
einem langen und erbitterten Kampfe aufrecht zu erhalten be- 
strebt w'aren. Man darf wohl behaupten, dass erst im Verlaufe 
dieses Kampfes der ständische Gegensatz zwischen Fürsten und 
Beichsstädten völlig zum Durchbruch kam. Der grosse Städte- 
krieg entschied darüber, ob letztere als dritter Stand im Reiche 
gelten sollten, als er beendet wurde, zeigte es sich, dass denselben 
wohl oder übel ihre eigentümliche Sonderstellung gelassen werden 
musste, die entweder zu völliger Ausscheidung aus dem Keichs- 
verbande oder zur Anerkennung der Reichsstädte als eines 
selbstständigen Reichsstandes neben dem der Fürsten früher oder 
später führen musste. 

Am 4. Juli 1376, noch nicht 4 Wochen nach der teuer 
erkauften Wahl Wenzels in Frankfurt, schlössen 14 Städte, 
unter denen Ulm und Constanz die bedeutendsten waren, ein 
Bündniss, das bis zum 23. April 1380 dauern sollte. Nicht 
Aufrechterhaltung des Landfriedens, sondern Bewahrung ihrer 
Selbstständigkeit und Freiheit war das nächste Ziel, welches 
dieses Bündniss verfolgte, das ebenso gut gegen deh Kaiser 
wie gegen die Fürsten gerichtet war: der Erstere drohte mit 
Verpfändung, diese mit Unterwerfung unter die Landeshoheit; 
Beide sind gemeint unter denen, «welche die Städte von ihren 
Rechten Freiheiten Briefen und guten Gewohnheiten drängen 
wollen». 

Festes Zusammenhalten in der gemeinsamen Sache, darauf 
kam alles an. Daher wurde bestimmt, dass keine Stadt einzeln 
und ohne Zustimmung der andern antworten solle, wenn der 
Kaiser, der König oder sonst jemand die Städte wegen ihres 
Bundes mahnen würde. ^ Dadurch war eine nur aus Reichs- 
städten bestehende Vereinigung constituirt, die jedem Zweiten 
gegenüber geschlossen auftrat. Der eigenmächtige Schritt 
geschah ohne Zuthun, ja im Gegensatz zur Reichsgewalt, mit 
welcher der Bund bald in Widerspruch geriet. Auf die wohl- 
motivierte Verweigerung der Anerkennung seines Sohnes als 

^ Fm-sch. II p. 91—93. 

» Cf, Vischer p. 24 ff. — JAndner, König Wenzel I p. 44 ff. 



j 



— 57 — 

röisiflchen Königs erfolgt noch im Herbst desselben Jahres der Zug 
des Kaisers gegen die widerspänstigen Städte; die Belagerung von 
Ulm jedoch sowie der ganze Feldzug misslingt. Die darauf folgen- 
den Vermittlungsversuche eröffnen die lange Reihe jener Verhand- 
lungen, die bis zum Egerer Landfrieden und zur Auflösung der 
Städtebünde den Reichsversaramlungen dieser Zeit einen so eigen- 
artigen Charakter verleihen. 

Immer weiter dehnt sich unterdessen der Bund aus, wozu be- 
sonders der erfolgreiche Kampf gegen Wirtemberg und der Sieg 
bei Reutlingen im Mai 1377 ungemein viel beitrug. Am 20. März 
1381 treten auch die rheinischen Städte in ein Bündniss zusammen 
und bereits am 17. Juni vereinigten sich beide Stadtebunde, so ver- 
schieden im Einzelnen auch beider Sonderinteressen waren, ^ zu ge- 
meinsamer gegenseitiger Unterstützung. Somit war fast das ganze 
reichsstädtische Element von Oberdeutschland geeinigt; und wenn 
bedeutende Fürsten, wie sogar die von Oestreieh und Baiern, zeit- 
weilige Verbündete des schwäbischen Bundes waren, so tritt doch 
immer wieder der Gegensatz der beiden Partein : der Herrn und der 
Städte scharf hervor, deutlicher fast noch als auf dem Kampfplatze 
— auf den Reichsversammlungen. Es sind das Reichsversammlun- 
gen gunz besondrer Art ; nur wenige Anklänge erinnern an die früheren 
Hoftage. Dies ergiebt sich schon aus einer oberflächlichen Betrach- 
tung des Verhältnissos, in dem die Teilhaber der Versammlungen 
zu einander stehn. Immer stehen sich zwei Parteien gegenüber: 
die eine bilden die Städte ; ihre Stellung ist die eigentümlichste. 
Zunächst sind sie überall dabei; denn man kann, wie wir sehen 
werden, ohne sie nichts anfangen. Aber, wie im Jahre 1255, 
nehmen sie nicht Teil als Reichsstädte an und für sich, sondern als 
Bundesstädte. Das tritt überall klar hervor: ihr Bund ist eben 
meist die Veranlassur.g zu den Versammlungen. Grade hierin liegt 
jedoch eine grosse Schwierigkeit, denn der König will diesen Bund 
nicht anerkennen; nicht die «verbündeten» Städte, sondern nur die 
Reichsstädte in Franken, in Schwaben u. s w. beruft er zu den 
Tagen, er vermeidet es ängstlich, von jener ersteren Eigenschaft 
Notiz zu nehmen. 

Wichtiger jedoch ist das Verhältniss der Städte zu den Fürsten. 
Beide treten sich offen als Parteien gegenüber, die mit einander im 
Kriegszustand sich befinden. Die Ausgleichung der zu Folge 



* Cf. hieraber Lindner I p. 140 ff. 



— 58 — 

desselben entstandenen Streitigkeiten ist die unerlässliche Vorbe- 
dingung eines geordneten Friedenszustandes, eine lange Reihe von 
Vermittlungsversuchen bietet die Gelegenheit, dass die Städte als 
«gleichberechtigte Contrahenten» den Fürsten an die Seite treten. 

Wenn man beachtet, dass auf den bisherigen Reichversamm- 
lungen gerade darin sich die Halbheit der reichsständischen Bedeutung 
der Städteabgeordneten zeigte, dass ihnen jede Concurrenz^ mit den 
Fürsten versagt blieb und nur der König gelegentlich mit ihnen 
unterhandelte, so wird man den Verhanldungen der beiden grossen 
Parteien während des Städtekrieges einen gewissen Einfinss auf die 
Entwickelung der städtischen Reichsstandschaft nicht absprechen 
können. Gleichwohl dürfen wir darauf verzichten, alle Vermittlungs- 
oder wie wir sie nennen wollen Teidigungstage der Reibe nach 
durchzugehen. Man kann sagen, dass wegen ihrer Eigentümlichkeit 
dieselben für die Entwickelung der städtischen Reichsstandschaft 
nur indirect in Betracht kommen. Sie bezeichnen mit wenigen 
Ausnahmen bis zum Ende des Städtekrieges nur die diesem zu 
Grunde liegenden Partei Verhältnisse in den verschiedenen Phasen. 
Die Spannung zwischen Fürsten und Städten bleibt trotz aller 
Vermittlungsversuche im Grossen und Ganzen die gleiche; nur der 
König wechselt seinen Standpunkt, je nachdem er, und zwar ledig- 
lich aus politischen Rücksichten zu den Fürsten oder den Städten 
neigt, wird die Parteigruppierung eine etwas andere. Im Nürnberger 
Herrenbund von 1383 alliiert sich Wenzel eng mit den Fürsten, in 
den folgenden Jahren nähert er sich wieder den Bürgerschaften: in 
dem Bündniss mit den schwäbischen Städten von 1387 haben wir 
das grade Gegenstück vom Nürnberger Herrenbunde. Allein dabei 
bleibt es nicht. Auf dem Egerer Reichstage von 1889 lässt der 
König die Städte wieder ganz fallen; ihre Sonderbündnisse werden 
aufgelöst. 

Jedoch derartige politische Combinationen, deren getreues Ab- 
bild uns in so und so vielen Versammlungen entgegentritt, gehen 
uns wenig an. Es ist vielmehr unsere Aufgabe zu untersuchen, wie 
sich die drei Parteien, namentlich die der Städte zu der der Fürsten, 
unter normalen Verhältnissen zu einander stellen, um betreffs der 
ersteren beurteilen zu können, inwieweit ihnen ein rechtlicher Eiii- 
fluss auf die Reichstagsverhandlungen gestattet wurde, oder ob ihnen 



* Wir wählen hier mit Absicht diesen übrigens sehr bezeichnenden terminas 
technicoB der späteren Reichstagspraxis. 



— 59 — 

ein solcher in dieser Zeit gar nicht zu vinclicieron ist. Die Partei- 
verhandlungen aber der Toidigungstage geben kein treues Abbild^ / 
von der normalen reichsrechtlichen Stellung der Städte dem Fürsten- / 
stände gegenüber. So lange die ausserordentliche Situation andauert, 
stehen sich beide, wie leicht zu beweisen ist, durchaus gleichberech- 
tigt gegenüber. 

Dadurch ist aber keineswegs bedingt, dass auch in geordneten 
Zeiten dieses Verhältniss bestehen bleibt und es ist deshalb die 
Geschichte dieser Teidigungstage nur insofern für nus von Bedeutung, 
als durch dieselbe, wie oben angedeutet, die hergebrachte Anschauung 
wesentlich modificiert werden konnte: indem durch länger als ein 
Jahrzehnt auf fast allen Reichsversammlungen die Städte neben den 
Fürsten als gleichberechtigte Gesamtheit erschienen, war es wohl 
möglich, ja wahrscheinlich, dass dies auf spätere Zeiten von einiger 
Wirkung war und dass dadurch die Berechtigung der Reichsstädte 
als solcher, überhaupt auf den Reichstagen zu erscheinen, der all- 
gemeinen Ansicht plausibler und zu einem gvWoLiiLjitsmässigen Rechte 
wurde. Ob und in welchem Masse das geschehen ist, dafür können 
demnach erst die dem Städtekriege folgenden Reichs Versammlungen, 
die jedoch solange Wenzel regiert hat nie in das rechte Geleis ge- 
kommen sind, den Beweis liefern.. 

Wenn wir deshalb auf eine umfassende Untersuchung der einzelnen 
Reichsversammlungen bis zum Nürnberger Tage von 1390 verzichten, 
weil dieselbe ohnedies nur anderweitige gründliche Erörtrungen copieren 
und immer wieder das Stichwort von den zwei sich gleich gegen- 
überstehenden Partein reproducieren müsste, so scheinen doch einige 
Bemerkungen, die unser eigentliches Thema berühren, angebracht. 
Denn trotzdem fast von jeder Versammlung mehr als ein acten- 
mässiger Beweis gebracht werden kann, dass wie gesagt in den 
Verhandlungen und Abmachungen die Städte den Fürsten durchaus 
ebenbürtig an die Seite treten — wohl gemerkt: als Bund, als Partei — 
80 scheint doch das alte normale Verhältniss von der fürstlichen 
ständischen Superiorität, der gegenüber die Städte keine entscheidende 
Stimme haben, immer wieder durch, sobald der Parteigegensatz 
einigermassen in den Hintergrund tritt und eigentliche Reichssachen, 
sozusagen neutraler Art, den Gegenstand der Verhandlungen aus- 
machen, und in diesem Falle ist es von Wert, den Anteil der Städte 
an denselben mit dem der Fürsten zu vergleichen. Freilich haben 
wir meist nur die Resultate der stattgefundenen Transactionen, wie 
sie uns urkundlich erhalten sind. Es ergiebt sich dabei häufig die 



— 60 — 

Beobachtung, die wir an den Einladungsschreiben schon öfters ge- 
macht haben, dass nämlich grade die urkundlichen Formeln, die 
eine Mitwirkung der Städte bei den Beschlüssen deutlich zu bezeugen 
scheinen, wenig zuverlässig sind; gar oft sind blosse Möglichkeiten, 
deren Verwirklichung den Ausstellern der Urkunde allerdings wün- 
schenswert sein mochte, als vollendete Thatsachen bezeichnet, obwohl 
sich das Gegenteil leicht nachweisen lässt. Gern sehen wir uns 
daher nach andern Hülfsmitteln um, die wahre Sachlage zu erkennen. 
Namentlich die Auszüge aus den Stadtrechnungen bieten ein un- 
gemein schätzbares Material, so kurz auch die einzelnen Notizen 
sind. Noch wichtiger sind die Berichtschreiben der städtischen Ab- 
geordneten an ihren Rat, auch hier gewöhnlich Strassburger Pro- 
venienz. Bezeichnender als alles ist es, wenn grade aus ihnen die 
passive Rolle, welche die Städte ausser in Parteiverhandlungen 
spielen, in der Unkenntniss der vom König und den Fürsten oder 
von diesen allein gepflogenen Verhandlungen sich documentiert; wenn 
aus ihnen bisweilen aufs deutlichste zu lesen ist, wie wenig doch 
die engherzige Politik der Städte der Aufgabe gewachsen war, die 
Stelle, die sie neben den Fürsten mit den Waffen zu behaupten 
suchten, auch im diplomatischen Verkehr zu erwerben — nämlich 
durch festes Zusammenhalten über das nächste Bedürfniss hinaus 
sich eine ihrer äussern Machtstellung entsprechende reichsrechtliche 
Geltung zu sichern. Wir werden zu dem Resultate gelangen, dass 
so günstig die Zeiten waren, ihnen ein derartiger planmässiger Ge- 
danke wohl nie beigekommen ist. Wenden wir uns jedoch zur Sache 
selbst. ^ 

Die Wahl un^ Krönung König Wenzels können wir über- 
gehen, so interessant und allgemein wichtig die Bemühungen des 
Kaisers sind, auch die Städte hierfür zu gewinnen, deren eine ganze 
Reihe bereits in einem zu Ulm 1350 abgeschlossenen BündniSs* 
eine gemeinsame Haltung einer etwaigen Neuwahl gegenüber ver- 
abredet hatten Nach einem undatierten Briefe bei Wencker' wären 
die elsässischen und schwäbischen Städte vom König und den Kurfürsten 
nach Frankfurt berufen worden, um ihnen Verhaltungsmassregeln 
wegen des Streites zwischen Ludwig von Meissen und Adolf von 
Nassau zu geben, wo es dann zum Schluss heisst, dass man die 

^ Die Ueberschriften und Regesten eitleren wir im Anschloss an die B, A. 

' B.Ä, I p. 57 Nt. 2; über die erwähnten Bemühungen des Kaisers a. a. 0. 
Nr. 27—37. 

' Apparat. 407 u. daraus in B. A. I, 81, Anm. 1. 



— 61 — 

Städte über die zu treffenden j^bmachungen in Kenntnies setzen 
und die Sache mit ihi*em Rate austragen werde. Freilich ist es 
sehr zweifelhaft, ob der Brief in diese Zeit gehört, ^ auch sollen im 
Grunde genommen die Städte nur' zur Neutralität bewogen werden; 
um ihren Rat hat man sie wohl nie gefragt. 

Der Reichstag zu Rotenburg a. T. im Mai 1377 steht bereits 
unter dem Einfluss des Städtekrieges. Der Zug des Kaisers gegen 
die der Huldigung Wenzels widerstrebenden Städte war vollständig 
vergeblich gewesen. Baiern und Wirtemberg setzten den Kampf 
fort ohüe den Kaiser, der nach Brandenburg geht und an seiner Stelle 
Wenzel als Reichsverweser ^ zurücklässt. Auf dem genannten Tage 
sucht dann der junge König den gestörten Frieden wiederherzu- 
stellen. Dass die Versammlung ein reiner Teidigungstag ist, geht 
aus dem Briefe Wenzels vom 17. Juni 1377 deutlich hervor: * «alz 
nuelichen zu Rotenburg eyne sune und etzliche andin^e teiding 
zwischen . . unserm . . vater und uns unser beider helffern und 
dienern an eyme teile und euch euwern helffern und dienern 
an deia andern begriffen geteidinget und vorbrieffet sein». Ge- 
richtet ist das Schreiben an 18 schwäbische Städte, aus denen 
der Bund jetzt* besteht. Der verabredete Landfriede wird ebenso 
der Situation ganz entsprechend als ein gütliches Uebereinkommen 
bezeichnet:^ «davon sin wir mit wolbedachtem müt und mit gutem 
sunderlichem rate der . . fursten graven herren rittern und knechte 
und unser und des heiligen richs stette gütlich uberain kernen.» 

Ganz derselben Art, wie dieser Tag, ist der Nürnberger vom 
August und September des folgenden Jahres. Der Kampf in 
Sc:hwaben war durch die Rotenburger Zusammenkunft nicht bei- 
gelegt worden: «daher ist eine Hauptsache auf diesem Reichstage 
die Versöhnung iu Schwaben. — Der Eindruck derselben ist im 
ganzen wohl von Ulman Stromer richtig wiedergegeben worden, 
wenn er sagt: und der Krieg ward aller schon verrichtet nach der 
stete willen».^ — In den Landfrieden, die um diese Zeit en*ichtet 
worden sind, ist natürlich auch den Städten eine entsprechende Rolle 
zuerteilt. So nehmen sie Anteil an dem SiebnercoUeg des ober- 

^ Sollte nicht, nebenbei gesagt, die Wendung: «der kunig und die kurftlrsten» 
auch ftlr das Jahr 1881 sprechen? B. A. p. 81 Nt. 1. 

* Nr. 101. Die Formel in der üebertragungsurk. p. 185 Z. 26: «seint wir zu 
rat worden mit ftirsten grafen freien steten» etc. ist eben nur eine Formel. 

» p. 195 Z. 39. 

* V 188 Nt. 1. 

'• Nr. 112 p 1% Z. 32 u. Nr. 113 p. 200 Z. 24*. 
•» p. 205 8ub B. 



— 62 -^ 

rheinischen Landfriedens ; ^ auch zu den sechs Schiedsrichtern, die 
über den fränkisch-bairischen Landfrieden vom 1. September gesetzt 
sind, geben die Städte Nürnberg Windsheim und Weissenburg 
zwei Mann, eine verhältnissmässig grosse Zahl. * Trotzdem lautot 
die Eingangsformel nur:^ «dovon seyn wir mit wohlbedachtem mflt 
und mit gutem besundern rate der . . forsten und herren eins 
gemeinen lantfrids . . überein komen»; freilich könnte man die etwa 
achtzehn Zeilen später folgende Wendung: «und dorzfi mit unserh 
. . steten Nöremberg Windsheim und Weissenburg» als die Fortr 
Setzung jenes Satzes mit dem Prädicat: «fiberein komen» annehmen. 
So heisst es auch in Nr. 122 p. 223 Z. 1, dass Karl den Land- 
fiieden mit Fürsten Herren und Städten in Pranken und Baiern 
gemacht habe. IJebrigens haben wir auch hier nur das Resultat 
der Verhandlungen, keine Nachrichten über diese selbst. Die Rich- 
tung zwischen Herren und Städten* kennzeichnet jedoch den Tei- 
digungstag. 

Ein besonderes Literesse dagegen nimmt der folgende Reichstag 
zu Frankfurt im Februar und März 1379 in Anspruch, der erste, 
den König Wenzel nach dem Tode seines Vaters als alleiniger 
Herrscher gehalten hat. Zwar sah es in den oberdeutschen Gegenden 
bedrohlicher als je aus, und die Städte erwarteten den Angriff der 
Fürsten, denen sich der König zuzuwenden scheint;^ aber es ist 
diesmal nicht die Hauptaufgabe des Königs, zwischen beiden Partein 
zu vermitteln, es sind vielmehr allgemeinere Angelegenheiten, 
besonders das Schisma, die ihn und die Versammlung beschäftigen. 
Das Bestreben Wenzels für seinen mit den vier rheinischen Kui'fürslen 
zu Gunsten Urbans VI. geschlossenen Bund auch die Städte zu 
gewinnen, scheint erfolglos geblieben zu sein, wohl deshalb, weil 
jenen nicht als Gegenleistung für die Anerkennung ürbans die 
Anerkennung ihres Bundes zugestanden werden mochte. * 

Wir haben drei Einladungsschreiben Wenzels an Strassburg 
(Nr. 126 — 128), worin er die Stadt zur Beschickung eines Tages erst 
nach Nüru'berg, wo eine Vorversammlung stattgefunden hat, dann nach 
Frankfurt einladet. Bereits in der Anzeige vom Tode seines Vaters 
(Nr. 125) spricht er seine Absicht aus, bald ins Reich «hinaus zu 

^ Nr. 116 Art. 6. Lindnei- p. 69 u. 70. 

2 Nr. 121 Art. 5. Ldndner p. 70. 

3 p. 216 Z. 24. 

* Nr. 119 p. 214 Z. 1 u. Z. 9 u. 10. 

^ Nr. 141. 

« p. 288 sub E, 



;li;- 



— 63 — 

Deutschen landen» kommen zu wollen, wb er dann die Angelegen- 
heiten desselben «mit der fursten herren und stete des richs rate 
bestellen» wolle. In dem Einladungschteiben Nr. 126 lautet der 
Eingang ähnlich; «zu bestellen in dem . . reiche friede und gemach . . 
noch ewirm und andeni unsern und des reichs fursten edelen und 
getrewin rate» ; ebenso in Nr. 127. In Nr. 128, womit er die Stadt 
zu dem von Nürnberg nach Frankfurt auf den 13. Februar verlegten 
Tag beruft, heisst es betreffs dieser Verlegung: «also seint wir zu 
rate worden und ubirkomen nach rate der kurfursten fursten und stete 
des reichs eynes nemlichen tages zu sein zu Franckemfurte, . , . 
dohyn euch zu uns kumen werden die kurfursten fursten geistliche 
und wertliche graven herren und stete des reichs. » Die Vermutung, ^ 
dass jenes : «nach rate . « und stette des reichs» blosse Formel sei, 
ist sicher richtig. Von einer Teilnahme der Städte an den Be- 
ratungen des Tages, ^ von denen freilich auch hier nicht viel mehr 
als die Resultate bekannt sind, erfahren wir nichts. Auch die beiden 
Urkunden Nr. 128 und 130, worin (einmal deutsch, dann lateinisch) 
König Wenzel im Verein mit genannten Kurfürsten sich für Urban VI. 
und gegen den Widerpapst Clemens VII. erklärt, legen Zeugniss 
davon ab, wie wenig auf derartige Formeln zu geben ist. Obwohl 
nur der König und die Kurfürsten die Erklärung ausstellen, wobei 
sie allerdings den Beitritt anderer Reichsglieder wünschen, geben 
sie sich doch den Anschein, als ob dies bereits, eine vollzogene 
Thatsache sei. So spricht der zweimalige Passus in der Einleitung 
der beiden Urkunden * von einer solchen, dass nämlich Kaiser Kai'l 
und nach seinem Tode König Wenzel mitsamt Kurfürsten Fürsten 
und Reichsstädten Urban VI. für den allein rechtmässigen Papst 
anerkannt hätten und noch anerkennen. Das ist aber durchaus 
falsch.* Eine Erklärung dieses Widerspruchs kann man nur darin 
finden, dass der König und die Kurfürsten, indem sie für Urban 
entscheiden, diese ihre Entscheidung wenigstens principiell auch für 
die andern Reichsstände, so nameijtlich für die Städte, rechtlich 
verbindlich halten. Diese haben rechtlich nur zu gehorsamen. Das 
deutet der Schluss der Mainzer Beitrittsurkunde an (Nr. 132), die 
freilich nur Entwurf ist und von der wir nicht wissen, ob sie 
von fürstlicher oder städtischer Seite herrührt: «. . und daz wir 



' p. 227 Z. 5. 

* Cf. über denselben Lindner p. 93 ff. 
' p. 233 Z. 44 und p. 234 Z. 5. 

♦ Cf. namentlich p. 258 sub B u. Nt. 1 p. 241 ff. 



1 



— 64 — 

(i. 0. Mainz) unserm genadigem herren dem Romischen kAnig und 
den vorgenanten kurfflrsten gelobt han und auch geloben, . . alle 
die vorgeschriben pundo und artikele . . zn halten . .» Beachtenswert 
ist ferner der Brief des Erzbischofs Friedrich v. Köln an die Stadt 
liüttich (Nr. 142), in welchem er von dem Reichstage berichtet 
und für Urban wirbt: «Noveritis quod nuper . . Wenceslaus 
Romauorum rex . , cum multis sacri imperii electoribus aliisque 
principibus tam ecclesiasticis quam saecularibus comitibus et baronibus, 
nobis etiam pi*esentibus, in oppido Frankofurdiensi convenit ibique 
comm ipso domino nostro rege Romanorum, assistentibus sibi tarn 
electoribus quam aliis principibus comitibusque antedictis caeterorum- 
que nobilium hominum multitudine copiosa praesente, demonstratam 
exstitit manifeste ac solis splendore clarius est deductum» : dass Urban 
der rechte Papst sei. Der Erzbischof war selbst in Prankfurt, er- 
wähnt aber die Städte, deren Anwesenheit er sicher kannte, gar 
nicht; scheint sie demnach als nicht zugehörig zu dem csoUempne 
regis concilium» ^ zu' rechnen. Aus Nr. 141, einem Briefe Ulms an 
Nördlingen, ersieht man dem bisher Bemerkten entsprechend, dass 
wenigstens die schwäbischen Städte nur ihrer eignen Sache wegen, 
um nämlich die Bestätigung ihres Bundes durchzusetzen, den Frank- 
furter Tag beschickt hatten. Die Boten, die wie es scheint nur von 
Ulm allein, aber im Namen des Bundes abgesandt waren, wenden 
sich an den König mit ihrem Anliegen; alles andre geht sie direkt 
nichts an. Sie erhalten keinen Bescheid: Der König nimmt ein 
Bedenken, nur er. Es ist gleichsam eine Privatangelegenheit, wegen 
der sie gekommen sind ; von einer Teilnahme an Reichstagshand- 
lungen findet sich keine Spur. Auch nur indirekt, durch Vermittlung 
guter Freunde, erfahren die Städteboten etwas von den Gegen- 
bemühungen der Fürsten. Mit diesen selbst haben sie nichts zu 
schaffen; sie sind offenbar, wenn man von der Betreibung ihrer 
Privatsachen absieht, nur passive Teilnehmer des Hoftages, sowie 
auch früher. Wir heben im Zusammenhange hiermit noch eine 
Aufzeichnung der Frankfurter Kostenrechnung hervor. In Artikel 
3 derselben, p. 255 Z. 15 ist von einer Ausgabe die Rede bei der 
Gelegenheit: <dü unser herre der konig unde die fursten hie waren.» 
Wer auch immer der betreffende Schreiber war, jedenfalls war er 



* p. 253 Z. 27. Wir bemerken hier noch die wörtlichen Anklltnge an die 
WeisiUmerformeln der Hoftnge, wie dos «assistentibas», «demonstratiim exsUtit», 
«dednctum fuit». Wir werden nicht finden, dass ein Teidigiingstag als «sollenipue 
regis consiliain> bezeichnet wird. 



— 65 — 

ein Frankfurter und wusste, dass auch die Städte auf dem Tage 
verti'et^n waren. Und dennoch sagt er — man denke an Nr. 142 — : 
«als der König und die fürsten hier waren», öfters: «als der König 
hier war. » Es sind diese Wendungen im folgenden sorgfältig zu 
verfolgen ; sie werden besser als alles andre unsre Ansicht als überein- 
stimmend mit der damaligen zeitgenössischen bestätigen, dass nämlich, 
sobald wir es mit einem wirklichen Hoftage, nicht mit einem Teidigungs- 
tage zu thun haben, sofort das normale Verhältniss, wie es bisher 
war, zum Vorschein kommt, indem seitens des Königs und der Fürsten 
den Städten durchaus keine verfassungsmässige Teilnahme an ihren 
Verhandlungen gestattet wird. Zum Reichstag gehören, wie offenbar 
auch der Schreiber meint, die Städte somit eigentlich nicht. 

Auf dem folgenden Reichstage in Frankfurt vom September 1379 
war die kirchliche Frage gleichfalls die Hauptangelegenheit. ^ Das 
Ausschreiben des Königs an Basel und Strassburg (Nr. 144) enthält 
die Aufforderung, den von ihm mit «den Kurfürsten und andern 
Fürsten» nach Frankfurt in Sachen ürbans VI. angesetzten Tag 
durch zwei oder drei Ratsboten mit voller Gewalt zu beschicken «zu 
rate und zu helfen zu den egenanten sachen.» Unsere Nachrichten 
sind ziemlich dürftig. Die Beitrittserklärung des Bischofs von Wirz- 
burg zum ürbansbunde (Nr. 147) spricht nur von einem Ueberein- 
kommen dieserhalb zwischen dem König und den Kurfürsten. * 
Wichtiger ist das Schreiben Ruprechts I. an König Karl V. von 
Frankreich (Nr. 149), in welchem er von den beiden Reichstagen zu 
Frankfurt im Februar und September, deren Beschlüssen er folgt, 
berichtet und die Hoffnung ausspricht, dass Karl gleichfalls noch 
diese Partei ergreifen werde. Die betreffende Stelle lautet: «Et quia 
nunc clare et multifarie informati sumus tam in parlamentis regalibus 
in quadragesima proxima praeterita et nuper de mense septembris 
cum principibus electoribus et aliis principibus ecclesiasticis et seculari- 
bus, in Sacra pagina et in utroque jure peritis viris et civitatibus in 
iiumero excessivo ibidem congregatis, solemniter habitis, ubi luce 
clarius deductum fuit»: dass Urban der rechte Papst sei. Wir er- 
innern uns hierbei sogleich an Nr. 142. — Was die zuletzt an- 
geführte Stelle der Nr. 149 betrifft, so ist darin ein Unterschied 
von Nr. 142 zu bemerken. In dieser wurden die Städte gar nicht 
erwähnt, vielleicht sind sie unter der multitudo copiosa miteinbe- 

' S. d. Einleitung dieses Tages in R. A. 257. — Lindner l p. 108 ff. 

* lieber einzelne Wendungen der unter Nr. 145 u. 146 angeführten ürk. cf. 
p. 258 Bub B ; dahin gehOrt auch die Stelle der Nr. 162 p. 266 Z. 23 ff. 



— 66 ~ 

griffen. Dagegen wird in Nr. 149 ihrer Anwesenheit auf beiden 
Versammlungen gedacht. Aber besieht man sich die Sache genauer, 
so scheint doch auch hier zwischen den bloss Anwesenden und den 
eigentlichen Teilnehmern des parlamentum ein Unterschied gemacht 
zu worden, ebenso wie dies bei Constituierung der Gesetze der G. B.* 
oben geschah. Wir gehn gewiss nicht zu weit, wenn wir die wirk- 
liche Sachlage herauslesen: dass nämlich die beiden parlameuta 
generalia eigentlich nur vom König und von geistlichen und welt- 
lichen Fürsten gehalten (habita) worden sind, während ein Zwischen- 
satz sagt: «indem auch Rechtskundige Herren und Städte in grosser 
Zahl versammelt waren». Ebenso wird in Nr. 142 zwischen den 
assistentes und den übrigen presentes deutlich unterschieden.* Wir 
ziehn gleich noch den folgenden Reichstag zu Frankfui-t vom April 
1380, auf dem ebenfalls das Schisma die Hauptsache war, sowie 
auch den im Januar und Februar 1381 in Nürnberg gehaltenen Tag 
hier mit hinzu. Besonders wichtig sind von letzterem die wegen 
jener Angelegenheit an Strassburg gerichteten Briefe König Wenzels 
(Nr. 163 und 164), die beide vom 4. Februar datiert sind, so dass 
die gleichen Ausdrücke, die wir hervorzuheben haben, erklärlich 
sind» Man erfährt daraus, dass Wenzel die vorhergegangenen Frank* 
furter Versammlungen (man kann das wohl auf alle drei beziehen) 
gleichfalls nur sozusagen für königliche Fürstentage gehalten hat, 
wenigstens was die auf ihnen gefassten Beschlüsse in der Papstfrage 
anbelangt. In Nr. 163^ sagt er: «wand wir nu langest mit des 
reichs und andern cristenlichen fursten überkomen sind genczlich» : 
dasz Urban rechtmässiger Papst sei u. s. w. — Von den Anhängern 
des Widerpapsto§ wird erklärt,* dass sie sich «wider unser und des 
reiches fursten ordenunge» halten. In Nr. 164 gedenkt Wenzel des 
Urbansbundes mit den ein wenig abweichenden Worten : ^ «wann ir 
wol wissend, wi wir mitsampt den kurfursten und andern cristen- 
lichen fursten czu Franckenfurt überkomen sint und ir uns und dorn 
reiche daryon verbunden sint.» Diese letzten Worte sagen klar und 
deutlich, dass die Städte den königlich-kurfürstlichen Beschlüssen 
nachzukommen verpflichtet sind. 



* S. o. p. 45. 

^ Gf. auch Nr. 226 p. 410 Z. 22 ff. Dass der Nuntius in seinem Bericht über 
den Reichstag (Nr. 150) nur: «omnes prelati et barones Alamanie» als gegenwärtig 
bei demselben anfllhrt, hat nichts zu bedeuten. 

=* p. 288 Z. 18. 

* A. a. 0. Z. 24. 

* p. 284 Z. 37. 



— 67 — 

In der That haben wir es hier — von den beiden Frankfurter 
Tagen im Februar und März und im September 1379 ist dies ganz 
sicher — mit Hoftagen im eigentlichen Sinne zu thun und es ist 
das um so mehr zu betonen, als dieser Fall sich unter den vielen 
Vorsammlungen bis 1400 kaum noch einmal so deutlich uns ent- 
gegenstellt Dem entsprechend zeigte sich, dass die Stellung der 
Städte auf diesem Tage durchaus eine normale war, indem sie ledig- 
lich als passive Teilnehmer figurierten und von den Verhandlungen 
und Beschlüssen durchaus ausgeschlossen waren. Die Anerkennung 
Urbans wird vom König und den Kurfüi'Sten respektive den Fürsten 
den Städten als vollendete Thatsache, als Reichsgesetz entgegenge- 
halten, an dem sie nichts zu ändern haben; es kommt nur auf ihren 
Beitritt an, der aber ihre Pflicht und Schuldigkeit ist. ^ 

Man darf nicht einwenden, dass das an der zurückhaltenden 
Stellung lag, die die Städte von Anfang an in der Sache beobach- 
teten. Im Gegenteil hätte ihre auf den Bund gestützte Bedeutung 
erst recht, wenn irgend etwas veranlassen müssen, sie ihre Meinung 
von vornherein hören zu lassen und dieselbe zu beachten. Aber 
das war weder Herkommen noch als Neuerung den beschliessenden 
Faktoren erwünscht. Dass natürlich allerlei nachträgliche Verhand- 
lungen stattgefunden haben, um auf gütlichem Wege die Städte, 
die man nun einmal nicht zwingen konnte, zum Anschluss an den 
Bund für Urban VI. zu bewegen, lässt sich leicht zeigen. Nament- 
lich Nr. 15«) bezeugt dies, ein vom 11. Januar 1380 datiertes und 
an Mainz gerichtetes Schreiben des Erzbischofs von Trier. An 
demselben Tage hatte sich dieser mit Kurköln und Kurpfalz zu 
einem Bündniss zu Gunsten Urbans in Wesel verbunden. Der 
Anfang des Briefes ergiebt, dass zu den Kurfürstentagen in Kaub 
und Wesel auch Städte ihre Boten geschickt hatten, ausser Mainz 
und Frankfurt vielleicht noch andre. Dort haben Unterhandlungen 
stattgefunden, bei denen die Städte, wie es von jetzt ab häufiger 
geschieht, verlangt hatten, dass ihnen die Kurfürsten «ihre Meinung 
gänzlich schreiben» sollten. Jetzt fordert nun der Trierer Erzbischof 
die Mainzer auf, jenem Bündniss von Wesel beizutreten; sie sollen 
ihren Entschluss dem Pfalzgrafen Ruprecht dem Jüngern mitteilen. 
— ' Kurz, es sind Verhandlungen, die nachdem bereits die Aner- 
kennung Urbans reichsgesetzlich festgestellt ist, nachträglich wegen 



^ Cf. hierüber Meyer in den Forsch, z.d. Qesch. Bd. XVT, p.36dff. ; nament- 
lich die dort edierte Urk. 



— 68 - 

des Beitrittes, besser wegen der Oeborsamleistung der Städte statt- 
finden. — Auch bei Berufung der Städte zu dem auf 15. April 
1380 nach Frankfurt angesetzten Tage verfolgte der König keinen 
andern Zweck. Von den zwei erhaltenen, beidemal an Strassburg 
gerichteten Einladungsschreiben (Nr. 154 und 155) ist letzteres sehr 
kurz und bef ehlerisch : «Manen wir uch noch, das ir uf den tag der 
von uns und den kurfursten gen Frankeufurt gelegt ist . . doselbist 
zu Frankenfurt bey uns seyt, wenn wir mit der kurfursten rat do 
austragen wollen, was dem reiche uucze und notdurftig sey furzu- 
keren » — Die viel versprechenden Wendungen fehlen also diesmal. 
Aus Nr. 157 erfahren wir, dass die Bemühungen des Königs einigen 
Erfolg hatten. Ausser Worms und Strassburg, von welchen es 
sicher ist, haben vielleicht noch andre Städte um die Zeit des 
Frankfurter Apriltages sich für Urban erklärt. 

Von dem nächstfolgenden Nürnberger Reichstage im Januar 
und Februar 1381 haben wir das Wichtigste, die beiden Schreibon 
Wenzels an Strassburg: Nr. 163 und 164 schon besprochen. Zu 
erwähnen ist noch, dass unter den Schiedsrichtern über den Streit 
zwischen dem jetzt zu Urban übergetretenen Adolf von Nassau, als 
Bischof von Speier, und Pfalzgraf Ruprecht I. neben Fürsten auch 
die Städte Worms Speier und Mainz, wohl durch Wahl der beiden 
Teile, sich befinden. Von Interesse ist der Bericht über den Tag 
(Nr. 175), den Mainz an Frankfurt sendet und der mit der Ent- 
stehung des rheinischen Städtebundes vom 20. März 1381 eng vor- 
knüpft ist. ^ Es heisst darin: «uns hant unsere frunde gesagit die 
nuwelingen bi . . dßm . . konige zu Norenburg (auf dem Tage vom 
Januar und Februar) gewest sint, das der von Straßburg von 
Wormuß von Spiro und auch des richs stete zu Elsaß frunde die 
auch daselbis waren und sie, da auch uwere frunde ezlichir maße 
bigewest sin, soliche rede und tedinge zu Noremberg gehord und 
virnomen habin von etwievil geselscheften die sich zu einandir 
machent und virbinden» etc. Wie und welcher Art die berührten 
Verhandlungen gewesen sind, kann man bei den unbestimmten 
Ausdrücken nicht erkennen. Jedenfalls erfahren die Städte nur 
indirekt, was vorgekommen war. — Es bleibt noch einiges aus den 
Stadtrechnungen zu bemerken übrig. In den Frankfurter Auf- 
zeichnungen Nr. 177 Art. 1 heisst es mit Beziehung auf den 
Nürnberger Tag: «also unser herre der konig da laig» und ent- 



» Cf. E. A. p. 282 sub E. Lindner I p. 139 ff. 



— 69 — 

sprechend in den Nürnberger Kostenaufzeichnungen Nr. 178 Art. 1 : 
<do unser herre der kunig hie was» j gleich darauf: cdo die 
fursten alle bey dem lantfried uf dem hawse waren»; ^ femer: 
«do unser herre der kunig und die herren alle hie waren» ; 
Art. 2: cdo die herren hie waren zfl dem hof»;* Art. 3: «item 
ez kost daz schenken mit wein, do unser herre der kunig hie 
waz, daz man herren und steten tet.» — Trotzdem Städteboten 
anwesend sind, haben wir noch nicht die "Wendung gefunden: 
«als der König, die Fürsten (resp. Herrn) und die Städte hier 
waren.» Wir kommen noch öfters hierauf zu sprechen. 

Während auf den zuletzt besprochenen Versammlungen die 
Partein als solche in den Hintergrand und weniger scharf einander 
gegenübertreten, so dass man von eigentlichen Teidigungstagen nicht 
sprechen konnte, ja im Gegenteil die Aehnlichkeit mit dem ehe- 
maligen curiae regis bei einigen derselben deutlich zu Tage lag, so 
tritt mit dem nächsten Reichstag in Frankfurt im September 1381 
der Landfriede zusammen mit den Vermittlungsversuchen des Königs 
wieder in den Vordergrund und zwar dauert dies bis Januar 1389, 
wo endlich auf dem Beichstag zu Eger ein Uebergang zu friedlichem 
Verhältnissen angebahnt wurde 

Es hätte wenig Zweck, die oben gemachten allgemeinen Be- 
merkungen über das Wesen und die Art der in dieser Zeit ge- 
haltenen Versammlungen nun im Einzelnen an jedem Tage auszu- 
führen, was nur langweilige Wiederholungen zur Folge haben würde. 
Wir erledigen dieselben deshalb in möglichster Kürze. 

Einigermassen lehrreich sind, zunächst die Landfriedensver- 
handlungen vom Frankfurter Beichstag im September 1381. Es 
handelt sich hier um die beiden Actenstücke Nr. 180 und 181, deren 
gegenseitiges Verhältniss Weizsaecker festgestellt hat.^ Zwischen 
beiden besteht ein deutlicher G-egensatz, insofern als letzterer 
Entwurf «sehr städtisch» ist, während Nr. 180 den Standpunkt der 
Fürstenpartei vertritt; er ist jedenfalls wohl das Besultat der Frank- 
furter Verhandlungen zwischen König und Fürsten. Ihm gegen- 
über stellen ihrerseits die Städte einen Gegenentwurf auf: Nr. 181, 
in dem alle in Nr. 180 enthaltenen städtefeindlichen und demgemäss 



^ Spricht das gegen eine Beteiligung der Städte an den Landfriedensverhand- 
lungen? 

' Bezieht sich das auf den gleich darauf erwähnten «Hof» des Burggrafen 
V. Nürnberg? 

' B. Ä. p. 311 sub B; cf. Lindner I p. 149 u. 150 u. Anm. 1. 



— 70 — 

fürstenfreundlichen Bestimmungen weggefallen sind, während nament- 
lich das von den Städten angestrebte Ziel, Anerkennung ihres 
Bundes, ausdrücklich vorgesehen ist. ^ Es ist nun nicht ganz leicht, 
die Zeit dieses städtischen Gegenentwurfes zu bestimmen; während 
ihn Weizsaecker zuerst auf den Frankfurter Tag, also als direkte 
Antwort auf Nr. 180 ansetzt, meint er etwas weiter unten,* dass 
derselbe vielleicht doch erst später entstanden sein möge. 

In den Stadtrechnuugen und auch sonst ist ziemlich oft von 
einer «Antwort», einer «Notol», die man dem König und den 
Fürsten übeiTeichen wolle, die Bede und zwar zeitlich verschieden. 
Man erfährt, dass die Städte öfters über ihre Stellungnahme zu dem 
königlich-fürstlichen Landfriedensprojecte beraten haben und man 
möchte unter der «Antwort» etc. sich immer unsere Nr. 181 denken. 
Für uns ist es jedoch im Grunde gleichgültig, ob der städtische 
Gegenentwurf noch auf den Frankfurter Tcjg oder in eine etwas 
spätere Zeit gehört, wenn nur das genannte Verhältniss zwischen 
ihm und Nr. 180 bestehen bleibt, und das ist jedenfalls nicht um- 
zustossen. Dann ist nicht zu leugnen, falls es sich nicht von selbst 
versteht, dass wiederum den Städten nicht von vornherein Anteil 
an den Landfriedensberatungen zugestanden wird, wodurch man 
(loch am einfachsten eine Verständigung hätte herbeiführen können; 
sondern der König und die Fürsten ergreifen auch hier wieder die 
Initiative, indem sie in Nr. 180 einen Landfrieden ohne jedes Zu- 
thun der Städte entwerfen. Diese mögen denselben annehmen 
oder verwerfen. Nach vielfachen aber erst nachträglichen noch in 
Frankfurt geführten Verhandlungen, die aber vergeblich sind, weil 
man den Bund der Städte nicht anerkennen will, fordert hier der 
König Mainz Worms Speier und Strassburg, für die der Entwurf 
Nr. 180, natürlich ohne sie vorher zu fragen, «mitbestimmt» war, 
auf, ihm in Nürnberg im Oktober Bescheid zu geben, ob sie dem 
Landfrieden beitreten wollen oder nicht. — Der Bericht ^ über den 
königlichen Städtetag, der an dem bestimmten Orte im Oktober 
stattfand, lässt erkennen, wie trotz aller Bemühungen des Burg- 
grafen von Nürnberg, der im Namen des Königs mit den 
Städten — man sieht nicht, wie vielen — unterhandelt, von diesen 
aus dem angegebenen Grunde der Beitritt verweigert wurde. So 
viel man aber auch verhandeln mochte, das ist sicher richtig, dass 

* in Art. 15. 

2 p. 353 Nt. 1. 

^ Nr. 184. Lindner p. 151. 



— 71 — 

die Städte von vomlierein in die Defensive gedrängt waren, und 
diese Situation ist in Art. 1 von Nr. 187 klar gekennzeichnet, 
wenn es mit Bezug auf städtische Beratungen in Speier heisst: 
€eine entwerte zue tfine . . dem konige uf den begriff, den die 
fursten begriffin hatten umb eine einunge zusehen den fursten 
unde den stede.» 

Das Landfriedensgesetz des folgenden Reichstages zu Frank- 
furt im Juni und Juli 1382 ergiebt dieselbe Sachlage ; er wurde 
ohne die Städte geschlossen. ^ Gleichwohl war derselbe für die 
wetterauischen "Wetzlar und Friedberg, sowie für einige elsäs- 
sische mitbestimmt: «in welchen friden wir genomen han und 
nemen unser und des heiligen riches stete, mit namen» etc. 
Wenn auch diese Aufnahme eine einseitige war, da die Auf- 
genommenen, wie die Sache nun einmal lag, erst damit einver- 
standen sein mussten, es aber thatsächlich nicht waren, so er- 
giebt sich doch daraus, dass der König und die Kurfürsten sich 
das Recht vindicierten, den Eintritt der Städte zu verlangen. 
In Nr. 192 befiehlt Wenzel den drei wetterauischen Städten in 
sehr ernsthaften Worten, dem Landfrieden beizutreten: «wir 
heißen unde gebieten uch ernstlich und vesteclich bei unsem 
und des richs huldin, daz ir solichen gemeinen friden, den wir 
mit den kurfursten gemäht han, darinne wir uoh zu uns ge- 
nomen haben zu hulden, sweren und geloben sollent» etc. — 
Dieser drohende Befehl verfehlte allerdings seine Wirkung ; jene 
drei Städte traten schliesslich zum rheinischen Bunde über. ^ 
In den Stadtrechnungen, aus denen man sieht, wie eifrig 
städtischerseits beraten und auch mit den Fürsten unterhandelt 
wurde, findet sich zum ersten Male (Nr. 200, Art. 6 a) der Aus- 
druck: talse . . der kuneg die fursten herren und stede hie 
waren» ; gleich darauf dasselbe nochmals in Art. 7 und 8a. — 
In 8b dagegen wieder: calse der kuneg und die fursten hie 
waren» u. s. w. ' So auffallend diese Verschiedenheiten sind, 
so leicht sind sie doch zu erklären. Zeichnet der betreffende 
Schreiber anf : cals der König hier war», oder: «als der König 



' Nr. 191 p. 888 Z. 12. Die Berufungsschreiben an Strassburg bieten nichts 
Neues; in dem zweiten verlangt der König, dass der Bat Boten nach Frankfurt 
schicke, «durch etlicher sacken willen, die wir mit yn zu reden haben. > 

* R, Ä. p. 332 oben« Lindner I p. 160. 

' in demselben Art. 8b, ebenso in 9 u. 12: «alz der kunig hie waz>; Art. 12: 
«als d. K. unde die fursten h. w». 



— 72 — 

und die Fürsten hier waren», so kommt es ihm das erste Mal 
wesentlich auf den König, das zweite Mal auf diesen und die Fürsten 
als die Hauptpersonen der Versammlung an. Das Übergehen der 
Städte in diesen Wendungen, trotzdem sie vertreten waren, zeigt, 
dass der zeitgenössische Schreiber sie nicht zu den integrierenden 
Teilen des Reichstags rechnet. Man würde daher aus dem immer 
häufigeren Auftreten der Notiz : ^ «als der König die Fürsten und 
die Städte hier waren» den sicheren und interessanten Schluss ziehen 
dürfen, dass die ursprüngliche Anschauung mit der Zeit in die 
Meinung überging, dass auch die Städte von rechtswegen zu den 
Reichsversammlungen gehören, so gut wie die Fürsten. 

Ueber den folgenden Reichstag zu Nürnberg im Februar 
und März 1383 — die königliehen Städtetage besprechen wir 
im Zusammenhange — genügen wenige Worte. Der König 
wendet sich ganz von den Städten ab und verbindet sich ein- 
seitig mit den Herren. Der Landfriede vom 11. März, Nr. 206, 
ist «faktisch ein unter dem Protektorate des Königs errichteter 
Herrenbund». ^ Als solcher wird er durchweg in den Beitritts- 
erklärungen der einzelnen Herren bezeichnet. Nur Herzog 
Leopold von Oesterreich in seiner Aufnahmeurkunde für Basel 
drückt sich so aus, als ob auch die Städte bereits im Bunde 
wären. ^ Dagegen sagt er in einem Schreiben an die Trevisaner 
von dem noch bevorstehenden Tage : «quod . . rex Rom. et alii 
principes ab hodie per octo dies habebunt in Nuremberga 
terminum placitorum».'* Auch in zwei andern Schreiben an die 
Trevisaner nennt er die Städte unter den am Reichstag Teil- 
nehmenden gar nicht. (Nr. 219 und 220). 

"Wir führen nach einzelnes aus der Nürnberger Stadt- 
rechnung Nr. 221 an; Art. 1: «do der kunig und die grozz 
herschaft hie waz» ; Art. 2: «item propin. den kurffirsten und 
andern ffirston grafen herren und steten, die dezselben mols hie 
waren». Es ist das nicht dasselbe, wie: «als die kurffirsten etc. 
und stete hie waren». Doch kommt es darauf nicht viel an. Art. 3: 
«do die herrschaft hie waz»; in Nr. 222 Art. 3 sind die Kosten für 
die Frankfurter Boten verzeichnet, die nach Nürnberg geschickt 
wurden: «also der konig die fursten herreu und stete dar virbodet 

^ was jedoch bis Ende des 14. Jahrhunderts nicht der Fall ist. 

* Cf. p. 375 Nt. 1 extr. und Einleitung p. 362 sub B. — Lindner I p. 176. 
« p. 379 Z. 3. 

* p. 366 Nt. 2. 



— 73 — 

hatte and sich die fursten zue ein virbonden». Wir wissen also 
weiter nichts von der Versammlung, als dass auch die Städte an- 
wesend waren und der Situation entsprechend eine passive Rolle 
spielten; der Landfriede wird ohne sie geschlossen. 

Der zweite Reichstag zu Nürnberg im September und October 
1 382 war zwar auch von Städten besucht, ^ doch ist unsere Ausbeute 
auch hier sehr gering. Nur der Bericht der Strassburger Gesandten 
(Nr. 232) erwähnt Verhandlungen, die zwischen Herren und Städten 
stattgefunden haben. Man hatte nämlich noch vor der Ankunft des 
Königs einen vorberatenden Ausschuss, vier von den Hennen und 
vier von den Städten, niedergesetzt: die ctedingent alle tage und 
snchent obe man die Sachen übertragen künne, umb daß, so der 
kunig kernet, daß man desto nehe den Sachen si zu übertragende». 
Es sind also Vermittlungsversuche wohl wegen einzelner gegen- 
seitiger Beschwerden. ^ — Nr. 233 deutet vielleicht auf geheime 
Verhandlungen und Besprechungen des Königs mit den Fürsten ohne 
die Städte. Es wird hier städtiseherseits die Vermutung aus- 
gesprochen, dass das Vorhaben des Königs betreffs der Juden «mit 
der fursten wort und heiße gescheen si». Charakteristisch ist wieder 
Art. 4 der Nürnberger Kosten; es sind hier die städtischen Aus- 
gaben für den Boten verzeichnet, der dem König entgegenreitet: 
«do sein die herren hie warten». Etwas später steht: <do der kunig 
und die herren alle hie waren»; Art. 5: «item ez kost die schenk, 
die man herren und steten tet, do unser herre uf die egenante zeit 
hie waz».^ Dagegen in dem Kosten verzeichniss dei' Stadt Roten- 
burg Nr. 235 Art. 1 heisst es wohl mit Beziehung auf den 
Nürnberger Tag:^ «do der kunik und die fursten und der bunt zu 
Nflrenberg laken» ; also der «Bund» der Städte; das ist wohl zu 
beachten. 

Die nun folgenden Versammlungen bis zum Egerer Reichstag 
haben mit wenigen Ausnahmen, auf die wir noch zu sprechen 
kommen, wesentlich den Zweck, dem Kriegszustande ein Ende zu 
machen. Die hierfür unerlässliche Vorbedingung ist, eine Aus- 
gleichung, «eine Richtung» zwischen Herren und Städten herbei- 
zuführen. Daher finden wir an diesen Versammlungen am reinsten 
den Teidigungscharakter ausgeprägt. Schon äusserlicb ist dies der 

' Nr. 282, 234, 235 

* Einleitung p. 397 sab C. Limher l p. 81Q— 212, 
' p. 420 Nt. 1. 

* A, a. 0, Nt, a. 



— 74 — 

Fall bei den zahlreichen Doppelversammlungen. An dem einen 
Orte kommen die Städte zusammen, am andern nahegelegenen die 
Fürsten, «wie um auch schon durch diese örtliche Trennung an* 
zudeuten, wieweit man innerlich noch von einander entfernt war».* 
Zwischen beiden Plätzen wird durch dritte, gleichsam unparteiische 
Personen, meist durch den König und seine Räte vermittelt. Es 
versteht sich dabei Von selbst, dass die Städtepartei, wie der treffende 
Ausdruck lautet, als «gleichberechtigter Oontrahent» neben der der 
Fürsten erscheint. So ist es in der Heidelberger Stallung vom 26. Juli 
1384; als «Einung zwischen Fürsten und Städten» wird dieselbe in 
den Stadtrechnungen Nr. 242 und 243 bezeichnet. Ganz ähnlich 
verhält es sich mit dem Nürnberger Tage von 1387, der den durcb 
die Heidelberger Stellung nicht dauernd erreichten Zweck, Städte 
und Herren in einem Bunde zusammenzufahren, wieder aufnimmt. 
In Nördlingen halten - die ersteren, in Forchheim die Fürsten und 
Herren eine Vorversammlung, beide erscheinen darauf in grosser 
Zahl in Nürnberg. Die hier getroffenen Verabredungen sind sozu- 
sagen privater Art; so Art. 311 und 312, betreffend die Erledigung 
von Streitigkeiten namentlich zwischen den Städten und Wirtem- 
berg, ferner das Abkommen, dass die Heidelberger Stallung bis zu 
Ende ihres Termins, bis Pfingsten 1388 fortgelten soll (Nr. 312, Art. 7). 

Verhandlungen derselben Gattung bilden auch den Gegenstand 
des Mergentheimer Tages vom October und November 1887, und 
die neuen Vereinbarungen werden als eine «Erlangung» der Heidel- 
berger üebereinkunft angesehen. — Aber erst der Egerer Tag von 
1389 mit den vorhergehenden kön. Friedenstagen beschliesst die 
E.eihe der Teidigungsversammlungen, indem er selbst aus einer 
solchen sich plötzlich in einen Reichstag verwandelt. Ehe wir jedoch 
hierauf eingehen, bleibt uns noch einiges über die königlichen 
Städtetage nachzuholen. 

Wie in der Geschichte der deutschen Reichsverfassung über- 
haupt, so ist auch in der von uns erörterten Frage das Gewohnheits- 
recht von der grössten Wichtigkeit; denn aus ihm allein entwickelte 
sich ja die städtische Reichsstandschaft. Schon deswegen wird man 
den königlichen Städtetagen eine gewisse Bedeutung nicht absprechen 
können, da sie gewissermassen eine praktische Anerkennung der 
Thatsache von Seiten des Königs documontierten, dass di(; Reichs- 
regierung bei ihrem Walten der Städte nicht ganz entraten könne. 

» JB. Ä. II p. X. 



— 75 — 

Die Analogie zu den Reichstagen dieser Zeit, die eigentlich nur 
königliche Fürstentage waren, liegt nahe; wie hier mit den Fürsten, 
so versammelt sich dort der König mit den Städten. Der Gedanke 
ist jedenfalls ansprechend, dass bei dem noch unausgebildeten Parla- 
mentarismus unserer Zeit und der ungewissen reichsrechtlichen Halb- 
stellung der Städte auf den Reichsversammlungen die königlichen 
Städtetage diesen Mangel auszufüllen geeignet waren. Geeignet gewiss, 
aber nicht dazu bestimmt. Denn dann müsste man annähernd 
wenigstens den Beweis liefern, dass auf den Reichsversammlungen, 
wo neben dem König Fürsten und Städte vertreten sind, den mass- 
gebenden Verhandlungen der beiden erstem einigermassen ent- 
sprechende zwischen dem König und den Städten zur Seite gegangen 
sind, mit einem Wort, dass die Reichstage sich gleichsam in einen 
königlichen Fürsten tag und einen königlichen Städtetag zerlegen lassen. 
Jedoch ein Versuch dies zu erweisen, würde sich nur auf Ausserlichkeiten 
stützen können und an der Thatsache scheitern, dass die Städte auf 
solchen Versammlungen nur ein unwesentliches Anhängsel sind. 
Aach die gesondert abgehaltenen königlichen Städtetage jedoch können 
zur Durchführung jenes Beweises nicht verwandt werden, denn sie haben 
gleichfalls nicht entfernt die reichsrechtliche Bedeutung der könig- 
lichen Fürstentage. Betrachten wir die uns bisher bekannt gewordenen, 
so hält es nicht schwer, an ihnen den Stempel des Gelegentlichen 
und Zufälligen zu erkennen; sie erscheinen nur als Erzeugnisse 
augenblicklicher politischer Oombinationen und deshalb ohne jede 
Regelmässigkeit. Nur wenn der König sie nötig braucht, wenn er 
seinen persönlichen Einfluss besonders geltend machen will, beruft er 
die Städte für sich allein ; kurz, die königlichen Städtetage sind zu 
erklären aus dem nahen persönlichen Verhältniss des Königs zu 
seinen Reichsstädten, und dieses Verhältniss wird man vor allem 
ins Auge fassen müssen, um die eigentümliche Stellung der Städte 
auf den eigentlichen Reichsversammlungen zu verstehen. Die auf- 
fällig häufigen Wendungen in den Stadtrechnungen: «als der König 
hier war» und besonders: «als wir zu unserm Herrn dem König 
schickten» u. a. erklären sich daraus, dass es eigentlich nicht der 
Reichstag ist, zu dem die Städte ihre Boten schicken ; sie schicken 
vielmehr zu ihrem Herrn dem König, der ihnen zu kommen befohlen 
hat, um seine Anordnungen entgegenzunehmen. Und diese An- 
ordnungen sind eben die Beschlüsse des Reichstages, d. h. des Königs 
und der versammelten Fürsten. Dass dieses ursprüngliche Verhält- 
niss sich allmälig ändern kann, dass die persönliche Stellung der 



— 76 — 

Städte zum Beichsoberhaupte mit der Zeit einem reiobsrechtlichen 
Yerhältniss derselben gegenüber der ganzen Beichsversammlung 
Platz macht, und dass femer in kriegerischen und unruhigen 
Zeiten die Städteboten jene Anordnungen nicht immer bloss 
willig . acceptieren, sondern erst durch freundliche Bemühungen 
oder auch durch drohende Befehle dazu bewogen werden müssen 
oder ganz den Gehorsam versagen, das ist eben nichts Auffälliges, 
am wenigsten zur Zeit des grossen Städtekrieges. 

Einem Fall derart begegnen wir gleich in dem königlichen Städte- 
tage vom October 1381, über den oben ^ bereits einiges gesagt worden 
ist. Die hier gepflogenen Verhandlungen sind im Zusammenhange 
mit dem vorhergehenden Frankfurter Tage aufzufassen, als dessen 
Fortsetzung man ihn betrachten könnte. Er ist dadurch veranlasst, 
dass die Städte, und zwar zunächst wohl die vier rheinischen, Mainz 
Worms Speier und Strassburg, den Anordnungen des Königs betreffs 
des Landfriedens den Gehörsam verweigern. Daher blieb jenem 
nichts übrig, als auf dem Wege neuer Verhandlungen, die in Nürnberg 
zwischen seinen Räten und den Städteboten stattfinden, sein Ziel 
zu verfolgen, jedoch vergeblich, weil die Städte als Gegenleistung 
für ihren Beitritt die Anerkennung ihres Bundes verlangen. Sie 
stellen sich also auf den Standpunkt gleichberechtigter Paciscenten. 
Dieselbe Verschiebung des Normalverhältnisses zeigt der im August 
des folgenden Jahres am selben Orte abgehaltene königliche Städte- 
tag, sofern man überhaupt die Versammlung, an der auch zahlreiche 
Herren sich beteiligen, so nennen will. ^ Wahrscheinlich hat es sich 
hier um dieselbe Sache gehandelt: «um den Eintritt der Städte in 
den Landfrieden und um Anerkennung ihres Bundes». Darum heisst 
es in Art. 8 von Nr. 202: <do unser herre der kiinig und der punt 
hie waren» u. ä. Das Münzgesetz dieses Tages (Nr. 201) ist formell 
ein rein königliches Gesetz, und es muss dahingestellt bleiben, ob 
hierbei die Städte den König beeinflusst haben. ^ — Wichtiger als die 
beiden erwähnten königlichen Städtetage sind der Ulmer vorn Juni 
1385 und besonders der Nürnberger von Ende März 1387. Der 
erstere könnte wegen Wichtigkeit der dort getrofferiüu Ab- 
machungen wohl als Analogen zu einem königlichen Fün^tentage 



* p. 70. 

* R Ä. I p. 334 sub F. Lindner I p. 162. 
^ lAnä/ner a. a. 0. 



— 77 — 

gelten, während auf dem «weiten mehr das persönliche und sozu- 
sagen private Verhältniss des Königs zu den Städten in den Vorder- 
grund tritt. Beide st^ehen in engem Zusammenhange mit der Politik 
Wenzels, indem sie jedenfalls eine Annäherung desselben an die 
Städte uöd ein Sichentfemen von der Fürstenpartei und vom Nürn- 
berger Herrenbunde bezeichnen, mag man auch über die Veranlassung 
hierzu verschieden urteilen. * Auf dem ülmer Tage kommt die 
Annäherung Wenzels an die Städte in der Münzreform und in der 
Judenplünderung zum Ausdruck, also in zwei Punkten, deren Er- 
ledigung für den König ohne Mitwirkung der Städte nicht gut mög- 
lich war. Mit diesen, und zwar vorerst mit den Städten des schwäbischen 
Bundes, einigen sich die Räte des Königs, der selbst nicht in Ulm 
war. Erst nachträglich — ein seltener> Fall — einigen sie sich mit 
den Fürsten. * So heisst es in der Verabredung des schwäbischen 
Städtebundes über eine neue Münzgesetzgebung in allerdings etwas 
sonderbarer Fassung:* dteni euch sol man uf ainen tag, alz man 
ze raut wirt, in allen den richsstetten verkünden, daz gemain stette 
dez buntz ze raut worden sin mit unsers herren dez künigs gunst 
und wissen und sind euch dez uberain worden, daz uns der- 
selb unser heiTe der kunig ain gemain müns hat geben». Während 
also hier die Münzgesetzgebung als allein vom König ausgehend 
hingestellt wird, wie die zuletzt angeführten Worte zeigen, lässt der 
Eingang der Nürnberger Ratsverordnung Nr. 266 * dieselbe als vom 
König in Gemeinschaft mit Fürsten und dem schwäbischen Bunde 
gegeben erscheinen: «Es sol aller meniclichen wizzen, daz unser 
genediger herr der kunig mit den forsten und mit gemeinen steten 
die den punt in Swaben miteinander halten ze rat ist worden, daz 
man ein newe hellermönz sol slahen.» Zu bemerken ist, dass auch 
hier in den königlichen Urkunden die Bezeichnung der Städte als 
Bundesstädte sorgfältig vermieden ist. Die Vollmacht Wenzels für 
•Johann von Leuchtenberg (Nr. 258) lautet nur auf Verhandlungen 
mit den rheinischen schwäbischen und fränkischen Städten, und diese 
Ausdrucksweise ist auch in den Gesetzen gebraucht. Was nun diese 



* lieber den ülmer Tag cf. die Einleitung R, A. p. 401 und Lindner p. 270 
—272; aber den Nürnberger R. A. Einleitung p. 542 ff. — Lindner p. 3öC ff. 

^ R. A.l p. 463 Z. 29 ff. 

' Nr. 25» Art. 6. 

^ Dieselbe ist vom 1. October 1388 datiert, wKhrend das Gesetz: Nr. 260 
vom 16. Juli desselben Jahres ist. 



— 78 — 

selbst betriffl;, so muss hervorgehoben werden, dass in ihren Ein- 
leitungsformeln die Städte, trotzdem ihnen bei Ausfuhrung der 
getroffenen Bestimmungen eine so wichtige Rolle zuerteilt ist, 
keineswegs so sehr hervortreten, wie man erwarten sollte. Im 
Gegenteil heisst es da:^ cund darumbe • . haben wir mit wol- 
bedachtem mut gutem berate unser nnd dez heiligen reichs ffirsten 
grafen freien und lieben getrewen in kuniglicher mochte volkomen- 
heit und kreften ditz briefs in unsem und dez reichs landen und 
steten zu Schweben u. s. w. ein newe hallermunze . . ufgesetzt» . . . 
Auch in dem Eingang des zweiten Übergangsgesetzes lautet es 
ganz ähnlich; die Städte sind in diesem Zusammenhange nicbt 
genannt. ^ Dagegen finden wir in Nr. 263 (einem Schreiben 
Wenzels an Verschiedene, wie sie künftig münzen sollen, dd. August 5] 
die Worte: «als lang biz daz man die newen hallermfinz ufgewirft, 
der wir mit unsem und dez heiligen reichs fürsten grafen herren 
und steten unsern lieben und getrewen ubereln worden sein». Wir 
meinen, dass diese Verschiedenheiten der Formeln in den Ge- 
setzen selbst und in diesem Schreiben, das nur auf jene Bezug 
nimmt, nicht zufälliger Art sind. Wir erkennen in dieser ver- 
schiedenen Fassung das Bestreben oder docli den Ausdruck der 
Thatsache, dass trotz der wesentlichen faktischen Teilnahme 
der Städte an der Münzgesetzgebung formell und rechtlich 
dieselbe eigentlich nicht anerkannt wird, wie es doch der 
Wirklichkeit entsprechend durch die Formulierung jener Worte 
leicht hätte geschehen können. — 

Nicht von diesem Standpunkte, nämlich dem der Gesetzgebung, 
ist die zweite Massregel des königlichen Städtetages zu Ulm zu 
betrachten: die Regelung der Judenfrage, indem die hierin ge- 
troffenen Abmachungen des Königs oder seiner Bäte mit den Städten 
mehr privater Art sind, wie ja auch ihre Durchführung in den 
verschiedenen Städten eine verschiedene war. ^ 

Gleichsam ein Privatvertrag zwischen Wenzel und den Reichs- 
städten, und zwar einer der eigentümlichsten Art, war auch das 
Ergebniss des königlichen Städtetages zu Nürnberg vom Jahre 1387. 
Das lange erstrebte Ziel der Städte, die Anerkennung ihres Bundes, 
wird wenigstens insoweit erreicht, dass der König das mündliche 
Versprechen giebt, den Bund der Städte nie aufzulösen, ein Ereigniss, 

* Vergl. die beiden unter Nr. 260 angeführten Stücke. 

2 Nr. 262 p. 484 Z. 20 E 

3 Cf. Nr. 272. 



— 79 — 

dem diese ein ungemein grosses Gewicht beilegen ^ — wie der 
Egerer Tag zeigt, mit Unrecht. Wenzel bestätigt femer den Städten, 
39 an Zahl, alle Freiheiten, die sie von ihm und seinen Vorfahren am 
Reich haben und verspricht, sie nie vom Beich zu veräussern. ^ Da- 
gegen geloben die Städte, dem König gegen jedermann, der ihn vom 
Throne stossen we^Ue, zu helfen. ^ 

So weit war es selbst unter Ludwig dem Baieni nicht gekommen, 
dass er sich von den Städten sein Königtum sozusagen garantieren 
liess. Freilich entstammt auch dieses Bündmss — und danach ist 
die Bedeutung dieses königlichen Städtetages zu bemessen — dem 
augenblicklichen Bedürfniss des Königs, irgendwie eine starke Stütze 
für seinen wankenden Thron zu erlangen. Schon zwei Jahre später 
bricht Wenzel sein betreflFs des Städtebundes gegebenes Ver- 
sprechen; erst als ihm das Messer an der Kehle sitzt, wendet er 
sich wieder um Hülfe an seine «treuen und allezeit gehorsamen» 
Eeichsstädte; da jagt ein Berufungsschreiben zu einem könig- 
lichem Städtetag das andere. 

Wir kehren nach dieser Abschweifung zum Egerer ßeichs- 
tage von 1389 zurück, der wie öfters bemerkt durch Auflösung der 
Städtebünde und durch Einsetzung eines allgemeinen Land- 
friedens den grossen Städtekrieg und die Beihe der Teidigungs- 
tage abschliesst. Es genügt hierbei, auf den anschaulichen 
Bericht der Strassburger Boten* über den Verlauf des Tages 
etwas näher einzugehen. Wir erfahren daraus kurz folgendes; 
Der König beruft in eigner Person die Fürsten, Herren und die 
Städteboten des rheinischen und schwäbischen Bundes gemeinsam 
vor sich. Er erklärt, wie ihm der Krieg nach beiden Seiten 
hin leid wäre und dass er gern eine Ausgleichung herbeiführen 
würde. Mit frohen Hoffnungen hören die Städteboten die Worte 
des Königs an, der hierauf seinen Räten die Weiterführung 
der Verhandlungen überlässt. Bald jedoch ergiebt sich die 
Unmöglichkeit, die Sache auf diese Weise zu Ende zu bringen : 
'«Was jetzt gefordert wurde, da wurde zu Stund ein anderes 



» Nr. 301 u. 304. 

« Nr. 802. 

' Nr. 308; mit den rheinischen Stftdten iat ein ähnliches BUndniss(cf.Nr.307), 
wie Weizsaecker zeigt, wohl nicht zum Abschhiss gekommen. Cf. M. Ä. p. 545 
sub D. 

* B. Ä,n Nr. 88. Cf. Lindner II p. 61 ff. 



— 80 - 

daraus und was man an einem Tage gerichtet zu haben meinte, 
damit war es am andern Tage wieder nichts». Man erkennt 
hier die reinen Teidigungs- und Vermittlungsversuche, um den 
Kriegszustand zu beendigen und die einzelnen kriegführenden 
Teile mit einander auszusöhnen. Weil diese Versuche jedoch 
zu keinem Resultate führen, lässt der König dieselben ganz 
fallen und schlägt plötzlich einen andern Weg ein. Er stellt 
sowohl an die Fürsteii und Herren, als auch gesondert an die 
Städte, die bei letzteren mit heftigen Drohungen verknüpfte 
Forderung, ihre Sonderbündnisse aufzugeben und mit ihm sich 
in einem gemeinsamen Landfrieden zu vereinigen. Dieser letztere, 
der die Friedensbewahrung in der Zukunft bezweckt, setzt die 
Versöhnung der Parteien bezüglich der Vergangenheit als Vor- 
bedingung des Eintrittes in den Landfrieden fest. Wie jedoch 
diese Versöhnung herbeizuführen ist, bleibt jedem selbst über- 
lassen. Von diesem Augenblicke an ändert sich der Charakter 
der Egerer Versammlung: aus dem Teidigungstage wird ein 
Eeichstag. Durch ein Compromiss zwischen König und -Fürsten 
werden die Städte in die Defensive gedrängt. Wie auch früher 
häufig ist die Sachlage wiederum die, dass ihnen nur die Wahl 
bleibt, dem königlich-fürstlichen Landfrieden sich anzuschliessen 
oder nicht. 

Wie das Erstere dann im Einzelnen geschah und welche 
Unterhandlungen hierüber stattgefunden haben, darauf haben 
wir hier nicht näher einzugehen. Am 2. Mai wurden die 
Städtebünde durch königliche Urkunde (Nr. 76) für aufgelöst 
erklärt und am 5. Mai wurde der neue Landfriede veröffentlicht 
(Nr. 72). Die Eingangsformel, «dass derselbe gemacht sei mit 
gutem Rate der Kurfürsten Fürsten und Herren, ist diesmal 
sehr bezeichnend: denn ganz im Interesse der Kurfürsten 
Fürsten und Herren ist derselbe geschlossen worden».^ 

Der nächste Reichstag zu Nürnberg, * der nach zweimaliger 
zeitlicher Verlegung endlich im September 1390 zu Stande kam, 
hatte unter andern den Zweck, eine Norm für die Schlichtung 
der auf dem Egerer Tage und auch in der Folge nicht bei- 
gelegten Streitigkeiten zu geben. Der grosse Städtekrieg spielt 
in den erhaltenen Urkunden eine grosse Rolle, wie die städtischen 



* B, A. II p. 131. 

« Cf. Lindner II p. 108 ff. 



— 81 — 

•€ Vorschläge (Nr. 169 — 173) betreffend die Sicherung des demselben 
•gefolgten Friedenszustandes» beweisen* Gehört demnach dieser Tag 
fast noch zu den Teidigungstagen, so ist doch andrerseits der nor- 
male Reichstagscharakter desselben nicht zu verkennen. Die Städte 
«nd die Fürsten stehen sich nicht mehr so schroff gegenüber, der 
Krieg hat aufgehört und die Städtebünde sind abgethan. 

Ausser jenen Hinterlassenschaften des Städtekrieges und des 
Egerer Tages beschäftigen zwei Sachen die Versammlung: die Münz- 
gesetzgebung und die Judenschuldentilgung. Beide waren auch, wie 
wir gesehen haben, auf dem königlichen Städtetage zu Ulm 1385 
Gegenstand der Verhandlungen gewesen. «Waren jedoch bei der 
Jadenplünderung von 1385 vorzugsweise die Städte begünstigt und 
stützte sich der König bei Erlass des damaligen Münzgesetzes auch 
auf sie, so ist diesmal in beiderlei Hinsicht der fürstliche Kreis im 
Vordergrund. Doch ist die Münzgesetzgebung zugleich auch für die 
Städte mitbestimmt.»^ Es sind, wie wir aus diesen Worten Weizs- 
aeckers erkennen, noch durchaus unentwickelte und im Übergang 
begriffene Verhältnisse, unter deren Einfluss die Reichsversammlungen 
dieser Zeit, die freilich zum Teil kaum diesen Namen verdienen, 
stehen. So ist es eine schwer zu entscheidende Frage, ob nicht der 
König ohne weiteres rechtlich befugt war, aus eigner Machtvoll- 
kommenheit in der Münz- und Judenangelegenheit Gesetze zu er- 
lassen — formell ist dies bei dem Judenschuldengesetz von 1390, 
Nr. 174, auch der Fall — , oder ob und inwieweit rechtlich dazu 
•die Einwilligung der Reichsstände, d. h. zunächst der Fürsten er- 
forderlich war. Praktisch war eine solche Zustimmung zweifellos 
unumgänglich, sofern die Verordnung irgend einen grossem Erfolg 
haben sollte. Daher finden wir ein fortwährendes Compromittieren 
bald mit den Fürsten, bald mit den Städten von Seiten des Königs, 
den dabei nicht gesetzliche oder, wie man sagen könnte, constitutio- 
nelle, sondern praktisch-politische Beweggründe leiten. Bei Betrach- 
tung der Münzgesetzgebung von 1390 zusammengehalten mit der von 
1385 tritt es demgemäss ganz deutlich hervor, dass die Städte nicht 
als ßeichsstände, sondern als politisch-finanzielle Autoritäten, deren 
Bedeutung zumal 1385 durch das Bestehen des Städtebundes noch 
wesentlich erhöht wurde, je nach den Umständen mehr oder weniger 
für den gesetzgebenden König zu berücksichtigen waren. Aus welchen 
Oriinden er 1890 von ihrer Mitwirkung und Zustimmung absehen 

^ JR. ^. n p. 274 unten, ff. ; cf. oben p. 76 ff. 

6 



— 82 — 

zu können glaubte, wissen wir nicht. Die Thatsache steht jeden- 
falls fest, dass erstens die Münz Verordnung vom 14. Juli dieses 
Jahres nur von einer Zustimmung der Fürsten spricht,^ und dass 
zweitens nur solche ihre Einwilligung, ihren «Willebrief» (Nr. 15")) 
unter dem gleichen Datum geben^ Aus den einleitenden Worten 
desselben ist zu schliesscn, dass auch auf die Einwilligung oder den 
Beitritt von Städten gerechnet war: «wir., die hernach geschriben 
ffirsten grafen herren und stette bekennen und tfin kund», 
dass die Verordnungen König Wenzels mit unserm Wissen und 
Willen erlassen sind. Es folgen dann aber nur die Namen von 
Torsten und Herren. Wenn nun die Frage zu entscheiden ist^ 
ob die Nichtbeteiligung der Städte an dem Münzgesetz des 
Nürnberger Reichstages vom September 1390 eine freiwilliger 
spontane war, indem sie aus irgend welchen Gründen eine Mit- 
wirkung dabei ablehnten ; oder ob nicht vielmehr diese Passivi- 
tät ihren Grund darin hatte, dass der König über ihre Köpfe 
hinweg lediglich im Verein mit einer Eeihe von Fürsten jene 
Bestimmungen traf, also das Gesetz für die Städte ohne weiteres, 
«mitbestinunte», so ist durchaus die letztere Ansicht die richtige. 
Die Schwierigkeiten, die sich aus einzelnen Urkunden ergeben," 
in denen von einer Beteiligung auch der Städte bei dem Gesetz- 
erlass in der bekannten formelhaften Weise die Rede ist, sind 
bereits in den R. A. genügend besprochen. Diese Widersprüche 
sind Ungenauigkeiten oder Unwahrheiten und entweder darauf 
zuiückzuführen, dass eben das Gesetz für die Städte «mitbe- 
stimmt» ist, oder dass mit der Zeit einzelne demselben beitraten, 
wie z. B. Nürnberg. In der Eatsverordnung dieser Stadt (Nr. 163 
— das Datum ist nicht genau zu bestimmen) heisst es ganz, 
ähnlich wie in der oben angeführten vom Jahre 1385: «Es sol 
allermeniclichen wizzen, daz unser herre der könig mit forsten 
herren und steten einer münz uberein ist worden.» * Das ent- 



* Nr. 150 p. 291 Z. 15 ff. : «. . mit rate unserr lieben getrewen der liernacl» 
geschriben fnrsten grafen und herren.» Die namentliche Aufzählung derselben 
(Art. 9) schliesst entsprechend: «. . und andere fursten grafen herren und ge- 
trewen». 

* Cf. besonders Nr. 151 u. 152; ferner Nr. 166 (dd. 1390 Sept. 24) n. 157: 
vergl. damit M. A, II p. 275—276 ob. 

* In dieser Verordnung, in der Nürnberg ganz im Sinne des konigl. MUnz- 
gesetzes handelt, welchem es also wohl beigetreten sein muss, wii-d nach den oben 
angeführten Worten gesagt: «und snllen ouch alle fürsten herren und stet, die 
münz haben und sluhen wollen, verschreiben und ir brief geben, daz sie die münz 
fürbaz also halten und slahen . . .» Also auch die Stadie (vergl. den Willebrief 
der Fürsten) sollen über ihren Beitritt eine schriftliche Erklärung abgeben. G leich- 



— 83 — 

-spricht jedoch, wie bereits bemerkt, der ursprünglichen Sachlage 
jedenfalls nicht. Mit den Städten ist der König gar nicht wegen 
der Münze cübereingekommen», wenigstens nicht auf dem Nürn- 
berger Reichstage. Hier verhandelte er oder vielmehr seine 
Bäte in jener Sache nur mit den Fürsten und Herren. Dies 
bestätigen einigermassen auch die Stadtrechnungen in den be- 
kannten Wendungen. In der Nürnberger (Nr. 210 p. 356 Z. 15) 
heisst es: cdo die herren hie warn»; Z. 14: cdo die forsten und 
herren hie warn und die burger auf dem hawse bei einander 
warn» ; Z. 42 : cdo die herren von der münz wegen hie warn» ; 
Z. 44: <do die herren von der münz und der Juden wegen hie 
warn und nach tisch ie rat waz». In der Augsburger Rechnung 
Nr. 211 Art. 7 sind die Kosten für die Abgesandten der Stadt 
nach Nürnberg vermerkt: «dez mauls do forsten und herren 
fiberainchomen von der mfins wegen». Nur zum Schluss von 
Art. 5 der Nürnberger Rechnung finden wir: «item dedimus 
15 sh. den soldnern, die mit den von Regenspurg riten zu dem 
Newenmarkt, do sie (doch wohl die Regensburger?) hie gewesen 
warn von der münz und der Juden wegen». Vergleichen wir 
übrigens mit dieser Notiz das erhaltene Beruf ungsschreiben (Nr. 149) 
des Königs von Regensburg, das zwei aus dem Rat und zwei 
Juden auf 1. Aug. (der Tag wurde dann auf den September 
verlegt) nach Nürnberg schicken soll, und vergleichen wir ferner 
damit die in R. A. II p. 290 Anm, 1 angeführten Einladungs- 
rschreiben Wenzels an Regensburg, in denen allen nur von der 
Judenangelegenheit die Rede ist, so liegt die Vermutung nahe, 
dass der Schreiber jenes Kostenberichtes an der zuletzt ange- 
führten Stelle vielleicht richtiger nur hätte notieren sollen: cdo 
.sie hie gewesen warn von . . der Juden wegen». 

Diese eben genannte zweite Angelegenheit in Verbindung mit 
•dem Wunsche, endlich einen definitiven Frieden zu schaffen, war 
es eigentlich, die die Städte nach Nürnberg geführt hatte, und 
derentwegen, wio wir aus dem Begensburger Berufungssebreiben 
folgern dürfen, sie vom König dorthin vorgefordert worden waren. 

wohl geht es dann weiter: «und ditz sind die fUrsten nnd herren die ir brinf über 
•die mttnz ietzo geben haben « .> (vergl den Schlass der Verordnung). StSdte 
haben also (ausser Nürnberg, das in der Verordnung, vielleicht weil es sich yon 
-selbst versteht, nicht erwähnt wird) ihren Brief noch nicht gegeben. Vergl. damit 
Nr. 162 p. 294 Z. 8 ff. und dazu B. A. II p. 275 Z. 11 ff. Weshalb die Städte 
auch nach dem Reichstag . sich von der Münzgesetzgebung fern hielten, ist eine- 
schwierige nnd hier nicht zu entscheidende Frage. Uns kommt es nur darauf an, 
•daM sie von derselben auf dem Reichstage selbst ausgeschlossen waren. 

6* 



.»V 



— 84 - 

Gewiss mit Recht wird R. A. II p. 277 sub C. hervorgehobexr^ 
dass die schwäbischen Städte, denn sie sind wohl die Urheber einer 
ganzen Reihe von «Vorschlägen» (Nr. 169 ff.)i auf eine Regelung 
jener Sachen «von Seiten des Reichs» dringen. Aber es ist doch 
zu bemerken, dass die Vorschläge wesentlich an die Person des. 
Königs gerichtet sind. Er soll den Bürgerschaften die schriftliche- 
Versicherung geben, dass alles im Städtekrieg Geschehene vei^;e68en 
sein soll; er soll ihnen die alten Privilegien wegen der Juden 
u. s. w. bestätigen und neue verleihen; und er soll, wie so häufig 
im Städtekrieg, jetzt zum letzten Mal zwischen ihnen und den 
Fürsten teidigen und einen Ausgleich zu Stande bringen: «und 
daz och unser gnädiger herre der Römische kunig dw stuk allV 
zwischen den fursten herren und stetten und baidersite iren belfern 
und dienern zu ainer richtuug betedingt und usgesprochen habe». ^ 
Bei dieser Sachlage wäre es ein vergebliches Bemühen, mit dem 
Massstabe eigentlicher Reichstagsverhandlungen an die Acten des. 
Nürnberger Tages betreffs der Juden u. s. w. heranzutreten ; die 
erhaltenen Urkunden geben uns keinen Aufschluss, wie wir uns bei 
Annahme gemeinsamer Beratungen zwischen den königlichen Räten, 
den Fürsten und den städtischen Abgeordneten das Verhältniss der 
beiden letztern zu einander zu denken haben. Die Gesetze Wenzels 
(Nr. 174, 182, 189) sind formell rein königlich ; sie bezeichnen den 
Judenschuldenerlass als einen königlichen Gnadenakt; sie erstrecken 
sich nur auf die einzelnen Landschaften Schwaben, Baiern und 
Franken, und innerhalb dieser Grenzen sind dann wieder, wie es in 
der Natur der Sache lag, für die einzelnen Städte Einzelurkunden 
ausgestellt. ^ Man darf daher annehmen, dass von vornherein diese 
lokalen Gesichtspunkte ihren Einfluss äusserten, und dass demnach 
die Nürnberger Verhandlungen, soweit an ihnen die Städte, sei es 
einzeln, sei es in Gruppen, beteiligt gewesen sind, ähnlich wie 13S5 
in Ulm mehr privater Natur waren, also nicht geeignet sind, einen 
Massstab für die Beui-teilung der reichsständischen Bedeutung der 
Städte im Verhältniss zu der der Fürsten abzugeben.. DasErgebniss. 
ist vielmehr, dass nur diese Letzteren auf dem Nürnberger Reichs- 
tage von 1390, dem ersten nach Beendigung des Städtekrieges, 
reichsständische Funktionen und zwar bei der Münzgesetzgebung 
ausgeübt haben. 



* Nr. 172 p. 310 Z. 16 ff. 

* A. a. 0. p. 283 Z. 31 ff. 



— 85 — 

Wir betrachten sogleich den Frankfurter Fürsten- und Städtetag 
vom Juli 1394, der aus Anlass der Gefangennahme König Wenzels 
xusammengetreten war. ^ Obgleich unter diesen Verhältnissen Ton 
einem Reichstage hier eigentlich nicht gesprochen werden kann, so 
lohnt es sich doch, kurz auf diese Versammlung einzugehen, die 
uns willkommene Gelegenheit giebt, das Verhältniss zwischen Fürsten 
und Städten bei Beratung einer so wichtigen und allgemeii>en 
Beichsangelegenheit, wie es die Gefangennahme des Keichsoberhauptes 
ist, genauer kennen zu lernen. 

Wo die Städte, die in Frankfurt faktisch vertreten waren, in 
den Akten nicht genannt werden, scheint nach Weizsaecker's Meinung 
teine gewisse Flüchtigkeit des Ausdrucks obzuwalten, oder der 
Grund ist, dass der Tag ohne Zweifel von fürstlicher Seite ver- 
anstaltet war, wenn auch das Ausschreiben fehlt». Den ersten Grund 
halten wir nicht für den richtigen; die Erklärung ist wesentlich 
darin zu suchen, dass die Städte auf diesem Tage eine durchaus 
passive Rolle gespielt haben. Es erklärt sich dann, — und es gilt 
dies auch für fiühere und spätere Versammlungen — wie das eine Mal 
mit Beziehung auf das den Fürsten allein zustehende Bestimmungs- 
recht über die zu ergreifenden Massregeln nur von einem Tage der 
Fürsten und Herren, das andre Mal mit Beziehung auf die auch 
anwesenden Städteboten von einem Tage der Fürsten Herren und 
Städte die Bede sein kann. 

Namentlich eine Bezeichnung der Versammlung als eines blossen 
Fürstentages von städtischer Seite fällt ins Gewicht. So finden wir 
unter den Kosten Nürnbergs Nr. 235 p. 404 Art. 5: «do die fursten 
und herren einen tag do (in Frankfurt) hetem, und in dem Frank- 
furter Bericht an Strassburg (Nr. 231 p. 400) ist die Sachlage die, 
dass die «Kurfürsten, Fürsten und Herren» den Beschluss fassen 
eine Gesandschaft an die böhmischen Landherrn zu schicken, während 
falls dieselbe keinen Erfolg hat «die fürsten meinen mit hülf der 
richsstette darzu zu tun, daß der Komische kunig ledig werde». ^ 



* A. a. 0. p. 377; über die Bezeichnung «Fürsten- und Siadtetae> p. 378 
Cf. Lindner II, p. 200. 

• «Kurfürsten fürsten und herren, zu Franckfort versammlet, haben nrch der 
stSdt hotten gesandt und sie lassen versten : weil der Rüinische kunig W. gefangen 
jFt, so wolten sie eine bottschaft an die lantherren zu Beheim tun, dnss sie den 
IcOnig on alle veibnntnisse und schaden ledig lassen und sagen; täten sie das nit. 
so meinen sie die fürsten mit hülf> etc. wie ob. 



— 86 — 

In der That kann die Stellung der Städte kaum deutlicher 
charakterisiert werden. Von den Verhandlungen und Beratungeu 
der Fürsten sind sie zunächst ganz ausgeschlossen; denn nur diesen 
/beziehungsweise dem Könige, der jedoch hier gefangen ist) kommt 
die Initiative, wie man am besten sagen dürfte, zu. Da jedoch die 
Ausführung der Beschlüsse die Mitwirkung der Städte wünschens. 
wert und nötig erscheinen lässt, teilen diesen die Fürsten das 
Beschlossene mit, und überlassen es ihnen, nachträglich ihre Zu- 
stimmung zu geben oder nicht. Hieran können sich dann, je nach 
der Bedeutung, die in dem betreffenden Falle den Bürgerschaften 
von Seiten des Königs und der Fürsten beigelegt wird, Beratungen 
und Auseinandersetzungen anknüpfen, während principiell, wie wir 
öfters gesehen haben, die Bestimmungen jener, als des eigentlichen 
Reichstages, ohne weiteres für die Städte rechtsverbindlich sind* 
Diese Theorie, die den Letzteren auf den Reichsversammlungen der 
hier in Rede stehenden Zeit eine durchaus passive Stellung zuweist, 
und die nicht gestattet, ihnen gleich den Fürsten das Recht der 
Reichsstandschaft im wahren Sinne des Wortes zu vindicieren, ist 
durchaus noch unerschüttert. So sehr man auch geneigt ist, die im 
Zusammenhange mit der Geschichte und der Politik der Städte- 
bünde vielfach erörterte Frage, ob nicht die Bürgerschaften eine 
Ändrung jenes Verhältnisses herbeiführen und sich zum wenigsten 
eine politische Gleichstellung mit dem Fürstenstande hätten erringen 
können, in bejahendem Sinne und unter Vorausberechnung der 
daraus hervorgehenden Umgestaltung der deutschen Reichsverfassung 
zu beantworten, so ist doch anderseits zu betonen, dass sich, man 
kann sagen, auffälligerweise keine Spur eines solchen Planes von 
Seiten der Städte nachweisen lässt. Die Geschichte der Reich»* 
Versammlungen ist dafür der beste Beweis. 

Die Ereignisse in den letzten Jahren des 14. Säculams, die 
schliesslich auf die Absetzung König Wenzels hinausliefen, waren 
ungemein geeignet, den Städten eine erhöhte Bedeutung zu ver- 
schaffen, sowohl nach der Seite des bedrohten Königs hin, als nicht 
weniger in den Augen der revolutionären Fürstenpartei, denen alles 
daran gelegen sein musste, auch diese Stütze seines wankenden 
Thrones dem König zu entziehen. 

Der erste Tag, den wir zu besprechen haben, ist der Frank» 
furter vom Mai 1397. Der König und die Kurfürston machen sich 
gegenseitig Konkurrenz. Am 15. Februar fordert jener die wetter* 
auischen Städte dringend auf, ihre vollmächtige Botschaft zu einem 



— 87 — 

Tage nach Nürnberg auf den 29. April zu schicken, wo cwir alle 
des heiligen reichs Sachen und gebrechen noch irem (i. e. der Boten ^) 
und anderer uuserr fursten des reichs rate handeln und volfuren 
wollen» •* Man sieht, die versprechenden Redensai-ten kommen 
wieder zum Vorschein. Weil jedoch der König nicht ins Reich 
kommt, wird auch aus dem von ihm angesetzten Tage nichts. 

Zwei Tage später, am 17. Februar, fordern die drei Kurfürsten 
von Köln Trier und Kurpfalz zum Besuch eines im Mai zu Frank- 
furt zu haltenden Tages auf. In dem Ausschreiben an die Stadt 
Köln^bemerken sie nach Motivierung ihres eigenmächtigen Schrittes, 
dass sie ihre Mitkurfürsten, andre geistliche und weltliche Fürsten 
Grafen Herren und Städte von Deutschland zum Erscheinen auf 
dem Tage, letztere zur Absendung von Gesandten aufgefordert 
hätten. Die kölnischen Abgeordneten und so wohl auch die der 
andern eingeladenen Städte sollen analog dem Passus im Aus- 
schreiben des Königs «de grolsse noit und Sachen helfen berathen». 
Man sieht auch hier die Bemühungen, die Städte zu gewinnen. 
In den Geleitsurkunden und Briefen ist dann auch immer die 
Bede von dem Tage, den die Kurfürsten Fürsten Herren und 
Städte in Frankfurt halten werden; nur in dem Briefe Karls VI- 
von Frankreich (Nr. 2G9) und in der Aufzeichnung über den 
Besuch des Frankfurter Tages (Nr. 273) werden die Städte nicht 
erwähnt. Sie erscheinen jedenfalls in grosser Zahl (nämlich 18, cf. 
Nr. 272) und es fehlt wohl kaum eine der bedeutenderen, wenn 
vielleicht auch die Kurfürsten noch mehr eingeladen hatten.* 

Dennoch spricht manches dafür, dass trotz ihrer Zahl und trotz 
der schmeichelhaften kurfürstlichen Einladung die Städte auf dem 
Tage nichts weniger als mitberaten haben. ^ Diese Ansicht im 
voraus haben jedenfalls die auch von den Kurfürsten eingeladenen 
Mühlhäuser, wenn sie die Frankfurter ersuchen,^ ihnen mitzuteilen, 
wessen cdie Kurfürsten und Landesherrn übereinkommen würden, 
und ob es vor die Städte sei oder nicht». Damit sieht der Anfanp;^ 
des Schreibens: cda die Kurfürsten und andere Landesherren und 
auch des Reichs Städte jetzt bei euch zusammengekommen sind 

* Cf. p. 439 Note a. Ob es *irem> (der Boten) oder «eurem» (der gen. Städte) 
Rat heisst, bleibt wohl gleichgültig. 

« Nr. 249. 

* Nr. 251. üeber die ausserdem eingeladenen Städte cf. 2?. ^.11 p.418 subB. 
^ R. Ä, p. 453 Anm. 3, 4, 5. 

* Cf. Lindner p. 261 unten. 
^ p. 453 Anm. 4. 



— 88 — 

wegen Verhandlungen, deren Gegenstand die Kurfürsten in ihren 
Briefen erwähnen» etc. keineswegs in Widerspruch; er beleuchtet 
jene im Schluss des Briefes enthaltene Auffassung nur um so schärfer. 
Etwas anders lautet der Brief der Stadt Eger an Frankfurt; sie 
bittet dringend, dass man sie «der Fürsten Herren und Städte daselbst 
Wesunge und ihrer Sache Austragungen wissen lassen möge. Wie 
richtig aber die Mühlhäuser urteilen zeigt Nr. 275: «der Abschied 
zwischen Fürsten und Städten des Frankfurter Tages». In dem 
Antwortschreiben Frankfurts an Kolmar Mülhausen und Eger (Nr. 276) 
ist mit Beziehung auf diesen Abschied gesagt: «lassen wir uch wissin, 
daz unser herren die korfursten andere fursten und herren, als die 
iczünt uns gescheiden sin, andern steten und uns einen zedil gegeben 
hau, als wir euch des abeschrift hie-inne beslossen senden». Hier- 
nach wäre der Zettel Nr. 275 eine Redaktion fürstlicherseits, 
obgleich derselbe, wenigstens in der erhaltenen Form, eher wie ein 
städtischer Bericht avissieht. Doch sei dem, wie ihm wolle, man 
erkennt daraus, dass die Kurfürsten Fürsten und Herren immer im 
Gegensatz zu den Städten genannt werden. Nur sie schicken die 
grosse Botschaft zu dem König und nur sie setzen den neuen Tag 
nach Frankfurt an, auf welchem sich die Städte den fürstlichen 
EntSchliessungen gegenüber erklären sollen. Allerdings heisst es 
dann wieder zum Schluss, dass falls der König keinen Reichs- 
hauptmann geben wolle, dort die «korfursten herren und stede mit 
ein zu raden werden und ubirkommen mögen, alsdann fridde und 
gnade etc. zu versorgen» : nichts, als Redens£u*ten, wie in den Ein- 
ladungsschreiben, wenn damit eine wirkliche Teilnahme der Städte 
an den Beratungen der Fürsten, nicht bloss nachträglich den Städten 
gemachte Eröffnungen über die von jenen getroffenen Bestimmungen 
gemeint sind. Der Nürnberger Rechnungsschreiber sagt ganz ver» 
nünftig Nr. 280 Art 5: «do die kurffirsten tag da hetten» und in 
den Kosten Frankfurts ist aufgezeichnet (Nr. 279 Art. 1 und 2): 
«als die fursten und herren hie waren». Nicht der entsprechende 
Gegensatz ist es, wenn in Art. 3 gesagt wird: so und so viel für Wein 
«den fursten herren und stedin zö schenken, als die . . hie waren, 
wol acht dage». 

Waren auf dem Tage im Mai die Städte zahlreich vertreten 
«0 ist das auf dem Juli-Tage, auf dem laut Verabredung die Städte 
sich erklären sollten, ob sie mit den Fürsten zu gehen die Absicht 
hätten, nicht der Fall. ^ Auch Herren waren nicht so zahlreich 

^ Über den Besuch des Tages s. B. Ä. IT p. 459 sab G. — XtndinerIIp.87flL 



^ 89 — 

•erschienen und überhaupt kam dabei weiter nichts heraus, als dass 
•die Fürsten auf den 11. November einen neuen Tag ansetzen, wobei 
ihnen aber dann der König einen Strich durch die Rechnung macht. 
Im übrigen kann man ziemlich deutlich sehn, wie die Stellung der 
Städte auf diesem Tage im Juli der vom vorhergehenden Tage durch- 
aus entspricht. Charakteristisch ist wieder der Brief Mühlhausens 
Nr. 293 : Sie hätten gehört, dass wiederum Kurfürsten andre Fürsten 
and Herren und auch des Reichs Städte in Frankfurt zusammen 
kommen. Auch das vorige Wal hätten sie bereits um Nachricht 
gebeten, cwez die genanten herren obirqwemen>. Für die Erfüllung 
dieses ihres "Wunsches durch die Frankfurter bedanken sie sich. 
Dann erkennt Schreiberin des Briefes an, dass sie eigentlich auch 
Abgeordnete schicken müsste wie andre Reichsstädte. Aber da ihr 
dies wegen mancherlei Fehde und Anfechtung nicht möglich sei, so 
ersucht sie die Frankfurter vou neuem, ihr mitzuteilen, «wez die 
obgenanten unser herren die korfursten fursten und andere herren 
einwerden und sich obirtragen.» Grade dass Mühlhausen sich für 
verpflichtet hält, selbst Boten zu schicken, aber gleichwohl nur um 
Nachrichten über die Abmachungen der Fürsten und Herren bittet, 
ist doch sehr bezeichnend für die Ansicht, dass zwar die Städte, 
weil sie eingeladen sind, auch den Tag beschicken müssten, aber 
nicht etwa, um mit entscheiden zu helfen; denn das ist Sache 
der Fürsten. Dieselbe Anschauung ergiebt sich aus dem Schreiben 
der Kolmarer ^ an Frankfurt Nr. 292, aus dem Bericht dieser Stadt 
an Mülhausen Nr. 294, der ganz ebenso zu beurteilen ist wie oben 
Nr. 276, und aus den Mitteilungen Lentzelins an Strassburg über 
Gang und Besuch des Tages, Nr. 295. In letzteren ist die Stelle 
bezeichnend : f euch kau ich noch nüt erfarn waz der herren gewerp 
si, wenne sü sint noch nüt vil bi'nander gewesen >. ■ — Freilich könnte 
man hier, da Lentzelin * nicht der officielle Vertreter Strassburgs 
bei dem Tage als solchem ist, meinen, dass er den Tag auch äusser- 
lich nach den Besuchern nur für einen Fürstentag hält; aber gleich 
darauf sagt er: cund kumet euch noch alle dage me herren und stete 
zü> etc. 



^ Die aber wohl nar wegen einer Privatangelegenheit den Tag besuchen wollen 
und zwar deshalb unter der Bedingung, dass der ICönig persönlich erscheine. Cf. 
Nr. 296 p. 470 Z. 10 ff. und die Nachschrifb Ton Nr. 292. 

* Knntze Lentzelin ist wohl überhaupt ein Frankfurter, wie sein Namensvetter 
Jeckelin L. ; cf. B. Ä. I p. 81 Nt. 8. 



— . 90 — 

Der folgende Reichstag zu Nürnberg * im September und Okto- 
ber 1397, der einen Augenblick die Pläne der Fürstenpartei zu 
kreuzen scheint, ist wegen des persönlichen Eingreifens des König» 
wiottig- Lindner bemerkt zu dem Tage: «Eine eigentliche ge^ 
schlossene Versammlung und Beratung scheint in Nürnberg nicht 
stattgefunden zu haben.» ^ In der Landfriedensordnung (Nr. 302), 
die Wenzel mit einer Anzahl fränkischer und bairischer Reichsstände- 
vereinbarte, «die sich dabei neben den König wie ebenbürtige Glie- 
der einer freien Übereinkunft stellen»,^ heisst es ganz im Gegensatz, 
zum Egerer Landfrieden, dass er, der König «mit disen nachge- 
schriben unsern und des reichs fursten heren und steten dise nach- 
geschriben Ordnung stuke und artikele mit wolbedachtem mute etc. 
gemachet» habe. Von Verhandlungen hierüber hören wir nichts. 
Das Datum des Landfriedens ist der 20. September 1397, wo wohl 
kaum mehr als die Teilnehmer desselben in Nürnberg waren : ausser 
den Städten Kürnberg Rotenburg AVindsheim Weissenburg und 
Schweinfurt sind es nur Ruprecht III., der übrigens mit seinen 
Landfriedensleistungen Nürnberg gleichsteht, ferner der Bischof von 
Bamberg, die Burggrafen von Nürnberg, der Bischof von Eichstädt 
und der Landgraf von Leuchtenberg. Wir können für unsre Un- 
tersuchung sonst wenig direkten Gewinn aus den Acten dieses Tages 
ziehn; wir wollen jedoch noch auf die Naivität, Teilnahmlosigkeit 
oder auch Unbeholfenheit — der rechte Ausdruck ist schwer zu 
finden, da man auch politische zurückhaltende Schlauheit darin sehen 
kann — hinweisen, die sich in dem Bericht der Strassburger Nr. 309^ 
ausspricht. Derselbe ist vom 13. October, also über 3 Wochen 
nach jenem Landfrieden datiert und bildet ein würdiges Seitenstück 
zu dem bei Gelegenheit des Metzer Hoftages von 1356 angeführten 
(oben p. 50).* Die Boten melden ihre Ankunft in Nürnberg vom 
10. Oktober. Von bisherigen Verhandlungen wissen oder berichten 
sie wenigstens nichts. Am 11. Oktober erscheinen sie vor dem 
König, mit dem sie laut ihrer Anweisung (Nr. 301) reden, deren 



* Cf. über die Politik des Künigs den Städten gegenüber JB. A, 11 p. 477 u. 
d. Einleitung zu diesem Tage; zum Theil dagegen Lindner II p. 879 ff. besonders 
über die Würzburger Sache. 

' Lindnir p. 380. 

8 B, A, III p. 1. 

* Politische Interessenlosigl<eit und spiessbUrgerliche Selbstsucht ist wohl das 
Richtige; das Ganze wird mit einer gewissen Ostentation erzühtt, als ob die Boten 
hierin auf das Lob und die Beistimmun^ ihres Rates rechneten. Die Stadt handelt 
<lem entsprechend auch später: i?. A, III p. 3 sab C. 



— 91 — 

erster Artikel ihnen aufträgt, dem Könige zu sagen: «das si da 
:sint nach der begerünge sinre botscHaft Und verhören waz man mit 
in rede». Darauf giebt die Anweisung Verhaltungsmassregeln in 
^städtischen Angelegenheiten, von andern ist keine Spur vorhanden. 
Die Boten sagen also laut Bericht Nr. 309: «Wir sind da und 
wollen hören, was man mit uns redet», zu ergänzen ist : von Reichs- 
angelegenheiten, denn über ihre städtischen haben sie selber genug 
vorzubringen. Diese letztern abzumachen, überträgt nun Wenzel, 
•der die Boten gnädig empfängt, seinen Räten. Einer von ihnen, 
-der Bischof von Bamberg, spricht mit ihnen sehr herablassend von 
den politischen Zuständen : der König habe es nach Erledigung der 
böhmischen Wirren endlich ermöglicht ins Reich zu kommen, «und 
habe daruf alle fürsten heren stette besant und welle mit irme rote 
-und ire helffe friden machen.» Der Bischof fordert die Boten auf 
— man sieht, wie er ihnen um den Bart geht — , sie sollten dazu 
raten. Und nun erfolgt die klassische Antwort, für die ein At- 
tribut kaum zu finden ist: «was zu friden treffen künde, das were 
unsern fninden liep, wan, also uns unser here der künig besant het, 
do haut uns unser fninde zu sinen gnoden geschicket, und, was uns 
sine gnode seit, das wellent wir unsern fninden sagen». Damit 
endet das politische Gespräch; nur Schade, dass wir die Gedanken 
des Bischofs über dasselbe nicht kennen. Nicht viel anders wird 
GS mit den übrigen Städten gewesen sein ; sie schickten ihre Boten, 
um zu hören, was man mit ihnen zu reden habe. Deutlicher ver- 
mag nichts die Stellung der Städte auf den Reichsversammlungen 
zu charakterisieren. Eine selbstständige Reichspolitik lag ihrem 
spiessbürgerlichen Egoismus fern. ^ 

Die spärlichen Nachrichten, die wir über die Verhandlungen 
des folgenden Frankfurter Reichstages im December 1397 und im 
Januar 1398 besitzen, geben zumal für unsern Zweck keine grosse 
Ausbeute. Am 6. Januar erlässt König Wenzel eine allgemeine 
liandfriedensordnung auf 10 Jahre (Nr. 10) ; * es heisst zu Anfang 
derselben: «so haben wir mit wolbedachtem mute gutem rade unser 
und des heiligen richs kurfursten fursten herren und stete die nach- 
geschriben ordenunge und gesecze geseczet» etc. Freilich blieb 
dieser Landfrieden, in dem der König das ganze Reich zusammen- 
zufassen gedachte, bei der grossen Differenz zwischen ihm und den 



* Cf. hierüber JB. A, II p. 475 sub C und Einleitung zum II. Bande p. XVI 
.gegen Ende. 

' Lindner II p. 385 and sonst über den Tag p. 388 n. 896. 



— 92 — 

Ständen betrejBTs einzelner Punkte «nichts weiter als ein schätzbares 
Material»«^ Auch hier kommt wie hei dem vorigen Nürnberger 
Tage nnr ein Teillandfrieden und zwar nach Beendigung des Tages 
am 3. März zwischen Kurmainz Kurtrier und Kurpfalz, sowie den 
Städten Mainz Worms Speier Frankfurt Friedberg Gelnhausen, 
und Wetzlar zu Stande (Nr. 25), wobei allerdings die Städte durch- 
aus auf gleicher Stufe mit den Fürsten stehen. Wie wenig jedoch 
auf die oben angeführte Formel^ in dem Gesetz vom 6. Januar zu 
geben ist, zeigt die etwa 2 Wochen später, am 22. Januar erlassen» 
Urkunde Wenzels, worin er Graf Philipp von Nassau zum Haupt» 
mann des Landfriedens am Ehein und in der Wetterau macht. 
(Nr. 12). Dort ist mit Bezug auf Nr. 10 von Städten gar keine 
Bede. Einigen Aufschluss geben die Kostenaufzeichnungen. Be- 
achtenswert ist in Art. 3 der Ausgaben Frankfurts Nr. 35 (p. 71,. 
Z.IO): «item 100 g. 33 g., als man andern korfursten fursten herren 
steden^ und andern erbern luden virschenket hat, als . . der konig- 
und die korfursten hie * . waren» ; zum Schluss desselben Art. 3^ 
findet sich wieder: «als., der könig und die fursten hie waren». 
Dagegen heisst es in Art. 4, aber in anderer Fassung: «als man 
seß wochin den win virschenkte dem kunige fursten herren und 
steden, als die hie waren». So klein die Abweichung auch ist, so 
ist doch zu beachten, dass es nicht pure heisst: «als der König, die- 
Fürsten und die Städte hier waren». 

In der Augsburger Rechnung Nr. 36, Art. 1 gleich anfangs^. 
ist mit Beziehung auf den Reichstag bemerkt*: «64g. haben wir 
geben tJohann den Mangmaister gen Franckenfurt . . . zil den kur- 
fflrsten». Diese hält der Schreiber wohl nicht mit Unrecht für die- 
Hauptfaktoren der Versammlung. 

Der Frankfurter Reichstag vom Januar 1398 ist «der letzte, 
den König Wenzel gehalten hat. Mit dem Bopparder Tag von 1399 
im April beginnen jene Versammlungen, welche nicht vom König», 
sondern von den Fürsten zusammengerufen sind und ihren Gipfel 
und Abschluss in dem Absetzungstag finden».^ 



^ E, A. III p. 7 Z. 45 ff. ; überhaupt die Einleitung sub E. 

^ Nebenbei bemerkt, fanden wir in der Formel: «mit gonste und rate» die 
Städte zum ersten Male miterwähnt in der Verlängerung des Würzburger Land- 
friedens von 1287 durch König Adolf auf dem Hoftage zu Köln 1290; s. ob. p.21. 

^ Die wie die Fürsten zahlreich vertreten waren; cf Nr. 84 p. 70 Z, 9 ff. 

* Cf p. 73 Anm. 2. 

^ p. 77 Einleitung. 



— »3 — 

. '■ E^' kann zweifelhaft isein, ob es zweckentsprechend ist, auf die 
folgenden Yersammlungen, , unter denen sich kein eigentlicher Beichs^ 
tsg befindiet, einzügehn« Jedodh es sind darunter eine ganze Reihe 
iron Fürsten- und Stäidtetagen, und grade sie scheinen geeignet, 
das Yerhältniss zwischen Fürsten und Städten genauer zu beobachten: 
Doch wollen wir uns möglichst kurz fassen. 

Die drei nächstfolgenden Tage, nämlich die Kurfürstenversamna-» 
lung zu Boppard im April, zu Marburg im Juni und den FürsteiH 
tag zu Mainz im September 1399, können wir ruhig übergehen; 
wenn sich auch Siädteboten als anwesend nachweisen lassen, so 
verfolgten diese doch wohl mehr den Zweck, über die Pläne gegen 
den König, allerdings mit schlechtem Erfolge,^ Erkundigungen ein- 
zuziehn. 

Der Fürsten- und Städtetag zu Frankfurt im November 1399 
bezeichnet eine weitere Entwicklungsstufe in der Überhauptsfrage. 
In den bereits von Kurfürsten und Fürsten geschlossenen Bund 
sucht man jetzt auch die Städte zu ziehen, wie das Einladungs- 
schreiben Nr. 69 beweist. Aber auch der König bemüht sich um 
jene. Wie er auf dem Fürstentage zu Mainz seine Abgeordneten 
bevollmächtigt hatte «mit den kurfursten und allen andern . . . 
forsten einen genanten tage zu machen ufzunemen ubcrkomen und 
zu seczen» (von Städten also nichts), freilich ohne jeden Erfolg 
(Nr 55), so will er jetzt mit den Städten ^ ohne Fürsten einen Tag 
in Nürnberg am 13. October, also einen königlichen Städtetag halten ; 
natürlich fehlt es da in dem Beruf ungsschreiben Nr. 72 nicht an 
den üblichen B,edensarten : «gmeinen nucze fride und ordenunge in 
dem heiligen reiche mit ewrer hülfe und rate zu schicken». Aber 
aus dem Tage wird nichts, ebensowenig wie aus einem von Wenzel 
beabsichtigten Reichstage. «Dagegen halten nun die Fürsten ihren 
Frankfurter Tag mit den Städten im November. Zwar nicht alle 
die letztem erschienen. Köln kommt nicht, Regensburg jind die 
schwäbischen Städte lehnen ab, Frankfurt war natürlich da und auch 
Mainz». ^ 

Man unterscheidet die Verhandlungen der königlichen Räte — 
und zwar wurden dieselben von Nürnberg aus geführt — 1) mit den 
Fürsten^ 2) mit den Städten. Darüber haben wir die Akten, worauf 
es was aber ankommt, auf die Verhandlungen zwischen Fürsten und 

' , ■ *€f. Nr.. 53. '.'',' 

1? Cf. p. 119 Bub A. ' ;,.,.< ' ; 

-' ' A. a. 0. sub ß: 



— 94 — 

Städten, darüber haben wir keine Akten. ^ Und das ist ancli nicht 
wundeibar. Wir dürfen ruhig annehmen, dass das in den Briefen 
der Frankfurter (Nr. 90 und Nr. 91), sowie das in Nr. 93 Erwähnte 
f^ ziemlich alles ist, was man als Unterhandlungen zwischen Fürsten 
und Städten bezeichnen könnte. ^ 

Die fürstliche Absetzungspartei gestattet den Letzteren nicht 
entfernt Anteil an ihren Beratungen, von denen diese also auch 
während der Dauer derselben nichts wissen können, wenigstens nichts 
Direktes. Erst rach Abschluss der Verhandlungen erfahren die 
städtischen Abgeordneten die Hauptergebnisse, aber auch jetzt nur 
so viel, als den Fürsten gut scheint. Es wird ihnen von diesen, 
wie auch sonst öfters, überlassen, ihren Entschluss nach Ablauf 
einer bestimmten Frist dem Erzbischof von Mainz mitzuteilen. Was 
hätten auch sofortige lange Unterhandlungen mit den Bürgerschaften 
genutzt! Die wären grade mit ihrem Hintersichbringen und ihrer 
ilDgstlichen Vorsicht bei einer solchen Sache zu brauchen gewesen! 
Daher geben ihnen die Fürsten, denen es nur darauf ankommt, sie 
hinzuhalten und dem Könige gegenüber ungewiss zu machen, Zeit, 
die Sache nach Hause zu berichten und bis Weihnachten Bescheid 
zu geben. ^ 

Der folgende Fürstentag zu Frankfurt im Januar und Februar 
1400 giebt zu keinen Erörterungen Anlass; nur beschliessen die 
Fürsten wieder, auf einen ebenfalls in Frankfurt und zwar im Mai 
abzuhaltenden Tag auch die Städte einzuladen (Nr. 112). Es folgen 
dann der Einladung eine ganze Reihe: Strassburg Mainz Nürnberg 
Köln Erfurt Ulm Esslingen Weil (die drei letzten «von der Swebeschen 
steten gemeinde wegen»), endlich Metz und Wetzlar.* 

Dennoch heisst es in den Kostenberechnungen, sowohl von 
Frankfurt als von Augsburg nur, und zwar fünf Mal: «da die fdrsten 



* p. 120 sab D. 

* sab F, p. 120 Z. 30 ff. 

' Cf. Nr. 90, Schluss ; JAndner in den Beilagen II p. 519. Zu bemerken ist 
noch, dass es in Art. 1 der Frankfurter Kosten (Nr. 94) zweimal heisst; «als die 
fiirsten hie waren» ; ebenso Art. 2 u. 8 : «als fursten und herren hie waren.» — 
Ob die Städte Bescheid gethan haben, wissen wir nicht ; H. A. III p. 147 Z. 5 ff. 

* Cf. die Liste der Besucher des Tages Nr. 138, die Weiz8. (p. 169 sub B) 
mit Unrecht für «amtlichen Ursprungs» halt. Nämlich in dem Berichte der Strassb* 
Boten über den Tag (Nr. 165) zählen diese die anwesenden FUrsten und Herreit 
auf, berichten über Beratungen derselben und sagen dann (p. 202 Z. 12 ff.): und 
ist hie der hertzog von Brunswig etc. und sussent vil graven und herren und stette 
die wir üch alle verschriben bringen wellent mit uns.» Da nun jene Liste Nr. 188 
Sti-assburger Provenienz ist, so wird sie wohl die versprochene Privataafzeichnung 
der Strassburger Boten sein; unter den aufgezählten Städten steht die ihrige obenan. 



— 95 — 

hie (respektive do) waren» (Nr. 1G3 und 164). Und in der That 
beschränken sich die Verhandlungen mit den Städten darauf, dass 
diesen wiederum Vorschläge gemacht werden, sich dem Verfahren 
der Fürsten gegen Wenzel anzuschliessen. Letztere treten dabei 
offen mit dem Absetzungsplane hervor. Die Städte beschliessen -- 
es ist die alte Geschichte — auf einer in Mainz am 1. Juli abzu- 
haltenden Sonderversammlung, sich über die gemachten Anträge zu 
beraten.^ Kurfürsten und Fürsten gehen also auch hier ganz 
selbständig vor; die Städte sind nur als eventuelles Zustimmungs- 
material behandelt. Die Rede Talburgs müssen sie sich aus dem 
Gedächtniss aufzeichnen, weil sie dieselbe nicht schriftlich erhalten 
können. ^ Zwar sollen wieder auch die Städte nach Oberlab nstein 
Abgeordnete schicken und sollen mit darüber entscheiden helfen, ob, 
falls der König sich dort einstellt, er in genügender und befriedigen- 
der Weise alle Gebrechen abstellen werde; aber komme er nicht, 
€80 meinen unsere herren die körfursten ein anderunge zö tun an 
dem heiligen riche und einen andern zu dem heiligen riebe zu 
seczen». Die Städteboten sollen das an ihre Freunde bringen, den 
Lahnsteiner Tag beschicken und bei dem, den die Kurfürsten zum 
Reiche setzen werden, sowie bei den f kürfflrsten und andern fursteu 
und herren darzü gehörig» bleiben. ^ Trotzdem also die Städte 
ausdrücklich aufgefordert werden, ihre Boten nach Oberlahnstein zu 
senden, heisst es doch in dem an Wenzel, sowie in dem an Jobst 
gerichteten Berufungsschreiben der vier rheinischen Kurfürsten zum 
genannten Tage (Nr. 146 — 149) nur, dass sie sich dort einfinden 
sollen fbi uns den kurfursten und den andern fursten, die auch 
aldar zu uns werden komen». 

Auf ihren drei Versammlungen zu Mainz am 1. Juli und am 
5. August, und zu Koblenz am 8. August beraten nun die Städte, 
was sie auf die ihnen durch Talburg eröffneten Vorschläge der Kur- 
fürsten antworten sollen.* Das vorauszusehende Resultat ist, dass 
sie € vorläufig jede weitere Antwort wegen ihrer Verbindlichkeit 
g^en König Wenzel ablehnen».* Am 20. August erfolgt dann 
dessen Absetzung (Nr. 204—207); namentlich Frankfurt beeilt sich, 
die scheinbar überraschende Nachricht dem König unter Beileids* 

* Cf. die Rede des Ritters von Talburg Nr. 142; Limhier p. 42. 
» Cf. Nr. 160 0. p. 188 Anm. 2 gegen Schluss. 

* Cf. p. 189 Z. 86 ff. 

* Nr. 167, 168, 178; p. 174 ff. sub J. 

* Cf. den Bericht der kölniscben Gesandten über den Lahnsteiner Tag Nr. 224. 



— 98 — 

vorteilhafter, die Städte in. möglichst grosser Zahl in seiner Gegen» 
wart vertreten zu haben; denn so konnte er viel erfolgreicher als 
durch den ausgedehntesten brieflichen Verkehr seinen Anordnungen 
persönlich Nachdruck verleihen und seine nicht unbedeutenden In- 
terössen, die er als Keichsoberhaupt an den Reichsstädten hatte, 
gehörig vertreten. Dann aber — und das ist die Hauptsache — 
waren die Städte durch die Beschlüsse der Versammlung, mochten 
sie an dem Zustandekommen derselben auch nicht mitgewirkt haben, 
gleichsam verpflichtet, denn sie waren doch schliesslich dabeigewesen. 

Wir haben bereits im Zusammenhange mit der Besprechung 
der königlichen Städtetage auseinandergesetzt, wie die Vertretung 
der Reichsstädte auf den Reichsversammlungen wenigstens der von 
uns behandelten Zeit allein richtig aufzufassen ist, nämlich ih Ver- 
bindung mit dem persönlichen Verhältniss jener zu dem Reichs- 
oberhaupte. Die massgebenden Verhandlungen sind nur dessen und 
der Fürsten Sache; sie haben, wie man das am besten bezeichnet, 
die Initiative und das Bestimmungsrecht Wo also den Städten 
versprochen wird, dass der König mit ihrem und der Fürsten Rate 
die betreffende Reichsangelegenheit austragen wolle, ist damit in der 
Regel nicht auf eine gleichberechtigte Teilnahme an jenen initiativen 
und ausschlaggebenden Verhandlungen hingewiesen , sondern auf 
Verhandlungen, die der König je nach Beschaffenheit der vorliegen- 
den Sache und nach eignem Ermessen mit seinen Reichsstädten im 
Anschluss an die bereits gefassten Beschlüsse des eigentlichen Reichs- 
tages, also nachträglich führt. 

Diese Normalsachlage wird dann auch durch die Ereignisse unter 
König Wenzel im ganzen nicht modificiert. In den Teidigungs- 
versammlungen, die durch den Städtebund und den Städtekrieg ver- 
anlasst werden, steht freilich die Städtepartei der Fürstenpartei gleich- 
berechtigt gegenüber, und es ist keine. Frage, dass dadurch, nament- 
lich bei einem für die erstere günstigen Ausgange des Krieges ihre 
Stellung wesentlich gehoben werden konnte und zum Teil wohl 
auch gehoben worden ist. Die gleiche Wirkung wird man den 
königlichen Städtetagen zuschreiben können, wie sie schon unter 
Ludwig^ und Karl IV., dann namentlich unter Wenzel ziemlich 
häufig vorkommen. Aber die königlichen Städtetage waren doch 
keine Reichstage und die Teidigungstage gingen mit ihrer Ursache 
vorüber. Und sobald der Teidigungscharakter den Versammlungen 
abgeht, tritt das alte Normalverhältniss mit der fürstlich-ständischen 
Superiorität wieder in seine Rechte, und wir glauben auf Grund der 



— 99 — 

angeführten Wendungen aus den Stadtrechnungeu annelimen zu dürfen^ 
dass es den Zeitgenossen so ganz in der Ordnung schien Wir 
nehmen ferner an, dass es den Städten, so günstig die Gelegenheit 
war, doch nie in den Sinn gekommen ist, hierin eine Andrung der 
Reichsverfassung herbeizuführen, indem sie etwa auf ihren Bund 
gestützt dem reichsständischen Element eine legitime und entschei- 
dende Stellung im Beiche und auf den Reichsversammlungen sichern 
wollten. ^ Sie haben weder noch beanspruchen sie auf denselben 
reichsständische Rechte. Wo nicht ihre Interessen berührt werden ^ 
lassen sie die Dinge an sich herankommen, und wenn man sie auf- 
fordert, so schicken sie ihre Abgeordneten, «um zu hören, was man 
ihnen sagen wirdt. 



^ * Die MöglicLkeiten einer Verfindmng der deutschen Reichsverfassung in dieser 
Beziehung hat namentlich Lindner erwogen; cf. Wenzel I, p. 141, 284 ff.; II 
p. 88—42 ; p. 73 ff. ; p. 441. 



Ctifi'tians k Sehvlthtis, WSrmci'i BorlKlnickerei, Kraienkamp 22 und 44 



A